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Schanigärten © Bild: Kurier
Schanigärten im Winter
09.11.2012

Wien will anders bleiben

Wer in Wien wann wo draußen sitzt, entscheidet immer noch Frau Brauner im Rathaus. Den Wiener Wirten gefällt das nicht.

Schanigärten © Bild: Kurier

Herbstlicher Lokalaugenschein rund ums Kurier-Gebäude in Wien Neubau. Die Sonne scheint. Indian Summer, auch wenn im grünen Bezirk fast kein Baum steht, der sich hübsch verfärben könnte. Einen Lunch oder bloß einen Kaffee in der Mittagssonne zu genießen wäre was Feines. Aber wo gerade noch Tische und Stühle der Cafés und Restaurants im Freien standen, steht jetzt höchstens noch der eine oder andere Hydrant. Der lSchani hat über die laue Nacht den Garten hinein getragen. Dort bleibt der jetzt bis Anfang April, egal, wie das Wetter und die Temperaturen sind. Der Schani wird offenbar vom Rathaus bezahlt, denn dort lässt sich das Wiener Magistrat auch vom Wettergott persönlich nicht vorschreiben, wann in dieser Stadt draußen gesessen werden darf und wann nicht. Wiener, die nicht nur im Sommer öfter mal raus kommen, also in Städte wie Berlin oder Barcelona oder auch Paris, finden das seltsam und ärgerlich. In diesen Städten wird im Garten und auf der Straße aufgetischt, wann Wirte und Gäste darauf Lust haben und nicht, wann es vorgeschrieben wird. Wien-Touristen wiederum wundern sich im Winter, wenn am Graben oder sonst wo die Sonne scheint und ihnen verweigert wird, in ihr eine Stärkung einzunehmen. Müssen sie halt im Gras rasten.

Die zuständige Stadträtin Brauner antwortet auf ein gebetsmühlenartig vorgetragenes Ansinnen für mehr Offenheit betreffend die Öffnungszeiten von Schanigärten von Berndt Querfeld, des Sprechers der Wiener Kaffeehäuser, ablehnend. Sie spricht von Anrainer-Problemen und der Behinderung der Schneeräumung. Die Kaffeehausbesitzer und andere Gastronomen wiederum erkennen ihre Benachteiligung gegenüber Unternehmen, die auf Wiener Märkten oder auf Grundstücken im Bundeseigentum (Schönbrunn, Hofburg) arbeiten. Diese dürfen auch im Winter. Querfeld wirft der Politik "Anrainer-Leier" vor, die er nicht mehr hören könne, und meint, dass ein Stück mehr Offenheit auch an warmen Winterperioden eh bloß von einer Minderheit der Unternehmer genutzt werden würde.

Auch eine andere Sache macht den Wiener Gastronomen zu schaffen. Die in letzter Zeit so beliebten so genannten Heizschwammerl werden wegen ihres hohen Energieverbrauchs kritisiert. Es gibt bereits Initiativen, die sich für ein Verbot aussprechen. Viel heiße Luft ist da im Spiel. Dazu sagt Querfeld, eine Gastro-Kaffeemaschine brauche pro Stunde mehr Strom als drei Wärmepilze. So wie es aussieht, bleibt Wien auch in nächster Zeit eine Stadt, wo im Winter der Outdoor-Genuss nur denen vorbehalten ist, die über eine eigene Dachterrasse verfügen.