Kultur

Biografie: Wolferl, der Überlebenskünstler

Üblicherweise beginnt ein Buch mit dem Vorwort, gestatten Sie uns aber noch einen Nachsatz zur Causa "Ambros/Fendrich" - denn die ist nicht Inhalt der gestern beim Pfarrwirt präsentierten Biografie. Via Austria Presse Agentur meldete sich Wolfgang Ambros zu Wort, um auf die Fendrich-Beschimpfungen zu reagieren. Er beschuldigte Ö3 , Interview-Passagen weggeschnitten zu haben, beispielsweise, dass er und Rainhard Fendrich wieder ein sehr gutes Verhältnis haben. Das ließ der Sender nicht auf sich sitzen. Claudia Stöckl ("Frühstück bei mir"): "Dieser Satz kommt im ganzen Interview nicht vor, ich habe mir das gesamte Rohmaterial noch einmal genau durchgehört. Wolfgang hat anscheinend ein Off-Air-Gespräch auf der Autofahrt zu seinem Haus - da hat er über seine Freundschaft mit Rainhard erzählt - mit der Aufzeichnung verwechselt. Er hat sich bei mir entschuldigt."
Das war's dann aber auch mit Entschuldigungen. Fendrich gab sich im News unversöhnlich: "Ich bewundere Ambros und knie vor ihm als Künstler nieder. Aber als Mensch habe ich vor ihm jeden Respekt verloren."

God shave the Queen

Zurück zum Buch. Am Anfang war ... die Geburt. Kein Detail über Kindheit, Karriere oder Kiffen bleibt dem eingefleischten Ambros-Fan verborgen. Offen spricht der 59-Jährige über die Zeugung seiner Zwillinge Rosalie und Sebastian (1 Jahr) - zeigen will er sie nicht. Die In-vitro-Fertilisation hat nicht auf Anhieb geklappt, so Ambros: "Im Hietzinger Spital hat mir dann der Arzt den Saft rausgezogen. Während ich noch im Tiefschlaf der Anästhesie gelegen bin, fuhr die Anne (seine Lebensgefährtin) mit der Pipette zwischen den Beinen ins Goldene Kreuz, wo das Sperma in die bereits entnommen Eier eingepflanzt wurde. Romantisch war es nicht, aber es ging nur so."

Das beherrschende Thema des Buchs ist aber der Tod, dem Wolfgang Ambros 12 Mal entronnen ist. Als Kleinkind wäre er beinahe in einer Regentonne ertrunken, er überlebte den Tollkirschen-Rausch, den illegalen sowieso. Er ist mit dem Motorboot in einen Felsen gekracht und hat sich mit dem Auto überschlagen. Fast wäre er beim Entflammen von altem Laub verbrannt (nein, es war kein Grill-Unfall wie das Gros der Medien mit Häme berichtete) und als der Sensenmann mit Krebs im Gepäck anklopfte, ließ er ihn zwar kurz rein, warf ihn aber erfolgreich wieder hinaus. Mit einer qualvollen Chemo-Therapie hat der Sänger Prostata-Krebs besiegt - oder wie er es sagt "die Bestie erwürgt".
Nachsatz: "Eine nicht unerwünschte Nebenwirkung der Bestrahlung war, dass ich meine Schamhaare verloren habe. Sonst ist alles wieder hoch erfreut, da unten. Nur meine Bikini-Zone ist glatt." God shave the Queen.

Wolfgang Ambros - die Biografie, aufgezeichnet von Thomas Köpf und Andrea Fehringer, Verlag Ueberreuter, 29,95 Euro

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