Leben/Gesellschaft

Der Gen-Vergleich macht sie sicher

Wurde der Auerhahn von einem Wilderer geschossen? Ein schwieriger Fall: Die Ermittler finden lediglich eine Blutspur im Kofferraum seines Autos. Ohne Federn am Tatort, sei es schwierig den Schützen zu überführen, beschreibt Helmut Sattmann, Experte für Wirbellose Tiere am Naturhistorischen Museum (NHM), einen typischen illegalen Tierabschuss, der schwer nachzuweisen sei. In solchen Fällen sei Kommissar DNA vonnöten. Und der bekommt nun Unterstützung.

Alle Inhalte anzeigen

Spezialisten einiger österreichischer Natur-Sammlungen – neben dem NHM sind die VetMed Uni Wien, das Tiroler Landesmuseum und die Universität Graz zu nennen – haben sich zusammengetan und eine österreichische DNA-Datenbank ins Leben gerufen. In dieser Datensammlung sind, für jede Organismengruppe typische, DNA-Sequenzen abgespeichert. Die Forscher machen sich eine Eigenheit der Evolution zunutze: "Alle Lebewesen sind über den Stammbaum der Evolution miteinander vernetzt. Je ähnlicher sich gewisse DNA-Abschnitte sind, desto näher sind sie miteinander verwandt." Diese kurzen Gen-Abschnitte können per Mausklick mit den vor Ort gesammelten Proben verglichen werden, sagt Elisabeth Haring, Zoologin und Genetikerin am NHM. Bei den meisten Tiergruppen dient dazu ein etwa 650 Basenpaare langer Code des CO1 Gens, das in der DNA der Zellkraftwerke (Mitochondrien) ist.

Live-Demonstration

Bei einer Demonstration vor Publikum kopierte Haring die DNA-Sequenz vom Tatort in ein Such-Fenster und binnen Sekunden wurde ein Ergebnis ausgegeben: Tetrao urogallus, der Auerhahn. Auch in der Forensik, bei der Identifzierung von Krankheitserregern und im Naturschutz werde sich dieses neue Instrument bewähren, erläutert Sattmann. Bei äußerlich schwer zu trennenden, sogenannten "kryptischen" Arten gebe es oft Unterschiede auf genetischer Ebene, die mit diesem Abgleich entdeckt werden, meinte Schmetterlingsforscher Peter Huemer, "es bleibt kein Stein auf dem anderen".

Der Ausdruck "DNA-Barcode of Life" (www.abol.ac.at), Strichcode des Lebens, für diese Vorgangsweise, sei zwar nur eine "grobe Analogie", sagte Haring, aber sie habe sich nun mal eingebürgert. Einige Organismengruppen wurden bereits teilweise "durchsequenziert": parasitische Würmer, Schnecken und Muscheln (Mollusken), Schmetterlinge, Wirbeltiere.