Klein, kurios, kostbar
"Unter 10. Wertvolles en miniature" im Wien Museum.
Auf die Größe kommt’s bekanntlich nicht an: Aber dass kleine Dinge manchmal große Geschichten erzählen, beweist die charmante Schau "Unter 10" (bis 26. Mai) im Wien Museum.
Skurriles
Sie zeigt u. a. Glückwunschkarten von anno dazumal, Christbaumschmuck, Miniaturporträts, Schnupftabakdosen, historische "Finger-Calenderl", Fahrkarten oder Ballspenden im „Small-is-Beautiful“-Format, aber auch "Merkwürdigkeiten und Skurriles" wie drei Zähne von Hugo Wolf, einen Schlüssel zum Sarg von Franz Grillparzer oder Haare von Franz Schubert. Derlei "Reliquien" von Komponisten oder Musikern wurden im 19. Jahrhundert als "Erinnerungsstücke" gesammelt.
Besucher erhalten eine Lupe, können "Wertvolles en miniature" – so der Untertitel der Ausstellung – entdecken und staunen über ein Sammelsurium an rund 350 winzigen und zum Teil unglaublich detailreich gestalteten Objekten, die alle nicht größer als zehn Zentimeter sind. So misst ein putzig achtteiliges Reisenecessaire aus dem Jahr 1865 nur 7 cm in der Höhe.
Design und Münzen
Auf die Spitze getrieben wurde die Miniaturisierung bei lediglich fingerhutgroßen Pendeluhren, wegen der rasanten Pendelschläge auch "Zappler" genannt: Das kleinste Exemplar, um 1830 entstanden, misst lediglich 1,9 x 1,8 x 1,4 Zentimeter (ohne Sockel und Gehäuse).
Preziosen sind auch die kaum bekannten kleinen Entwürfe Egon Schieles für eine Wanddekoration, die den Künstler als ornamentalen Designer ausweisen. „Er wollte die Wände seines Ateliers in diesem Muster bemalen, schaffte es aber nicht mehr vor seinem Tod“, erklärt Museumsdirektor Wolfgang Kos.
Die Numismatik ist mit einem gar winzigen halben "Wiener Pfennig" ("Hälbling") aus dem 13. Jahrhundert mit einem abgebildeten Einhorn in der Vitrine ebenso vertreten wie eine 100-Kronen-Münze von 1924, die damals inflationsbedingt kleinste Münzeinheit. „Wir haben von jeder Währung die kleinste Einheit ausgewählt und zeigen damit die komplette Chronologie des Geldwesens in Wien“, sagt Kos zur Auswahl.
Auf die Ausstellung passt der Museumsslogan: „Die Vergangenheit war noch nie so schön wie heute.“ Sie sei „eine Schatzkammer mit heutigen Mitteln“, als „Festival der Schaulust“ und „Parcours des Staunens“ zu verstehen, aber jedenfalls nicht als ironischer Kommentar, so Kos, dass das „Wien Museum zu klein geworden ist“.
www.wienmuseum.at Bis 26. Mai; Di. bis So. und Fei. 10 bis 18 Uhr Eintritt: 8 Euro.