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Kritik
11.02.2015

"Shades of Grey": Fifty Shades of Farblos

Gesehen: Der gehypte Streifen mit Dakota Johnson und Jamie Dornan ist mau.

Wie verfilmt man ein Buch, das sich über 90 Millionen Mal weltweit verkauft hat? "Mit viel Valium", würde Regisseurin Sam Taylor-Johnson sagen: Hatte sie doch beim Dreh ständig die Autorin E. L. James im Genick. Der Ex-TV-Angestellten eilt der Ruf eines Kontrollfreaks voraus. Noch dazu soll sie alle Szenen so gewollt haben, wie sie im Buch stehen. Dieses etwas weltfremde Ansinnen habe zu "lauten Auseinandersetzungen" am Set geführt, wie Insider berichten.

Nun hat es das Hochglanzmärchen mit Sadomaso-Ambitionen endlich ins Kino geschafft. Im Designerloft des ultracoolen Mister Grey geht es zur Sache: Da wird ästhetisch und hygienisch einwandfrei geküsst und gehaut und Sex gespielt, ohne dass jemals expliziter Sex zu sehen ist. Hauptdarsteller Jamie Dornan hat sich sogar eine extra Penis-Klausel in seinen Vertrag schreiben lassen, um nur ja nicht zu viel enthüllen zu müssen.

Mehr ist von Size-Zero-Prinzesschen Dakota Johnson zu sehen, aber auch hier kommt höchstens – neben den kleinen Brüsten – einmal ein Schamhärchen ins Bild. Die Erotik dieses Schmalspur-Sadisticals erschöpft sich in Dialogen wie folgendem: Christian Grey: "Ich bin nicht der romantische Typ. Meine Geschmäcker sind anders gelagert". Darauf Anastasia: "Dann erleuchte mich".

Am prickelndsten ist noch jene Szene, in der Christian und Anastasia wie in einem Business Meeting am Konferenztisch Punkt für Punkt des "Unterwerfungsvertrags" von Mr. Grey durchgehen und sich dabei sichtlich anregen. Doch es passiert nichts: Sie steht auf und geht – ohne Sex, einen siedend heißen Christian hinterlassend.

Ansonsten hat "50 Shades of Grey" den Gehalt einer leeren Toastbrotscheibe und die Tiefe einer Pfütze.

Szenenfotos

Mauerblümchen

Doch die Erwartungshaltung des – vorwiegend weiblichen – Publikums dürfte sich ohnedies eher auf den Mauerblümchen-wird-zur-Sexprinzessin-Aspekt als auf eindeutige Sexszenen konzentrieren. Allein in Österreich wurden vor dem Kinostart bereits 45.000 Tickets verkauft. Ein völlig verrückter Medienhype um einen Film, der schön, aber belanglos ist. Und ein Paradebeispiel dafür, wie mit gigantischem Marketing-Budget ein Bedürfnis nach etwas geweckt wird, das durch seine Qualität nicht bestehen könnte.

Neben den Kinobetreibern dürfen sich mit dem Kinostart von "Fifty Shades of Grey" zumindest auch andere Branchen eine Ankurbelung ihrer Umsätze erhoffen: Die britischen Baumärkte haben ihr Kabelbinder- , Karabiner- und Seilsortiment aufgestockt.

Im Vorteil ist, wer mit einem Polizisten liiert ist – wegen der Handschellen.

Info: Fifty Shades of Grey. USA 2014. 124. Min. R: Sam Taylor-Johnson. D: Dakota Johnson, Jamie Dornan, Marcia Gay Harden.

KURIER-Wertung:

Im Netz gibt es bereits zahlreiche Ironisierungen mit Grau-Schattierungen statt Sex-Szenen
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