Triumph für die Königin des klassischen Balletts
Kritik: "Schwanensee" mit Bravour-Ballerina Svetlana Zakharova an der Wiener Staatsoper.
Was für ein Staatsoperndebüt der Königin der Virtuosität im klassischen Ballett: Svetlana Zakharova, die aus der Ukraine stammende Primaballerina, deren Karriere am St. Petersburger Mariinski-Theater begonnen hatte, begeisterte als Odette/Odile.
Am 26. April ist sie noch einmal zu sehen. Die Vorstellung ist wie die gesamte "Schwanensee"-Serie an der Staatsoper ausverkauft.
Unvergleichlich verkörpert die Zakharova gleichermaßen fragil wie stark die in einen Schwan verzauberte Prinzessin und den zerstörerischen schwarzen Schwan.
Sie zündet ein Feuerwerk an technischen Raffinessen, zeigt nahezu unglaubliche Balancen, wunderbar fließende Armbewegungen und dreht mit atemberaubender Geschwindigkeit.
Prinz Siegfried ist Vladimir Shishov, vielleicht zu respektvoll gegenüber der berühmten Ausnahmetänzerin. Von Leidenschaft und einer innigen Beziehung der beiden war wenig zu spüren, über einige Unsicherheiten in den Pas de deux tanzte Shishov als umsichtiger Partner geschickt hinweg.
Bilder der Aufführung
Homogen und genau
Hervorragend das Wiener Corps de ballet: ob als Mitglieder der höfischen Gesellschaft, Schwäne oder bei den Nationaltänzen, homogen und genau bis ins kleinste Detail von Arm-, Hand- und Kopfbewegungen übernehmen die Tänzerinnen und Tänzer des Wiener Staatsballetts eine Hauptrolle in diesem Ballett. Nurejews Wiener "Schwanensee"-Fassung kommt in vielen Szenen gebührend zur Geltung, zum Beispiel im diesmal besonders gelungenen Pas de cinq im ersten Akt.
Wenn eine international arrivierte Tänzerin wie Zakharova als Gast die Bühne betritt, erlebt diese Wiener Version abweichende, wenngleich reizvolle und abwechslungsreiche neue Elemente.
In manchen Momenten scheint Zakharova ästhetisch Michail Fokins "Sterbender Schwan"-Solo vorwegzunehmen, andere legt sie mit der Kenntnis von Balanchine und Forsythe an.
Nurejew war bekannt dafür, auf persönliche Qualitäten von Tänzern einzugehen, dies hat er beim Wiener "Schwanensee" 1964 für seine Partnerin Margot Fonteyn und für sich in der Prinzenrolle gezeigt.
So gelingt es in der ersten Spielsserie der Einstudierung von Ballettdirektor Manuel Legris, der als Erster Solotänzer in Paris von diversen Varianten Nurejews profitiert hat, neben den Schritten auch den Geist der traditionellen Choreografie zu vermitteln. Dazu gehört das Ende des Balletts, das Legris nach der Premiere für mit einer Annäherung an Nurejews später entstandene Pariser Fassung adaptierte.
Gut und Böse
Um dem Prinzen wie dem Publikum eine ohne Nurejews einzigartiges Charisma langatmige Szene der Ertrinkens in einer gegenüber 1964 veränderten Ausstattung zu ersparen, bleibt Zauberer Rotbart als Gegenspieler länger auf der Bühne, wird das Ringen von Gut und Böse noch stärker akzentuiert. Eno Peci verstärkt als Rotbart die Dramatik bis zum letzten Bild.
Alexander Ingram stand am Pult des Orchesters der Wiener Staatsoper.
KURIER-Wertung: