Buster Keaton: Die hohe Kunst des Stürzens
Das Österreichische Filmmuseum in der Wiener Albertina zeigt eine große Buster-Keaton-Schau.
Es war 1895 in Kansas, da kam Buster als Joseph Frank zur Welt.
„Als ich sechs Monate alt war, fiel ich eine Treppe runter und brach in Geschrei aus. Houdini, der in der Nähe war, hob mich auf und sagte: My, what a buster!“ („was für ein wilder Bursche“).
Seither war er Buster Keaton, und ein Mythos geboren, nein: mehrere Mythen waren geboren. Denn ursprünglich soll Keaton diesen Sturz erst im Alter von 18 Monaten gehabt haben – und nicht der berühmte Entfesselungskünstler Houdini, sondern der Schauspieler George Pardey soll der wahre Urheber des Aufrufs gewesen sein.
Buch über Buster
Wie auch immer. Buster hat offenbar den Treppenfall unbeschadet überlebt wie wenig später sogar einen ganzen Tornado (im zarten Alter von drei), der ihn angeblich aus seinem Kinderzimmer gefegt und vier Häuserblocks weiter wieder abgesetzt hatte.
Am selben Tag hatte er übrigens angeblich auch noch einen Unfall mit einer Wäsche-Auswind-Maschine, bei dem er ein Fingerglied verlor.
Zumindest Letzteres ist tatsächlich verbürgt. Man kann dies nämlich im Film „The High Sign“ sehen: Der rechte Zeigefinger ist dort zweifellos kürzer als der linke.
„Keaton hat die hohe Kunst des Stürzens von Kindesbeinen an gelernt“, schreibt auch der lebenslange Keatonologe und Falter-Journalist Klaus Nüchtern in seiner neu erschienenen Biografie „Buster Keaton oder die Liebe zur Geometrie“ (Zsolnay Verlag, 318 Seiten, 20,50 Euro).
Sein Buch wird im Rahmen der großen Retrospektive im Österreichischen Filmmuseum präsentiert: Ab Freitag bis zum 9. Jänner kann man (und sollte es auch) sämtliche überlieferte Lang- und Kurzfilme sehen, die Keaton zwischen 1917 und 1929 gedreht hat.
Schon als Kind stand Buster Keaton mit seinen Eltern auf der Vaudeville-Bühne. Als sein Vater zunehmend dem Alkohol verfiel, ging er nach New York, lernte dort Roscoe „Fatty“ Arbuckle kennen und gab als dessen Stichwortgeber in „Butcher Boy“ (1917) sein Debüt.
Hier lernt er sein Handwerk, bald auch als Regieassistent des großartigen Filmemachers Arbuckle.
Ab 1920 dreht Keaton selbst 20 unglaubliche Kurzfilme: darunter den Hausbaualbtraum „One week“ und die anarchische Verfolgungsjagd „Cops“.
Wie Charlie Chaplin wird der Schauspieler sein eigener Regisseur und Autor seiner Filme: neben der unglaublichen Eleganz seiner Gags entwickelt er dabei eine Obsession für äußerst gewagte Stunts und begibt sich dafür nicht selten auch selbst in Lebensgefahr.
Wie etwa in den Klassikern „The Navigator“ (1924) oder „The General, (1926), als er zur Zeit des amerikanischen Bürgerkriegs mit einer entführten Lokomotive durch die Landschaft rast.
Gagschreiber der Marx-Brothers
Mit dem Übergang zum Tonfilm beginnt das Scheitern Keatons: Er trinkt, zwei Ehen zerbrechen. Er wird gefeuert und kehrt als Gagschreiber der Marx Brothers in den 30er-Jahren zu MGM zurück.
Sein Spätwerk beschränkt sich auf Kleinstrollen – darunter auch eine legendäre Zusammenarbeit mit Samuel Beckett: Der 2012 restaurierte Film namens „Film“ stammt aus dem Jahr 1965. Das Filmmuseum zeigt ihn wie auch Kevin Brownlows episches Keaton-Porträt „A Hard act to follow“ (1987).
Ergänzt wird die Retro im Österreichischen Filmmuseum auch noch mit der Schau „Beyond Buster“, die sich der
US-Filmkomik am Ende der Stummfilmzeit widmet: 30 Werke von Harold Lloyd, Charlie Chaplin, Laurel & Hardy, Mae West stehen auf dem Programm.
INFO: Buster Keaton und darüber hinaus
Alle Filme
Bis 9. Jänner zeigt das Österreichische Filmmuseum alle Lang- und Kurzfilme Keatons aus den Jahren 1917 bis 1929. Ergänzend gibt es u. a. seinen ersten Tonfilm, „Free and Easy“ (1930), und einige seiner letzten Filmauftritte wie „Film“ (1965).
Beyond Buster
Ergänzt wird die Filmschau durch eine zweite, die Keatons Schaffen in den Kontext stellt: „Beyond Buster“ (15. 12. bis 8. 1.) bietet rund 30 Werke – von Harold Lloyd und Charles Chaplin, den Marx Brothers, Laurel & Hardy und vielen anderen.