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© Bild: Alexander Schuppich
Retro-Essen
28.11.2012

Unsere Lust auf Käse-Igel und Buchstabensuppe

Ein Buch entführt uns zu den Rezepten der Fünfziger, Sechziger und Siebziger.

Retro hält die Welt im Griff. Sie sollen an dieser Stelle nicht mit sozialphilosophischen Erörterungen gefoltert werden, warum gerade in den letzten zehn Jahren die Sehnsucht nach Dingen, die doch schon längst demodé schienen, grassiert wie die Erkältungswelle in der Winterzeit.

Auch unter Feinessern sind auf einmal Gerichte wie Faschierter Braten, Risibisi oder serbisches Reisfleisch durchwegs akzeptiert und man findet seinen Spaß daran, über Sachen zu reden, die in den 80ern als kulinarische No-Gos galten. Denken Sie an Beef Tatar. Das hatten die Eltern in den 70ern mit Toast und Bier nach der Sauna. Dann war Beef Tatar lange weg. Und vor zehn Jahren auf einmal wieder da. Mittlerweile gibt es das überall, vom Wirt in Hintertupfing bis zur Sternehütte. Es gab damals aber wirklich noch ganz andere Sachen. Sie sind im kollektiven kulinarischen Gedächtnis einer Generation verhaftet, wenn auch verdrängt.

Aber niemand von uns wusste bis jetzt, wie man einen Käse-Igel macht oder was jetzt genau drin ist in einem Jägerwecken. Die Information darüber, woraus Pasta Asciutta besteht und was in einem Überraschungsgugelhupf jetzt genau die Überraschung ist, ist den Menschen beim ausgiebigen Studium von Jamie Oliver und Kollegen ebenfalls abhanden gekommen.

Ein Buch hilft den Suchenden nach der kollektiven kulinarischen Vergangenheit zwischen Hamburg und Graz jetzt endlich weiter. Es heißt "So macht Kochen Freude" - was ein eher schwieriger Titel ist, denn ob es jetzt wirklich mehr Spaß macht, einen Pichelsteiner Eintopf oder einen Toast Hawaii zu machen als ein Rezept aus dem neuen Kochbuch von Alain Ducasse oder wenigstens Jamie Oliver zu probieren, sei dahingestellt.

Doch sonst ist das Buch ganz wunderbar. Die Rezepte sind einfach, sodass sie wirklich jeder gebrauchen kann, auch wenn er noch nie eine Pfanne in der Hand hatte.

Was an dem Buch aber besonders gefällt, sind die Geschichten zu den Rezepten, die den Speisen angepassten, also in Anti-Hochglanz gehaltenen Bilder und das farbenprächtige Layout. Fototapeten und verblassende Fotos, die garantiert nicht mit der Digi-Kamera aufgenommen wurden, inklusive.