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Die Street-Food-Szene boomt inzwischen von London bis Los Angeles - und kommt jetzt auch nach Wien © Bild: /Wolfgang Schedelberger
Street Food
29.04.2015

Günstige Straßenküchen boomen

Rollende Küchen: Foodtrucks sind ein Renner und kommen jetzt auch nach Wien.

Dampfende Töpfe auf bunten Mini-Trucks, exotische Gerichte auf Wegwerf-Tellern – Street Food ist drauf und dran Europa zu erobern. Auch in Österreich ist eine kleine, aber sehr lebendige Szene entstanden. Am Donnerstag und Freitag kochen dreißig Anbieter beim ersten Streetfood-Festival in der Wiener Marx-Halle auf.

street food los angeles 2 HONORARFREI! © Bild: Wolfgang Schedelberger
In unseren Breiten wird Streetfood noch kritisch beäugt. Essen auf der Straße galt lange als unkultiviert. Und auch Bedenken bezüglich der Hygiene wurden immer wieder geäußert. Der zunehmenden Begeisterung für einfaches Essen mit viel Geschmack stehen derartige Bedenken jedoch nicht im Weg. Vor allem bei jungen Menschen, die aufregendes und gleichzeitig günstiges Essen suchen, stehen die Food-Trucks hoch im Kurs.

Asiatisches Phänomen

In Asien gibt es wenige Restaurants, gegessen wird zu Hause oder auf dem Weg. Ähnlich wie bei den Würstelständen – der österreichischen Variante von Streetfood – ist das Speiseangebot asiatischer Straßenküchen mit nur einer Kochplatte oder einem Grill eher begrenzt. Die Vielfalt ergibt sich daraus, dass sich mehrere Straßenküchen an einem Ort (Bushaltestelle, Markt, etc.) zusammenfinden.

streetfood mexico 4 HONORARFREI! © Bild: /Wolfgang Schedelberger
Ähnlich wie in Asien hatte Lateinamerika bis vor kurzem keine nennenswerte Restaurant-Landschaft. Während sich das Angebot in Ländern wie Brasilien, Venezuela oder Kolumbien auf gefüllte Teigtaschen (Empanadas) beschränkte, hat sich in Mexico eine eigenständige Taco-Kultur mit gefüllten Tortilla-Fladen aus Maismehl entwickelt.

Mit der Immigration mexikanischer Arbeiter nach Südkalifornien haben sich dort seit den 1960er-Jahren zahlreiche Foodtrucks ("Loncheros") verbreitet, die Tacos und gegrillte Hühner ("Pollo asado") anbieten und fast ausschließlich von Latinos besucht werden.

Erst mit der Wirtschaftskrise von 2008 tauchte das Phänomen der Foodtrucks auf, die heute in Städten wie San Francisco und Los Angeles allgegenwärtig sind und sich mitunter zu richtigen "Gourmet Trucks" entwickelt haben. "Restaurant-Besuche sind für viele Amerikaner, die einen Gutteil ihres Vermögens verloren hatten, zu teuer geworden.

Vor allem junge Köche hatten plötzlich keinen Arbeitsplatz mehr und suchten nach Alternativen. So entstand die Foodtruck-Bewegung, die gutes Essen um vergleichsweise wenig Geld anbietet", erklärt der österreichische Koch Bernhard Mairinger, der in Los Angeles in seinem vor Kurzem neu eröffneten Bierbeisl ebenfalls "Austrian Streetfood" anbietet. Erstklassige Würste und selbst gebackenes Schwarzbrot gehören natürlich dazu.

Gourmet-Trucks

streetfood mexico 3 HONORARFREI! © Bild: /Wolfgang Schedelberger
Ähnlich wie beim traditionellen Streetfood asiatischer Prägung beschränken sich die US-Foodtrucks auf wenige Gerichte. Der Pionier der kalifornischen Foodtruck-Revolution heißt Kogi und begeisterte mit einer Mischung aus Korean BBQ und mexikanischen Tacos ein vor allem junges Publikum, das sich via Facebook und Twitter über die wechselnden Standorte auf dem Laufenden hielt. Mittlerweile touren bereits vier Kogi-Trucks quer durch Los Angeles. Sushi-Burritos gibt es genauso wie indische, philippinische oder burmesische Fusion-Gerichte. Es entstanden auch fixe Locations wie der Soma-Streetfood-Park in San Francisco, wo ein gutes Dutzend Foodtrucks permanent geparkt ist, die Köstlichkeiten aus aller Welt zubereiten.

Streetfood in Europa

In traditioneller Form gibt es Streetfood in Europa schon lange. Denn um nichts anderes handelt es sich bei den belgischen Frittenbuden, bei Berliner Currywurst-Ständen oder bei den Tapas-Ständen rund um spanische Märkte. Auch in Italien gibt es eine höchst lebendige Streetfood-Szene.

Eine der Hochburgen ist Palermo, wo am Wochenende bis frühmorgens hungrige Partygeher mit frischen Meeresfrüchten versorgt werden. Mittlerweile werden dort organisierte Streetfood-Touren angeboten. In London ist die Streetfood-Szene von indischen Einwanderern mit ihren bunten Currys geprägt, die für viele Londoner eine willkommene Alternative zu teuren Restaurants auf der einen und industriellem Fastfood auf der anderen Seite geworden sind.

san francisco 3 HONORARFREI! © Bild: /Wolfgang Schedelberger
Mit dem Migrationsströmen der letzten Jahrzehnte ist das Angebot auch hierzulande bunter geworden. In Deutschland und Österreich haben sich Kebab-Buden fast flächendeckend durchgesetzt. Seit ein paar Jahren erweitern vor allem junge Gastronomen die heimische Streetfood-Landschaft mit kulinarisch anspruchsvolleren Programmen, die entweder aus mobilen Foodtrucks, auf fixen Standplätzen auf Märkten oder in Pop-up-Lokalen angeboten werden.

So kann man ab kommender Woche im "Slow Tacos" am Wiener Donaukanal echtes mexikanisches Streetfood genießen. Betreiber Brian Patton und Küchenchef Peter Zinter sind zu Jahresbeginn nach Kalifornien und Mexiko aufgebrochen, um den Wienern ein authentisches Angebot machen zu können.

Morgen und übermorgen findet der erste österreichische Streetkitchen Food-Market statt. Organisator Roman Groiss: "In Berlin gibt es solche Festivals schon lange. Jetzt ist auch die heimische Szene groß genug geworden."

Street Kitchen Food Market

Am Donnerstag, den 30. April, und Freitag, den 1. Mai, kochen in der Marx Halle von 16 bis 22 Uhr beim ersten Street Kitchen Food Market 30 "Food Artisten" um die Wette, Anbieter regionaler Spezialitäten stellen aus. Der Eintritt beträgt 2 Euro (1030 Wien, Karl Farkas Gasse 19). Mehr hier.