Kultur

... und noch neun Bücher für den Urlaub

Zu viel Milch im Vermeer

War schon das Debüt von Pieter Posthumus, Beamter in Amsterdam für unbekannte Leichen, großartig: "Das Haus der verlorenen Seelen" (Hoffman & Campe, 384 Seiten, 20,60 Euro) von Britta Bolt unterhält noch besser. Was macht Vermeers "Dienstmagd mit Milchkrug" bei einem Toten? Wieso ist die Milch schon eingeschenkt?
KURIER-Wertung: ****

Sklavin Youma, wiederentdeckt

Noch ein wiederentdeckter Roman des griechisch-amerikanischen Japaners Lafcadio Hearn: . „Youma“ (Verlag Jung und Jung, übersetzt von Alexander Pechmann, 17,90 Euro) ist Märchen, ist Natur, ist brutale Historie in der Karibik, wenn eine schwarze Sklavin für eine blonde Gutsherrentochter zur Mutter wird.

KURIER-Wertung: ****

Farbloser Mann im Dreck

Fabian Bursteins Roman „Rosa Glas“ (Verlag Bibliothek der Provinz,
164 Seiten, 18 Euro) hätte das Zeug zum Bestseller; und man fragt sich wieder einmal, warum’s andere schaffen: Der farblose Herr Glas ist ein Messie. Der Bankberater versteckt sich nach Dienstschluss daheim hinter Tonnen von Dreck und Ungeziefer. Ein Wasserrohrbruch im Haus macht es notwendig, dass Polizei und Feuerwehr die Tür aufbrechen ... und (wie alte Polizeireporter gern schreiben) entsetzt zurückprallen. Herrn Glas’ Verhalten hat einen „guten“ Grund, und es dauert einige schöne, immer wieder überraschende Lesestunden, bis man es versteht.

KURIER-Wertung: ****

Die Provence ist keine Strafe

Ein Militärflugzeug stürzt in einen Olivenhain, und es war kein Pilotenfehler: „Brennender Midi“ (DuMont, 304 Seiten, 15,50 Euro) ist der dritte Krimi der Serie vom Deutschen Cay Rademacher. Ein strafversetzter Pariser Polizist fühlt sich immer wohler in der Provence; und arabische Terroristen gibt es ja nicht nur in der Hauptstadt.

KURIER-Wertung: *** und ein halber Stern

Dave Robicheaux zum Einsteigen

Viel wird zurzeit vom Texaner James Lee Burke übersetzt, „Mississippi Jam“ (Pendragon Verlag, 576 Seiten, 18,50 Euro) ist ein guter Einstieg in die Serie mit Polizist Dave Robicheaux aus New Orleans. Er menschelt schrecklich. Man stelle sich einen Chandler-Roman mit Sturm „Katrina“, einem U-Boot und Neonazis vor.

KURIER-Wertung: ****

Fischstäbchen und Sodbrennen

Es ist nicht gerade der prickelndste Stoff, aber wie ihn der im Burgenland lebende Wolfgang Knabl (Jahrgang 1973) anlegt, wie er sein Debüt mutig zwischen Sätzen wie „Kevin hat ein Fischstäbchen inn der Hand“ und „Nina hat Sodbrennen“ formt, das macht Vorfreude auf Roman Nr. zwei. Von zwei Lebensentwürfen wird erzählt: Kevin ist Musiker, Superstar würde er gern werden, die Zeit drängt. Franz wollte immer ein glückliches Familienleben. Das hat er zwar – trotzdem: Was Rockstar und Biedermeier verbindet, ist Enttäuschung, ist "Notstand" (Verlag Bibliothek der Provinz. 380 Seiten. 20 Euro).

KURIER-Wertung: ****

Stalins Säbel ist in Sicherheit

Lenken einen die fehlenden Kommas nicht ab, ist man voll dabei, wenn Stalins Säbel gestohlen wird. Tito hatte ihn geschenkt bekommen, er ist im Museum. (Das ist die Wahrheit.) Der serbische Schriftsteller Ivan Ivanji, 87, macht daraus ein fiktives, lehrreiches Gaunerspiel, das nach Saudiarabien, Wien und und und führt: „Stalins Säbel“ (Wieser Verlag, 260 Seiten, 14,95 Euro)

KURIER-Wertung: *** und ein halber Stern

Papa soll abtreten, er ist ja tot

Tolles Gefühl, wenn der Sohn schreit: „Du bist tot! Geh weg!“ Herrn Heinz’ Gedärme und Nieren sind nach einem Autounfall ...Gatsch – macht nichts. „Der Tote, der nicht sterben konnte“ (Verlag Wortreich, 272 Seiten, 19,90 Euro) ist ein schräger Roman des Niederösterreichers Hermann Knapp, der ein bissl zu viel will.

KURIER-Wertung: *** und ein halber Stern

Verlogene Tage im August 1936

Dem legendären Leichtathleten Jesse Owen hat Hitler zwar nicht die Hand gegeben (weil seine Siege ein Affront für die angeblich so überlegene „weiße Rasse“ waren), Aber sonst pausierte die Diktatur und zeigte während der Olympischen Spiele in Berlin eine weltoffene Inszenierung. Verlogene, kuriose 16 Tage im August 1936, „Der Stürmer“ erschien versteckter – aber im Hintergrund wurde ein KZ gebaut ... Historiker Oliver Hilmes geht klarerweise mit seinem Geschichterlwerk über Prominente, Nazis und einfache Leut’ nicht in die Tiefe ... aber das Buch wirkt: „Berlin 1936“ Siedler Verlag. 304 Seiten. 20,60 Euro.

KURIER-Wertung: ****