Kultur

Ballade für die Ex soll Ruf polieren

Ich wurde nicht gemacht, ich wurde entdeckt – das scheint vielen Leuten entgangen zu sein.“ Teenie-Idol Justin Bieber hat genug von der gängigen Meinung, er sei ein Pop-Star vom Reißbrett und kann weder singen noch Songs schreiben. Deshalb veröffentlicht der 18-Jährige jetzt seine neue CD „Believe Acoustic“.

Dafür hat er Tracks von seinem Album „Believe“(2012) – darunter auch die Hits „Beauty And A Beat“ und „Boyfriend“ – akustisch interpretiert, aber auch noch drei neue Unplugged-Songs aufgenommen.

„Das Album ist auf mich und meine Gitarre reduziert“, erzählte er dem amerikanischen Billboard Magazine. „Ich verstecke mich nicht mehr hinter irgendwelchen Beats. Ich will, dass die Leute hören können, dass ich älter geworden bin, dass meine Stimme kräftiger geworden ist. Wenn jemand die Musik, die ich mache, nicht mag, fein, die muss nicht jedermanns Sache sein. Aber sagt nicht, dass ich kein Talent habe.“

Tatsächlich bekam der gebürtige Kanadier sein erstes Schlagzeug schon mit fünf Jahren, lernte später auch noch Gitarre, Klavier und Trompete. Entdeckt wurde er von R&B-Superstar Usher. Der sah ein Video, das Bieber auf YouTube hochgeladen hatte. „Er war erst 13, aber ich erkannte sofort ein großes Potenzial in ihm“, erzählt Usher im KURIER-Interview über seinen Schützling. „Justin hatte Talent, war intelligent und brannte für die Musik. Ich sagte zu ihm, du kannst alles erreichen, was du willst, du musst nur wissen, was du willst.“

Rekorde

Seither hat Bieber 15 Millionen Alben verkauft und kürzlich mit fast 34 Millionen Twitter-Fans Lady Gaga überrundet. Dazu hat er über 50 Millionen Facebook-Fans. Und als im Oktober sein Video „Beauty And A Beat“ – ein Duett mit Niki Minaj – auf Vevo Premiere hatte, klickten sich in 24 Stunden 10,6 Millionen Fans auf den Clip. Doch all diese Rekorde machen noch kein Ansehen in der Branche. Bei den Grammy-Nominierungen für 2013 wurde Bieber übergangen. Sein Manager Scooter Braun twitterte daraufhin eine wütende „Grammy-Ausschuss, du hast es versaut“-Botschaft.

Und Bieber selbst gibt zu, genauso enttäuscht gewesen zu sein: „Mein ganzes Leben habe ich davon geträumt, einen Grammy zu gewinnen. Aber was soll’s? Wenn es passieren soll, wird es passieren. Ich bin 18 und hab noch so viel vor mir. Ich mach mir da keinen Kopf.“

Im Moment finde er es ohnehin aufregender, mit den Akustik-Songs zu zeigen, was er kann. Auch wenn das klingt, als wolle er sich nur selbst einreden, dass kein Grammy kein Verlust ist, klingt er auf „Believe Acoustic“ tatsächlich leidenschaftlicher und reifer als bisher. „Yellow Raincoat“ ist ein Gitarre-Song mit einem swingenden, jazzigen Einschlag. Und „Nothing Like Us“ eine Piano-Ballade über die Beziehung zu der amerikanischen Sängerin Selena Gomez, von der er sich im Herbst 2012 getrennt hat.

Zweifel

„Das ist sicher der Song, mit dem ich mich am direktesten mitteile“, erklärte Bieber dem Billboard Magazine. „Ich habe ihn nicht speziell für das ,Acoustic‘-Album geschrieben. Ich war in einem Hotel in Los Angeles, wo sie ein Piano haben. Ich hab mich dort hingesetzt, ein bisschen herum geklimpert, und auf einmal ist das rausgekommen. Ich habe es auf meinem iPhone aufgenommen und am nächsten Tag im Studio den Gesang und die Tonqualität verbessert.“

Zweifel, ob er diesen sehr persönlichen Song veröffentlichen sollte, hatte Bieber nicht. Nachdem es im Internet jede Menge Gerüchte gab, als die Trennung bekannt wurde – Bieber wurde sogar verdächtigt, Gomez jeden Tag anzurufen und zu verfolgen –, twitterte er kurz vor der Veröffentlichung von „Believe Acoustic“: „In wenigen Tagen werden die Leute wissen, wie ich darüber denke, was ich fühle.“

Eine erste Hörprobe vom neuen Album

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Zukunftspläne

Auch wenn Bieber zugibt, nach der Trennung „nicht die fröhlichste Zeit in meinem Leben“ durchzumachen, blickt er optimistisch in die Zukunft. Zwischen der Europa-Tournee im Frühjahr, die ihn am 30. März auch in die Wiener Stadthalle führen wird und der US-Tour will er seinen ersten Spielfilm drehen. Details dazu verrät er noch nicht. Als Vollzeit-Film-Star sieht er sich allerdings nicht: „Justin Timberlake hat sich jetzt jahrelang nur auf das Drehen konzentriert. So lange will ich nicht mit dem Musikmachen aussetzen. Hollywood schickt mir aber dauern Drehbücher. Ein paar davon haben mich schon interessiert. Aber bis jetzt ist sich zeitlich noch nichts ausgegangen.“

Auch für seine Familie will sich Bieber mehr Zeit nehmen. Das Berufs- und Privatleben besser zu trennen, sieht er als Herausforderung. „Ich hatte schon Zeiten, in denen ich nur die Arbeit kannte“, sagt er, „habe dann aber schnell gemerkt, wie ich langsam den Bezug zu den Eltern und Freunden verliere.“

Den Ruhm genießt er trotzdem: „Ich kann mich an Zeiten erinnern, als ich mit meiner Mum in einem Restaurant war, und wir nur ein Gericht bestellten, das wir uns teilten, weil wir nicht mehr Geld hatten. Jetzt kann ich meine Familie versorgen. Und vor allem kann ich das mit etwas tun, das ich liebe. Mann, es gibt kein bessere Gefühl, als auf die Bühne zu kommen und all die Leute zu sehen. Dafür lebe ich.“