Boy George: Neue CD des Karma-Chamäleons
Der Culture Club-Sänger kehrt mit "This Is What I Do" zurück
Er lieferte zwei der Ohrwürmer der 80er Jahre, die auch nach all den Jahren gleich wieder präsent sind: Mit „Karma Chameleon“ und „Do You Really Want to Hurt Me“ haben Boy George und sein Culture Club einen grellbunten Teil des Soundtracks zum großen Jahrzehnt des Pop beigesteuert. Nicht zuletzt auch im Sinne der inneren Welterweiterung: Dieses schillernde Zwischenwesen mit Makeup, Wallegewand, Hut und langen Haaren ließ im grauverschlafenen Wien Fragen offen, die sich trotz „Boy“ im Namen nicht restlos klären wollten. Und ließ uns Teenagerbuben daher angenehm verwirrt zurück.
Anders
Was nach dem Karrierehoch geschah (Drogen, Absturz, die Sache mit dem freiheitsberaubten Callboy) streifen wir hier nur. Denn es gibt, erstmals seit fast zwei Jahrzehnten, wieder ein Soloalbum von Boy George. Und das ist zwar ganz anders, als man erwarten würde, aber richtig gut. In der britischen Heimat des mittlerweile hauptsächlich als DJ arbeitenden George Alan O'Dowd (mit 52 Jahren nicht mehr ganz Boy) ist das Album schon im Herbst erschienen; der Guardian nannte es „das Comeback des Jahres“.
Ab Freitag (24.1.) kann man sich auch hierzulande überzeugen: Mit gereifter Stimme und ebenso gereifter Gelassenheit zeigt sich O'Dowd als geläutertes, auch selbstkritisches Ex-Popchamäleon. Zum schönentspannten Erwachsenenpop mit Reggae- und Souleinsprengseln gibt es Aufarbeitung: Früher hat er die Selbstzerstörung cool gefunden, resümiert O’Dowd. Jetzt aber sei er „eine langweilige alte Queen geworden“. Die jedenfalls zeigt ein ungebrochenes Gespür für Melodien und, vielleicht erstmals, ein wenig ungeschminktes Ich.
KURIER-Wertung: