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APA12949606-2 - 28052013 - VENEDIG - ITALIEN: ZU APA-TEXT KI - Ein Werk von Maria Lassnig aufgenommen am Dienstag, 28. Mai 2013, anl. der internationalen Ausstellung der Kunstbiennale Venedig. Die österreichische Künstlerin Maria Lassnig wird ihm Rahmen der Biennale mit dem Goldenen Löwen für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Die 55. Kunstbiennale in Venedig findet von 1. Juni bis 24. November 2013 statt. APA-FOTO: MARIA HANDLER © Bild: APA/MARIA HANDLER
Biennale Venedig
31.05.2013

Die Biennale: Weltkunstschau, Wunderkammer, Wissensspeicher

Mit der Schau "Il Palazzo Enciclopedico" hat der Kurator Massimiliano Gioni Kunst-Außenseitern und manischen Sammlern ein famoses Denkmal gesetzt.

2013 könnte als das Jahr des Kunstkammer-Revivals in die Geschichte eingehen. Nicht nur, dass im Wiener KHM die kuriose wie glanzvolle Sammlung des Kaiserhauses neu eröffnete: Auch bei der Biennale Venedig wird das Kunstkammer-Prinzip als inspirierende Kraft der zeitgenössischen Kultur entdeckt.

Die Idee, die Welt mithilfe von Hervorbringungen aus Kunst und Natur an einem Ort zu versammeln und ihr ein Ordnungsprinzip überzustülpen, war nie weg – in einem rational-aufgeklärten Weltbild hatte sie bloß keinen Platz an der Sonne. Massimiliano Gioni, der Chefkurator der Biennale, holt die Idee in spektakulärer Weise vor den Vorhang: In der Hauptausstellung der Biennale, die sich über den zentralen Pavillon und das Arsenale-Gelände erstreckt, wimmelt es von verschrobenen Bildersammlern, Allmachtsphantasten und Esoterikern. Ach ja, Künstler sind auch dabei.

Encyclopedic Palace © Bild: Biennale di Venezia
Gioni gestaltete eher eine kulturhistorische Schau und weniger eine Ausstellung, die der aktuellen Kunstszene den Puls fühlt: Sein Interesse gilt manischen Kreativen, die ungeachtet der herrschenden Paradigmen in Kunst und Wissenschaft ihre eigenen Weltordnungen entwarfen. Dass es sich dabei meist um Außenseiter handelte, liegt in der Natur der Sache. Marino Auriti, der in den 1950ern ernsthaft die Idee verfolgte, ein Archiv des Weltwissens, eben den titelgebenden „Enzyklopädischen Palast“, zu erbauen, war einer von ihnen.

Höhere Wesen

Gioni hat aber auch keine Berührungsängste mit der Esoterik: Prominent zeigt er die geometrischen Zeichnungen der übersinnlich begabten Schweizerin Emma Kunz (1892 – 1963), die diese bei „Heilungsritualen“ verwendete, oder die seltsam modern anmutenden Bilder, die die Schwedin Hilma af Klint (1862 – 1944) auf Eingebung höherer Wesen malte. Sie durften laut Testament erst 20 Jahre nach dem Tod af Klints gezeigt werden.

Auch bei jenen Protagonisten, die ihre Bilder zu Lebzeiten ins Kunstsystem einbrachten, präferiert Gioni die Eigenbrötler: Eben die heurige Löwen-Preisträgerin Maria Lassnig, oder Walter Pichler, dessen „bewegliche Figur“ prominent im Hauptpavillon steht.

Ironische Brechung

Eine gewisse Obsessivität – ob nun im Entwerfen von eigenen Welten oder im Sammeln und Katalogisieren – verbindet die Werke der Schau. Ironisch gebrochen wird diese Leidenschaft in der Serie „Plötzlich diese Übersicht“ des Künstlerduos Fischli und Weiss. Sie zeigen in kunstkammerartigen Vitrinen eine Ansammlung von Tonfiguren, die sie von allem Möglichen anfertigten – etwa von Kartoffeln, Comicfiguren oder Ziegelsteinen (siehe Bildergalerie unten).

Grundsätzlich nimmt die Schau alle Teilnehmer, ob Künstler oder Amateur, ob Autist, Spiritist oder Wissenschafter, ernst. Und sie führt damit eindrücklich vor Augen, welche elementare Funktion das Bildermachen für Menschen besitzt.

Es ist eine inspirierende Schau, deren Botschaft über die Kunst hinausgeht und die Bescheidenheit lehrt: Denn auch die Idee, mit Hilfe der Digitalisierung das Weltwissen in den Griff zu bekommen, könnte sich als Trug erweisen. Die oft belächelten, dafür aber poetischen Weltmodelle von Eigenbrötlern bekommen vor diesem Hintergrund noch einmal eine Chance.

Einblick

Erster Auftritt

Erstmals nimmt heuer der Vatikan an der Biennale Venedig teil: „In Principio“, Am Anfang, heißt die Schau, die vier Künstlerpositionen in den Sälen des Arsenale präsentiert.

2) Josef Koudelka Trittico, 1986-1997 Stampa fotografica a getto d’inchiostro, 158 x 150 cm Courtesy © Magnum Photos-Contrasto © Bild: Magnum Photos-Contrasto
Es sind keine international sehr bekannten Namen, die hier zu sehen sind, und es ist auch keine besonders wagemutige Kunst: Am Eingang hängen drei Gemälde des 1988 verstorbenen Malers Tano Festa, die auf Genesis-Motive Michelangelos Bezug nehmen. Innen hat das Mailänder „Studio Azzurro“ eine Videoinstallation aufgebaut, die Motive der Schöpfungsgeschichte in ein modernes Gewand kleidet. Weniger „predigend“ – und damit überzeugender – wirken die Landschafts-Fotos, die der tschechische Künstler Josef Koudelka ausstellt, sowie die großformatigen, teils mit integrierten Glühbirnen erhellten Gemälde des Australiers Lawrence Carroll. Als Signal ist die Vatikan-Beteiligung jedoch trotzdem nicht zu unterschätzen, zeigt sie doch ein Interesse an zeitgenössischen Vorgängen auf einer internationalen Bühne.

Malediven

Tano Festa Il Miliziano morente, 1979 Emulsione fotografica su tela applicata su tavola e smalto, cm 129 x 170 © Collezione Jacorossi, Roma © Bild: Collezione Jacorossi, Roma
Der Vatikan ist nicht der einzige Zwergstaat, der sich bei der Biennale präsentiert: Bemerkenswert ist unter anderem der Beitrag der Malediven, der von Maren Richter, einst Kuratorin der steirischen „Regionale“, mitgestaltet wurde. In der Ausstellung in einem baufälligen Stadthaus geht es um „Das Verschwinden als Work In Progress“: Das Schicksal des vom steigenden Meeresspiegel bedrohten Inselstaats gibt dem Beitrag politische Brisanz. Mit Oliver Ressler und Heidrun Holzfeind sind an der Malediven-Schau auch noch zwei österreichische Künstlerpersönlichkeiten beteiligt.