Freunde der Blasmusik
Die Kastelruther Spatzen musizierten also bei manchen CD-Aufnahmen nicht selbst, sondern ließen Studiomusiker blasen, zupfen oder was auch immer – wenn das die größte Verlogenheit wäre, geht’s der Branche ausgezeichnet.
Studiomusiker aus Qualitätsgründen einzusetzen, ist sogar im Pop keine Seltenheit. Nur in der Klassik kann man sich darauf verlassen, dass Rudolf Buchbinder selbst spielt, wenn auf einer CD Rudolf Buchbinder draufsteht.
Das Ärgerliche an dieser Diskussion, die in der abgelaufenen Woche mit großer Heftigkeit geführt wurde, ist aber, dass damit ein Nachbargenre verunglimpft wurde, das überhaupt nichts damit zu tun hat: Die Volksmusik.
Immer wieder hört und liest man im Zusammenhang mit Kommerzgruppen wie jenen aus Kastelruth oder Wildeck von Volksmusik. Daher noch einmal eine Klarstellung: Das ist keine Volksmusik, sondern volkstümliche Musik.
Bei Letzterer handelt es sich um die Vorgaukelung einer heilen Welt unter dem Einsatz von Kitsch. Rosamunde Pilcher in Dur. Volksmusik hingegen ist nicht nur etwas höchst Anständiges und Ehrliches, sondern auch wunderbar Traditionelles, Originäres und Ehrbares. Volksmusik ist der Bereich, aus dem einst Franz Schubert erwuchs und der immer noch kreative Gruppen hervorbringt. Auch alle Freunde der Blasmusik sind zu Recht ebensolche.