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epa03073075 British-born France-based singer Jane Birkin performs during her concert on the stage of A38 Ship in Budapest, Hungary, late 22 January 2012. EPA/ANOS MARJAI HUNGARY OUT © Bild: APA/ANOS MARJAI
Jane Birkin
02.02.2013

Zart gehauchte French-Pop-Perlen

Kritik: Jane Birkin war mit Chansons von Gainsbourg in St. Pölten.

20 Mal am Tag denkt Jane Birkin immer noch an ihre große Liebe Serge Gainsbourg. Lieder des Pop-Provokateurs mit den Riesenohren, der Hakennase und dem Drei-Tage-Bart, der sich selbst als „Fresse mit Kohlkopf“ bezeichnete, brachte die französisch-britische Sängerin mit dem Charme der ewigen Kindfrau Freitag „via Japan“ ins Festspielhaus St. Pölten. Begleitet wurde sie von vier erstklassigen japanischen Musikern an Piano, Drums, Trompete und Geige.

Pop-Porno-Miniatur

Jane Birkins bis heute konservierte Jungmädchenhaftigkeit macht fast vergessen, dass sie schon in den Sixties dabei war: Bekannt geworden durch eine Nacktrolle in Antonionis Kultfilm „Blow Up“ und berühmt für ihre lasziv-erotischen Seufzer in „Je t'aime ... moi non plus“. Die Pop-Porno-Miniatur erregte 1969 das Abendland. Aber gestöhnt wird jetzt nicht mehr, dafür live aufgeboten, was der French-Pop zwischen Chanson und Beat hergibt: Vom verspielten „Di Doo Dah“ bis zu Wortspiel-Hits wie „Baby Alone in Babylone“ oder „Mon Amour Baiser“.

Von „schwarzen Trombonen und Amazonen der Nacht“ singt sie und – in „Comic Strip“ – von der verführerisch-naiven Puppe, die Laute malt, während die Geigerin tatsächlich im Saal zur Geräusche produzierenden Sprechblase wird: „Shebam! Pow! Blop! Wizzzz!“

Zu „Jane B.“ (nach einem Chopin-Prelude) dreht sich im Bühnenhintergrund ein kleines Ringelspiel. Bei der „Ballade de Johnny-Jane“, setzt sich die Birkin an den Bühnenrand. Auch der Titelsong von „Amours Des Feintes“ ist im Repertoire: Der französische Kult-Chansonnier hat ihr sein letztes Album gewidmet, kurz bevor er 1991 starb. Mit erstaunlich zarter, glockenheller Stimme transportiert sie Emotionen und suggeriert ein Lebensgefühl von Sehnsucht, Liebe, Traurigkeit und Glück. Wie das von ihr als Projektionsfläche der eigenen Erinnerung oder Fantasie offenbar erwartet wird.

KURIER-Wertung: **** von *****