Günstige Straßenküchen boomen
Rollende Küchen: Foodtrucks sind ein Renner und kommen jetzt auch nach Wien.
Dampfende Töpfe auf bunten Mini-Trucks, exotische Gerichte auf Wegwerf-Tellern – Street Food ist drauf und dran Europa zu erobern. Auch in Österreich ist eine kleine, aber sehr lebendige Szene entstanden. Am Donnerstag und Freitag kochen dreißig Anbieter beim ersten Streetfood-Festival in der Wiener Marx-Halle auf.
Asiatisches Phänomen
In Asien gibt es wenige Restaurants, gegessen wird zu Hause oder auf dem Weg. Ähnlich wie bei den Würstelständen – der österreichischen Variante von Streetfood – ist das Speiseangebot asiatischer Straßenküchen mit nur einer Kochplatte oder einem Grill eher begrenzt. Die Vielfalt ergibt sich daraus, dass sich mehrere Straßenküchen an einem Ort (Bushaltestelle, Markt, etc.) zusammenfinden.
Mit der Immigration mexikanischer Arbeiter nach Südkalifornien haben sich dort seit den 1960er-Jahren zahlreiche Foodtrucks ("Loncheros") verbreitet, die Tacos und gegrillte Hühner ("Pollo asado") anbieten und fast ausschließlich von Latinos besucht werden.
Erst mit der Wirtschaftskrise von 2008 tauchte das Phänomen der Foodtrucks auf, die heute in Städten wie San Francisco und Los Angeles allgegenwärtig sind und sich mitunter zu richtigen "Gourmet Trucks" entwickelt haben. "Restaurant-Besuche sind für viele Amerikaner, die einen Gutteil ihres Vermögens verloren hatten, zu teuer geworden.
Vor allem junge Köche hatten plötzlich keinen Arbeitsplatz mehr und suchten nach Alternativen. So entstand die Foodtruck-Bewegung, die gutes Essen um vergleichsweise wenig Geld anbietet", erklärt der österreichische Koch Bernhard Mairinger, der in Los Angeles in seinem vor Kurzem neu eröffneten Bierbeisl ebenfalls "Austrian Streetfood" anbietet. Erstklassige Würste und selbst gebackenes Schwarzbrot gehören natürlich dazu.
Gourmet-Trucks
Streetfood in Europa
In traditioneller Form gibt es Streetfood in Europa schon lange. Denn um nichts anderes handelt es sich bei den belgischen Frittenbuden, bei Berliner Currywurst-Ständen oder bei den Tapas-Ständen rund um spanische Märkte. Auch in Italien gibt es eine höchst lebendige Streetfood-Szene.
Eine der Hochburgen ist Palermo, wo am Wochenende bis frühmorgens hungrige Partygeher mit frischen Meeresfrüchten versorgt werden. Mittlerweile werden dort organisierte Streetfood-Touren angeboten. In London ist die Streetfood-Szene von indischen Einwanderern mit ihren bunten Currys geprägt, die für viele Londoner eine willkommene Alternative zu teuren Restaurants auf der einen und industriellem Fastfood auf der anderen Seite geworden sind.
So kann man ab kommender Woche im "Slow Tacos" am Wiener Donaukanal echtes mexikanisches Streetfood genießen. Betreiber Brian Patton und Küchenchef Peter Zinter sind zu Jahresbeginn nach Kalifornien und Mexiko aufgebrochen, um den Wienern ein authentisches Angebot machen zu können.
Morgen und übermorgen findet der erste österreichische Streetkitchen Food-Market statt. Organisator Roman Groiss: "In Berlin gibt es solche Festivals schon lange. Jetzt ist auch die heimische Szene groß genug geworden."