Mumok-Chefin: "Meine Gegner schütten Öl ins Feuer"
Karola Kraus über ihre Kritiker, die Probleme mit Blockbustern und ihr Netzwerk.
Bei anderen Bundesmuseen gingen die Verlängerungen der Direktoren-Verträge zuletzt reibungslos über die Bühne. Bei der Suche nach der mumok-Führung läuft es ruppiger.
KURIER: Es gab kritische Stimmen gegen eine Verlängerung – und gestreute Gerüchte. Warum?
Karola Kraus: Diese Diskussionen demonstrieren den Stellenwert unseres Museums. Die Öffentlichkeit interessiert sich explizit dafür, wer dieses Museum leitet. Es gibt zwei Lager: Die Befürworter meiner Verlängerung haben sich über die negative Berichterstattung geärgert. Und einige international bekannte Museumsdirektoren – von Chris Dercon (Tate Modern) über Mendes Bürgi (Kunstmuseum Basel) bis zu Daniel Birnbaum vom Moderna Museet in Stockholm – haben sich für meine Verlängerung ausgesprochen. Als Reaktion warf man mir ein zu eng geknüpftes "Netzwerk" vor.
Aber auch die deklarierten Gegenstimmen sind prominent.
Zeitgenössische Kunst befeuert Diskurse und Diskussionen, das liegt in der Natur der Sache. Die Gegner haben Öl ins Feuer geschüttet, indem sie diese Gerüchte streuten und mit aller Gewalt versuchen, eine Verlängerung zu verhindern.
Sie haben sich gegen Kritik an den Besucherzahlen gewehrt. Muss das mumok mehr Blockbuster zeigen?
Unser Ziel ist es, mit einer Mischung aus unterschiedlichen Programmlinien sowohl ein dezidiertes Fachpublikum, als auch die breite Öffentlichkeit anzusprechen. Und natürlich gelingt dies mit großen Ausstellungen international etablierter Künstler am besten. Allerdings wird es in Zeiten des boomenden Kunstmarktes immer schwieriger, große Blockbusterausstellungen wie die derzeitige Präsentation der Pop Art finanzieren zu können.
Sie haben sich nicht neu beworben, was Sie auch rechtlich nicht mussten – aber Sie wurden eingeladen, mit der Findungskommission zu reden. Was haben Sie ihr erzählt?
Ich habe natürlich meine Erfolge aufgezählt! (lacht) Die letzten fünf Jahre sind meine Bewerbung. Und dann habe ich meine Pläne für die Zukunft dargelegt.
Die würde in ähnlichen Bahnen weitergehen?
Ja, wir sind ein diskursives Museum, das sich in Einzel- und thematischen Gruppenausstellungen sowie unserem Veranstaltungs- und Vermittlungsprogramm gleichermaßen der lokalen wie auch der internationalen Kunst annimmt.
Sie haben öffentlich gesagt, dass Sie gerne weitermachen würden. Ist der Job so gut, dass man die Kritik und die Gerüchte aushält?
Gegen mich wurde bisher noch nie so geschossen. Das habe ich das erste Mal erlebt. Und ich kann nur sagen: Ich denke, aus dieser Sache gehe ich gestärkt hervor.
Als mumok-Chefin?
Ich will es hoffen.
Was sagen Sie zum jüngst herumschwirrenden Gerücht, dass sich die Findungskommission bereits einstimmig für Sie ausgesprochen habe, aber der Minister habe daraufhin einen Mehrpersonenvorschlag verlangt?
Dieses Gerücht wurde nicht an mich herangetragen. Schon als ich zur Direktorin berufen wurde, wurde viel spekuliert. Kaum etwas hat gestimmt. Ich zähle nicht auf die Gerüchteküche. Ich warte auf die Entscheidung des Bundesministers.
Wie sehen Sie denn dem entgegen, künftig einen kaufmännischen Direktor an Ihrer Seite zu haben? Diese neue Position wurde ja gleichzeitig mit Ihrer ausgeschrieben.
Wir haben jedes Jahr positiv abgeschlossen und konnten unsere Deckungsvorsorge auf den höchsten Stand seit der Ausgliederung bringen. Ich stelle mich nicht gegen eine Doppelspitze. Ein kaufmännischer Direktor kann viele Aufgaben übernehmen, sodass ich mich mehr den Inhalten widmen kann. Voraussetzung ist natürlich, dass man an den gleichen Zielen arbeitet. Dann kann das eine sehr fruchtbare Sache sein.
Ein Kritikpunkt war immer die Galerie ihrer Familie.
Wir haben keine Familiengalerie. Meine Schwester hat eine Galerie, meine Eltern haben in den 70er-Jahren begonnen, eine Sammlung aufzubauen. Unser Vater ist sehr früh gestorben. Anfang der 80er Jahre begannen meine Geschwister, meine Mutter und ich, Kunst der 80er-, 90er- und 2000er-Jahre zu sammeln. Das ist mein privates Netzwerk. Aber ich habe mir durch harte Arbeit ein davon unabhängiges Netzwerk geschaffen. Eigentlich könnte man ja stolz sein, dass man eine Direktorin hat, die international so gut vernetzt ist. Aufgrund dessen hat man sich für mich entschieden. Ein Direktor ohne Netzwerk kann einem Museum nicht gut tun.
Hintergrund
Karola Kraus ist seit 2010 Chefin des Museums Moderner Kunst Stiftung Ludwig im MuseumsQuartier in Wien.
Ihr Vertrag läuft noch bis 30. September. Die künstlerische Leitung wurde im Oktober – ebenso wie die neu geschaffene Stelle eines kaufmännischen Direktors – ausgeschrieben. Das ist seit einigen Jahren üblich, um dem Stellenbesetzungsgesetz des Bundes Genüge zu tun.
Kraus hat sich nicht beworben, aber gesagt, dass sie gerne auf ihrem Posten bleiben würde. Zum Jahreswechsel gab es kritische Berichte bezüglich der gesunkenen Besucherzahlen. Dagegen verwehrte sich Kraus: Früher seien auch die Veranstaltungsbesucher mitgezählt worden.
Die Entscheidung über die Leitung soll noch im ersten Quartal fallen. Als aussichtsreichster Gegenkandidat gilt Hans-Peter Wipplinger, derzeit Leiter der Kunsthalle Krems.