Krimi-Queen Ruth Rendell gestorben
Die für ihre Kriminalromane bekannte Britin starb im Alter von 85 Jahren.
75 britische Pfund hat Ruth Rendell 1964 als Vorschuss erhalten, für ihr erstes Buch mit einem Inspektor namens Wexford. Ein bescheidener Start (nach einer bescheidenen journalistischen Karriere, die endete, als sie von einem Dinner berichtete, ohne dort gewesen zu sein; und dementsprechend nicht wissen konnte, dass ein Redner nach dem Dinner während seiner Ansprache verstorben war). In den folgenden 50 Jahren aber sollte Rendell eine der bestverkaufenden Krimiautorinnen der Welt werden. Und Wexford war ihr berühmtester Ermittler.
In 24 ihrer 60 Romane kommt Wexford vor; 20 Millionen Exemplare hat Rendell insgesamt weltweit verkauft, in mehr als 20 Sprachen wurden ihre Bücher übersetzt.
Auch wenn die Handlung ihrer Romane im Rückblick zuweilen eher konventionell erscheint (im Gegensatz zur facettenreichen Sprache, in der sie verfasst sind): Rendell hat, mit einigen weiteren Autoren ihrer Generation, etwas vollbracht, was heute selbstverständlich scheint. Damals aber war es eine kleine Revolution: Sie hat ab den 1960ern dafür (mit-)gesorgt, dass Krimis aus der Schmuddelecke in Richtung Literatur aufstiegen.
Missstände
Denn bei ihr ging es oft nicht darum, einen Fall zu lösen; sondern um die gesellschaftlichen Missstände, die zu den Verbrechen geführt haben. Es ging ihr "mehr um die Menschen als um das Verbrechen", sagte sie einmal. Die neue, boomende Krimiliteratur hat dies perfektioniert; Rendell aber war eine der ersten, die einen derartigen zeitgemäßeren, komplexeren literarischen Blick auf Verbrechen geworfen hat.
Ein Blick, der durchaus auch politisch war (mit viel Kritik am konservativen England). Denn nicht umsonst saß Baroness Rendell of Babergh für die Labour-Partei im britischen Oberhaus, engagierte sich gegen weibliche Genitalverstümmelung.
Aber auch Rendell hat "ernsthaftere" Literatur verfassen wollen: Unter dem Pseudonym Barbara Vine schrieb Rendell düstere, analytische, insgesamt: wagemutigere Thriller. Rendell hatte im Jänner einen Schlaganfall erlitten. Nun ist die gebürtige Londonerin, nach Angaben ihres Verlages, 85-jährig gestorben.