Kultur

Rehragout brachte den Hauptpreis

In den Texten ging es um verdächtige Himbeeren, ein Flüchtlingsschicksal, ein vermeintlich schwaches Kind und starke Hunde sowie um skurrile Liebesgeschichten.

Sieger bei der Literatur-Casting-Show, den 41. Tagen der deutschsprachigen Literatur in Kärnten, die seit 1977 im Gedenken an Ingeborg Bachmann (1926-1973) veranstaltet werden, ist Ferdinand Schmalz. Der aus der Steiermark stammende und in Wien lebende Dramatiker, Jahrgang 1985, tritt als Kunstfigur auf und heißt mit bürgerlichem Namen Matthias Schweiger.

Er arbeitet gerade an einer "Jedermann"-Neudichtung für das Burgtheater – die Uraufführung ist für Februar 2018 geplant – und erhielt in Klagenfurt den mit 25.000 Euro dotierten Hauptpreis des Wettlesens für seinen Text "mein lieblingstier heißt winter".

Die Geschichte dreht sich um den geplanten Suizid eines krebskranken Mannes, seine Vorliebe für gefrorenes Rehragout und die ungewöhnliche Bitte an seinen Tiefkühlkost-Lieferanten.

Traum und Albtraum

Der heuer neu hinzugekommene Deutschlandfunk-Preis (12.500 Euro) ging an den Austro-Amerikaner John Wray, der in Brooklyn und im Kärntner Friesach am Hof der Familie seiner österreichischen Mutter lebt: Sein Text "Madrigal" ist zugleich "Beschreibung und Bericht, Traum und Albtraum, Zitat und Dialog" und, so ein Juror, präsentiert den "Autor als Spieler". Der war der einzige Kandidat, der bisher auf Englisch schrieb. Mit seinen Romanen wie "Das Geheimnis der verlorenen Zeit" hatte Wray, Jahrgang 1971, bisher sowohl in den USA als auch im deutschsprachigen Raum großen Erfolg.

Den Kelag-Preis (10.000 Euro) erhielt der Deutsche Eckhart Nickel für "Hysteria" über eine Giftküche im Biomarkt. Dort hat ein Mann eine Panikattacke und fällt in eine Zeitreise. Der Leser wird entführt in eine Welt von Dr. Mabuse und Frankenstein, die in der Nahrungsmittelbranche arbeiten und Tiere mit Pflanzen kreuzen.

Kontrovers von der Jury diskutiert wurde die 3sat-Preisträgerin (7500 Euro): Die Schweizerin Gianna Molinari hat über einen Flüchtling, der tot vom Himmel fällt, geschrieben und über einen Mann, der alle Informationen darüber sammelt.

Auch die Apokalypse, die Karin Peschka beschreibt, kam gut an: Die Linzerin ging mit dem Publikumspreis (7000 Euro) nach Hause: Ihr Text "Wiener Kindl", Teil des Bandes "Autolyse Wien – Erzählungen vom Ende", der im August im Otto Müller Verlag erscheinen wird, erzählt von einem Kind, das in einem ausgebombten Haus überlebt und von einem Rudel Hunde adoptiert wird.