"Ich stelle die Welt auf den Kopf!"
Mitreden in ihren eigenen Angelegenheiten, die eigene Sicht der Dinge auf sich und die Welt darlegen – das Österreichische Jugendrotkreuz stellte am Donnerstag Vormittag in Wien eine „Jugendcharta“ vor.
Zunächst einmal die mit Jugendlichen erarbeiteten 10 Punkte in Kurzform
1. Ich stelle die Welt auf den Kopf!
2. Meine Familie, das sind alle, verwandt oder nicht, auf die ich mich verlassen kann.
3. Niemand kann sich aussuchen, in wen man sich verliebt, jede Beziehung ist zu respektieren!
4. Ich habe ein Recht auf
Bildung und Lehrstellen, ich will vieles wissen, mehr als ich für den Beruf brauche.
5. Fairer Lohn für gute Arbeit statt Nulltarif für PraktikantInnen
6. Jede/r brauch Zeit zum Durchatmen, Ausschlafen, Rumhängen…
7. Mein Körper spricht mit mir und sagt mir, was er braucht, ich allein muss mich in ihm wohl fühlen.
8. Ich will die Möglichkeit haben, mitzureden!
9. Ich träume von einer Welt ohne Ausländer, weil wir alle in derselben Welt leben, jede/r gleich viel wert ist und die gleiche Chance verdient.
10. Ich fordere nicht nur, ich gebe auch – meine Zeit, mein Engagement.
Mit Jugendlichen
Erarbeitet wurde das 10-Punkte-Programm mit und von 50 Jugendlichen bei der Jugendtagung der Organisation, bei der die freiwilligen Mitarbeiter_innen aus den verschiedensten Gegenden Österreichs zusammenkamen. Die Charta war Auftakt für eine Online-Diskussion, an der sich zwischen 100 und 200 Jugendliche beteiligten. Sie soll ab sofort noch breiter diskutiert und gegebenenfalls auch verändert werden, erklärte Peter Müller. Er ist der in die Präsidialkonfernez des Roten Kreuzes kooptierte Jugendvertreter und hofft, „beim nächsten Mal wollen wir unsere Vertretung übrigens basisdemokratisch selber wählen, das würde auch dem Sinn der Charta entsprechen, dass Jugendliche selber mehr mitreden wollen“.
Martina Taferner, Transkulturelle-Kommunikations-Studentin in Graz, ist seit sie zehn Jahre jung war beim Jugendrotkreuz. „Bei uns in der Schule, im Innsbrucker Realgymnasium am Adolf-Pichler-Platz gab’s eine engagierte, initiative Gruppe. Wir haben uns zum Beispiel bei Spendenaktionen immer was Kreatives einfallen lassen, haben Projekt gemacht und Erste-Hilfe-Kurse.“ Später wurde sie erst tirol- und dann österreichweit Jugendsprecherin, leitet eine eigene Gruppe und engagierte sich im Diskussionsprozess um die Charta und betont, dass ihr die Einbeziehung der 14- bis 16-Jährigen in die Erstellung des Programms besonders wichtig war.
Übrigens: Das Österreichische Jugendrotkreuz spielt hier eine Vorreiterrolle. Ab Sonntag kommen rund 150 Vertreterinnen und Vertreter von Rotkreuz und Rotem Halbmond aus 100 Ländern nach Wien, um bei einer "Global Yoth Conferce" ähnliche Prozessse weltweit in Gang zu setzen.