Europa. Junge Menschen aus 40 verschiedenen Ländern geben Einblicke in ihr Leben
Efthymia ist 15 Jahre alt. Sie trifft gerne Freundinnen, liebt Tiere und die Farbe Rosa. Ihr Vater Tomas ist Lehrer, Mutter Elsa hat einen großen Baumarkt geerbt. Sie sind wohlhabend und leben auf einem Bauernhof in Griechenland. Ein Land, das gerade in einer schwierigen Lage ist. Der Staat hat kein Geld und muss sparen. Efthymia macht sich darüber Gedanken und glaubt, es wäre besser, wenn ihr Land aus der EU ausgetreten wäre. Sie meint: „Wir haben zu viele Probleme.“ Die 15-Jährige wünscht sich für ihr Land eine bessere Zukunft. Sie möchte später einmal einen Job haben, der mit Kindern zu tun hat.
Zukunft
Der deutsche Fotograf Uwe Ommer und die Autorin Regine Feldgen haben Efthymia und ihre Eltern zu Hause besucht und fotografiert. „Wir wollten wissen, wie junge Menschen und ihre Familien in Europa leben, welche Zukunftspläne und Wünsche sie haben.“ Dejvit, 16 Jahre alt beschäftigt sich mit dem Thema Arbeit. Der Bursche lebt mit seinen Eltern in einem Mietshaus in der albanischen Hauptstadt Tirana. Albanien ist eines der ärmsten Länder Europas und gehört nicht zur europäischen Union. Die EU sieht Dejvit als große Chance gegen die Arbeitslosigkeit. „Wenn ich mir ein Land für eine Arbeitsstelle aussuchen dürfte, dann wäre es Deutschland.“ Auf seiner Reise in 40 Länder fand der Fotograf Uwe Ommer heraus, dass vor allem Umweltschutz und Ökologie Themen sind, für die sich Europas Jugendliche engagieren. „Die meisten lernen darüber in der Schule und bringen zu Hause ihren Eltern bei, wie man Müll trennt,“ sagt Ommer. Obwohl es in Europa Schwierigkeiten gibt, hatte er den Eindruck, dass die Jungen ihre Zukunft positiv sehen. Sie möchten im Ausland studieren und das erlernte Wissen in ihr Heimatland bringen.
Rockstar
Die siebzehnjährige Lucja aus Lettland würde zum Beispiel gerne in England studieren. Sie entwirft in ihrer Freizeit Mode und interessiert sich, wie ihr Bruder Klaus (19), für Musik. Klaus spielt Gitarre in einer Band und träumt davon, Rockstar zu werden. Mit diesen Wünschen können die Eltern Juris und Ilona wenig anfangen. Sie sind in einer anderen Zeit aufgewachsen. Durch Europa reisen und Geld verdienen, wie es ihre Kinder wollen, war nicht möglich. „Meine Mutter jammert die ganze Zeit, sie gehört einer anderen Generation an“, sagt Lucja.
Auch wenn ihre Kinder anders groß werden, können sich die Eltern auf sie verlassen. „Wenn wir im Winter Feuerholz brauchen, geht die ganze Familie in den Wald Holz schlagen“, sagt Vater Juri.
WISSEN: DAS VEREINTE EUROPA
Friede
Um Krieg auf dem europäischen Kontinent zu vermeiden, legte der französische Außenminister Robert Schuman 1950 den Grundstein für die heutige Europäische Union (EU). 1958 wurde die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) gegründet, der sich Deutschland und Frankreich, Belgien, die Niederlande, Luxemburg und Italien anschlossen. In mehreren Runden wurde diese Gemeinschaft vergrößert. Österreich trat der EU 1995 bei. Die 27 Mitgliedsstaaten sind: Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich,
Griechenland, Irland, Italien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, Ungarn, das Vereinigte Königreich und Zypern. 2013 wird Kroatien beitreten. Insgesamt hat die EU rund 509 Mio. Einwohner.
Krise
Seit Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 haben sich mehrere EU-Staaten verschuldet. Besonders kritisch ist die Lage in Griechenland. Die EU-Staats- und Regierungschefs wollen, dass das Land in der Euro-Zone bleibt und nicht bankrott geht. Eine Pleite würde die anderen Euro-Staaten schwer treffen. Um die Schuldenkrise zu lösen, treffen sich Europas Politiker regelmäßig in Brüssel.
BUCHTIPP
Der deutsche Fotograf
Uwe Ommer und die Autorin Regine Feldgen fotografierten und befragten innerhalb von zwei Jahren 267Familien in 40 Ländern Europas. Daraus entstand das Buch„Wir sind Europa – Teens und ihre Familien“.
Erhältlich im Buchhandel oder unter www.knesebeck-verlag.de, 19,95 €.