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© Bild: Mirno More
Friedensflotte Mirno More
18.09.2014

Beim Segeln Vorurteile über Bord werfen

Hunderte Kinder und Jugendliche aus eineinhalb Dutzend verschiedenen Nationen segelten im Zeichen des Friedens. Telefoninterviews mit fünf Kids.

Die 20. Friedensflotte Mirno More neigt sich dem Ende zu. Das große Friedensfest in der Mitte der Woche ist bereits über die Bühne gegangen, die Formationsfahrt – bei der alle 106 Boote mit den insgesamt 950 Teilnehmerinnen und Teilnehmern gemeinsam aufkreuzen ist vorbei. Die Schiffe segeln zurück in ihre Ausgangshäfen.
Fünf der Kinder gaben dem Kinder-KURIER telefonisch kurze Eindrücke. Sie alle sind das erste Mal mit bei der Friedensflotte unterwegs, wenngleich die meisten schon mindestens einmal auf einem Segelboot waren.

Neuen Freund gefunden

Léon © Bild: Mirno More
Der 13-jährige Léon – an Bord der Leopard Zadar – "war schon einmal am Bodensee segeln, aber nur mit Verwandten. Bei der Mirno More ist es schon ein bisschen besser, weil man da mehr machen kann und halt auch mehr Freunde hat. Ein Kumpel, den ich schon vorher hatte, ist auch hier mit. Aber ich hab in dieser Woche noch einen neuen Freund gefunden."
Mithelfen ist immer gefragt. "Wenn wir anlegen, dann binden wir die Fender an." (Damit Boote nicht aneinander oder an die Kaimauer krachen). Wir haben bei uns am Boot noch nicht Segel selber gesetzt, aber gesteuert schon öfter. Wenn man das gut erklärt kriegt, ist es eigentlich sehr einfach."
"Bei der Disco haben wir auch viele andere Kinder getroffen und uns mit vielen angefreundet. Das schönste bisher war das Schnorcheln mit Freunden in einer Buch. Da hab ich viele Seeigel gesehen und auch Fische."
"Es ist so toll, dass ich gar nicht Heimweh habe, nein überhaupt nicht!"
Noah © Bild: Mirno More
Noah (11) "war schon vorher einmal mit Freunden segeln, aber hier hat man ein paar Freunde mehr und man kann viel mehr machen. An Bord spielen wir oft Karten. Das Tollste bisher war aber die Disco. Am Boot müssen wir natürlich mithelfen, zum Beispiel abwaschen. Aber sogar daran haben wir Spaß, weil wir’s gemeinsam machen."

Übung fürs Mitarbeiten

© Bild: Mirno More
Jasmina* (Name von der Redaktion geändert), 13, "war schon öfter auf bei Ausflügen auf einem Segelboot, sogar am Meer, aber hier haben wir viel mehr an Aktivitäten, die wir machen können: Spiele oder Tattoos malen lassen.“
Beim Mithelfen – "zum Beispiel bei den Fendern reinholen oder beim Segel setzen braucht’s schon einige Übung. Aber wir haben’s schon ein paar Mal geübt und dann geht’s nicht so schwer."
Klemens © Bild: Mirno More
Sie, sowie die beiden nächsten Interviewten, segeln an Bord der "Kristina 2". Bei allen Dreien baten die Betreuer für Medienberichte die Namen zu ändern.
Klemens* (12) ist bei der Friedensflotte "das zweite Mal auf einem Segelboot. Im Sommer waren wir auch in Kroatien. Hier haben wir alle mehr Freundinnen und Freunde und damit auch viel mehr Spaß. Das Mithelfen ist manchmal schon recht streng, wenn man zum Beispiel die Fenderknoten noch nicht so richtig kann. Oder die Heckleine werfen und die Muringleine holen. Aber wir haben schon viel mitgeholfen. Meistens macht das eh Spaß, aber manchmal auch nicht so sehr."

Teamgeist

Ana © Bild: Mirno More
Die 15-jährige Ana findet "Mirno More sehr cool, weil wir viele Dinge machen, die Spaß machen, wie die Aufführungen beim Friedensfest oder die Stationen beim Spieletage. Die Sachen, die vielleicht nicht so einfach sind, wie Muring rausholen oder Heckleine werfen, haben wir mehr geübt, weil sie auch für den Pass (Junior-Skipper) sind. Und da haben sich dann schon viele mehr eingesetzt, um den Pass zu kriegen. Wichtig ist auch, dass man im Team gut zusammenarbeiten lernt.“

Hintergrund

© Bild: Mirno More
Vorurteile über Bord werfen und Toleranz lernen“ ist das Motto der „friedensflotte mirno more“. Im Jubiläumsjahr (zum 20. Mal) segel(t)en rund 950 Kinder, Jugendliche (viele davon aus sozial benachteiligten Verhältnissen) und ihre Betreuungspersonen aus insgesamt 18 Nationen in den Gewässern zwischen der Küste Dalmatiens und der Inselwelt der Kornaten.
Neben viel Spaß, Freude, Begegnungen mit Kindern anderer Kulturen, Religionen… überwinden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dabei auf spielerische Art oft Vorurteile, üben Teamgeist und Toleranz ein.

Völkerverbindende Schiffbauaktion

Anlässlich des Flottenjubiläums wurde auf Initiative und unter Anleitung des Künstlers Davor Mihalić von Kindern der Friedensflotte ein 2 Meter langes mirno more-Segelschiff aus Holz gebaut, und am Mittwoch den 18.9. in der Marina Kastela feierlich zu Wasser gelassen. Die Idee war es, Kinder des Gastgeberlandes Kroatien (bedürftige Kinder aus Kastela) ein Schiff für alle mirno more-Kinder der freundschaftlichen Länder Bosnien, Serbien und Slowenien bauen zu lassen.
Beim ersten Auslaufen des Schiffs saßen symbolisch jeweils ein mirno more-Kind aus den Ländern Kroatien, Bosnien, Serbien und Slowenien im Schiff.

Reden und anpacken

Die vielfache Schwimm-Medaillengewinnerin und Sportlerin des Jahres Mirna Jukić unterstütz das Projekt Mirno More seit etlichen Jahren nicht nur ideel, sondern durch tatkräftige Mithilfe im Organisationsteam – schon bei der Vorbereitung und packt die ganze Woche an, wo immer was zu tun ist. Sie meint: „Zu sehen wie die Kinder und Jugendlichen zusammen kommen, wie sie sich anfreunden und Zeit miteinander verbringen, wie sie spielen und tanzen,... egal was sie machen, in ihren Gesichtern ist immer ein Lächeln zu sehen. Und das ist so schön! Ich bin froh, ein Teil dieses Projekts und des Teams sein zu dürfen.“

www.mirnomore.org

Fotos...