Kolumnen

Paaradox: Fliegenalarm

SIE

Willkommen in der Insekten-Falle, jener Ort, an dem sich der Mann nebenan und meine Wenigkeit aktuell aufhalten. Drosophila melanogaster hat Teile unserer Wohnung erobert – bekannter als Fruchtfliege. Genau betrachtet, handelt es sich um einen vermutlich sizilianischen Fruchtfliegen-Clan mit einem Fliegenpaten, Fliegenschwestern- und brüdern, da rede ich noch gar nicht von den frisch geschlüpften Cousins und Cousinen. Besonders fühlen sie sich auf der Decke unserer Küche wohl, chillen aber auch gerne an Kasteln und belagern Häferln oder nasse Fetzen.

Im Jagdfieber

Und so dreht sich im Hause Hufnagl/Kuhn nun alles um die Frage Wie hört das auf, wie soll das weitergehen? Denn zumindest ich fürchte, dass ich eines Tages aufwache, und eine dicke Fruchtfliegen-Nonna namens Giulia ertappe, wie sie am Herd steht, um sich Obstnudeln zuzubereiten und nachher meine Tagescreme aufzuessen. Deshalb bin ich im Jagdfieber, um den Clan mit dem Staubsauger einzufangen, was eher anstrengend ist. Sein Beitrag dazu passt perfekt ins Genre „bescheiden und unnütz“. Da sitzt er, schaut mir zu und fragt, ob ich nicht leiser Fliegenfischen könne, er würde jetzt gerne Vivaldis „L’Autunno“ hören. Außerdem findet er mein Tun maßlos übertrieben, was nur mit einem Sehfehler zu erklären wäre, an so etwas wie Ignoranz wage ich gar nicht zu denken. Dann sagt er Sätze wie: „Die verschwinden fix von allein wieder“, „Ist das nicht übertrieben und neurotisch, was du da tust?“ sowie: „Irgendwo habe ich gelesen, die Dinger hassen Zwiebelgeruch, es empfiehlt sich daher die zügige Zubereitung eines großen Topfes Saftgulasch für mich.“ Da hätte ich allerdings eine bessere Idee, nämlich die Anschaffung einer fleischfressenden Pflanze mit großem Appetit auf Fruchtfliegen und wenig hilfreichen Ehemännern.

Termine: 13. 11. Bettfedernfabrik, 14.11. Bühne im Hof, 1. und 22.12. Rabenhof

gabriele.kuhn@kurier.at / facebook.com/GabrieleKuhn60

 

ER

Was der Oktober verlässlich bietet: 1. Den Nationalfeiertag. 2. Die Zeitumstellung. 3. Fruchtfliegen im Haus Kuhn/Hufnagl. Was 1. betrifft, schenke ich mir rituell gerne eine Minute des Nachdenkens über die hymnische Textzeile Land der Hämmer. Zu 2.  offenbare ich den alljährlichen Seufzer zur Vorverlegung der abendlichen Dunkelheit. Und zu 3.  entfährt mir nur: „Bitte nicht schon wieder!“ Zumal ich mit meiner Frau stets darüber diskutieren, warum die kleinen Quälgeister ihre große Sause immer im Herbst und immer bei uns veranstalten. Sie aber sowohl meine Entwarnung („Keine Angst, die beißen nicht“) als auch meine Mutmaßung („Ich betrachte den Besuch ja als Zeichen der Wertschätzung“) brüsk quittiert: Hör’ auf, es ist ernst. Meiner Strategie des entspannten Aussitzens kann sie daher eher nix abgewinnen. Lieber verwandelt sie sich in eine gnadenlose Alchimistin, die an einer Lockmischung aus Essig, Rum und Geschirrspülmittel arbeitet – samt gemurmelter Zaubersprüche (Oh Fliege, Fliege, wie ich Dich kriege) und profunder Vorträge: Durch die verringerte Oberflächenspannung können sie nicht auf der Flüssigkeit landen, sondern nur in einer feuchten Falle. Ah eh.

Partylaune

So ganz hat gnä Kuhn den Glauben an die eigene Panscherei aber noch nicht gefunden. Weshalb sie mir täglich ihre Staubsauger-Show bietet, weil sich Fruchtfliegen die Partylaune nicht so schnell verderben lassen. Die Liebste turnt dann wie Luke Skywalker durch die Räume und sagt Das gibt’s doch alles nicht, obwohl es das alles nachweislich gibt.  Dazu ächzt sie so lange, bis ich sie kavaliermäßig nach dem Credo Jedi, vidi, vici als Tatortreiniger ablöse. Wissend: Morgen fangen wir fix von vorne an. Und singen dann vielleicht endlich im Chor: Volk begnadet für das Blöde!

Termine „Abend mit einem Mannsbild“: 31. 10.: Klosterneuburg (Babenbergerhalle),  20. 11.: Bad Fischau

michael.hufnagl@kurier.at / facebook.com/michael.hufnagl9