Bayerische Brauerei nimmt "Grenzzaun"-Bier vom Markt
Name des Biers soll politisches Statement sein.
Die Brauerei Röhrl, ansässig in der Stadt Straubing in Niederbayern, löste mit der Einführung eines neuen Biers vergangene Woche einen Proteststurm aus. Auf der Vorderseite des Etiketts prangt in blauer Frakturschrift der Name "Grenzzaun-Halbe", darunter der Nachsatz "Heimat braucht Bier".
Bayerische Werte
Auf der Rückseite finden sich die Schlagworte: "Beschützen", "Verteidigen", "Bewahren". Weiters sind dort beispielsweise die Wörter "Bescheidenheit", "Toleranz" und der Spruch "Mia san mia" abgedruckt. Bruder Straubinger, ein Handwerksgeselle, der sonst auf den Bierflaschen der Röhrl-Brauerei zu sehen ist, wird auf der "Grenzzaun-Halben" als Totenkopfversion gezeigt.
Doch nicht nur der Name und die Optik des Hellen aus Straubing stieß vielen sauer auf. Eine Flasche kostet inklusive Pfand 88 Cent. Die Zahl 88 wird unter Rechtsextremen als Synonym für "Heil Hitler" verwendet. Das auf der Flasche ausgeschilderte Verfallsdatum ist der 9. November. Jener Tag, an dem im Jahr 1938 in Deutschland die Pogrome gegen Juden stattfanden.
Das "vielleicht ekelhafteste Bier aller Zeiten"
Aufmerksam auf das Bier wurden zuerst die "Erdlinger", eine aktivistische Gruppe aus Moosburg an der Isar. Sie stellten ein Foto des Biers auf Facebook und bezeichneten dieses als das "vielleicht ekelhafteste Bier aller Zeiten". Ausgehend von diesem Posting braute sich im Netz ein Shitstorm gegen das "braune Bier" zusammen.
Studentischer Protest
Unter den Studenten der Universität Regensburg formierte sich ebenfalls Protest gegen die Brauerei. Es soll kein Bier mehr von Röhrlbräu am Campus zu kaufen geben, so die Forderung der Studierendenvertretung AStA. Am Montag kündigte das Studentenwerk Niederbayern/Oberpfalz an, nichts mehr bei der Firma Röhrlbräu nachzubestellen und auch den Exklusivvertrag mit der Brauerei kommenden Juni nicht mehr zu verlängern.
Appell an Politik
Für Frank Sillner, Geschäftsführer der Brauerei, handelt es sich bei all den Interpretationen und Mutmaßungen rund um die "Grenzzaun-Halbe" um ein Missverständnis. Der Bayerische Rundfunk berichtet, dass der Brauerei die Idee für das Bier während der Diskussionen um die Flüchtlingspolitik vor einigen Monaten kam. Man wollte an die Politik appellieren, die Flüchtlingskrise in den Griff zu bekommen. "Wir in Bayern haben Werte, die es zu schützen gilt", so Sillner im Interview mit dem Münchner Merkur.
Obwohl sich das Bier laut Sillner "wie geschnitten Brot, besser als jedes andere Bier" verkauft habe, wurde es am Dienstag schließlich vom Markt genommen. Röhlbräu distanziert sich auf seiner Website von jeglicher Form der Fremdenfeindlichkeit. Matthias Ernst, Vorsitzender des Studentischen Konvents der Uni Regensburg, ist das zu wenig. Das Ettikett auf der Flasche habe suggeriert, dass Geflüchtete eine Gefahr für die Werte unsere Gesellschaft sind, sagt Ernst zu bento.de. Davon habe sich die Brauerei bislang nicht distanziert.