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Die Jury lieferte sich am Freitag im Klagenfurter Stadttheater einen heftigen Schlagabtausch © Bild: APA/ORF/PUCH JOHANNES
Literatur
03.07.2015

Manifest? Kein Manifest! Metamanifest!

Warum der Bachmann-Preis diesmal besonders fernsehtauglich ist.

Zweiter Tag beim Bachmann-Preis: Sollte der ORF jemals Zweifel daran gehabt haben, dass das Wettlesen fernsehtauglich ist, dann wurden diese mit Freitag wohl ausgeräumt: Es gab bereits nach der ersten Lesung heftige Diskussionen unter den Juroren. Tatsächlich wenig fernsehtauglich sind allerdings die Mikros im Klagenfurter ORF-Theater: Wie schon am Donnerstag gab es Probleme mit dem Ton.

Zum Start las der aus Kärnten stammende, in Berlin lebende Peter Truschner, der seinen Text "RTL-Reptil" auf Einladung von Stefan Gmünder vortrug. Die Jury reagierte beinahe verärgert. Klaus Kastberger sah einen "Haufen voller Floskeln", seine Kollegin Hildegard Keller ortete "Beschreibungslast", Hubert Winkels "Unstimmigkeit in der Erzählstruktur".

Die Wiener Hörspielregisseurin Falkner, eingeladen von Klaus Kastberger, rief mit ihrem Text "Manifest 47" bei der Jury vor allem eine Diskussion darüber hervor, ob er nun tatsächlich ein Manifest sei oder nicht, Juri Steiner, konziliant, vermutete ein "Metamanifest".

Der Deutsch-Schweizer Tim Krohn begab sich mit seinem Romanauszug in den Garten Eden. Und holte die Schöpfung mit der Frage, ob man Tiere töten dürfe, ins 21. Jahrhundert. Die Reaktionen waren weitgehend negativ. Meike Feßmann fand den Text "sprachlich behäbig", Winkels "auf groteske Weise misslungen". Die Schweizerin Monique Schwitter konnte dann mit ihrem Text "Esche" mehrheitlich begeistern. Von "unglaublich subtil" bis "wunderbar" reichten die Urteile.

Beißhemmung

Den Abschluss bildete die Lesung der Welt-Redakteurin Ronja von Rönne, die mit ihrem Artikel "Warum mich der Feminismus anekelt" eine heftige Netzdebatte ausgelöst hatte. Ihr Vortrag "Welt am Sonntag" hinterließ Ratlosigkeit. Fast hatte man den Eindruck, die 23-Jährige rufe bei den Juroren Beißhemmung hervor. Zwar ortete mancher trotziges Posing gegen die Erwachsenenwelt. Doch mehr als über den Text diskutierte die Jury darüber, inwieweit Provokation Auflehnung gegen das System sei – wenn schon Minister zu AC/DC-Konzerten gingen.

Am Samstag lesen der Berner Jürg Halter, die Klagenfurterin Anna Baar, die Linzerin Teresa Präauer und zum Abschluss Dana Grigorcea, die in Bukarest geboren ist und in Zürich lebt. Die Preisverleihung findet am Sonntag statt.

Bachmannpreis 2015: Alle Teilnehmer