Guten Flug!
Flugzeuge ohne Piloten – aber mit Elektroantrieb. MICHAEL HOROWITZ über Niki Laudas Vision und Golfspielen hoch über den Wolken.
Die Klima-Killer: Täglich verbrennen Flugzeuge rund eine Milliarde Liter Kerosin. Bei der am Montag in Paris beginnenden UN-Klimakonferenz wird eine der Hauptforderungen sein, dass Fluglinien bis 2050 schädliche Treibhausgase je geflogenem Kilometer um 75 Prozent und die Lärmbelastung um rund zwei Drittel reduzieren. Neben der geringeren Umweltbelastung sollen Flüge in Zukunft aber auch sicherer, zuverlässiger und angenehmer werden.
Wie das alles funktionieren soll? Die Fluggiganten Boeing und Airbus versuchen, rechtzeitig zu reagieren, manche Experten sprechen von einer Revolution in der Luft. Statt abgestandener, oft gesundheitsgefährdender Kabinenluft soll in Revitalisierungszonen die Luft mit Vitaminen angereichert werden, hoch über den Wolken werden Passagiere mittels eines 3D-Multimedia-Systems virtuell Golf spielen und shoppen gehen können. Jeder Sitz ist klimatisiert und wird sich automatisch dem Körper des Passagiers anpassen. Irgendwann wird es auch möglich sein, die Körperwärme der Fluggäste in Energie umzuwandeln. Vor allem sollen dann aber Turbinenlärm und Kerosingestank passé sein.
Umdenken ist nötig – eine Boeing 747 verbrennt 3,8 Liter Kerosin pro Sekunde. Der Elektroantrieb bei Flugzeugen scheint nicht mehr unrealistisch. Das knapp sieben Meter kurze Airbus-Modell E-Fan hat Anfang Juli – elektrisch angetrieben – in 36 Minuten den Ärmelkanal überquert. 106 Jahre nach dem französischen Luftfahrtpionier Louis Blériot, der als erster Mensch über den Ärmelkanal flog. Unter dem Geheimcode E-Thrust gibt es Überlegungen für größere strombetriebene Airbus-Verkehrsflugzeuge von morgen, deren Antrieb soll von Siemens kommen.
Der prestigeträchtige Wettlauf beim umweltschonenden Fliegen mit Elektroantrieb ist seit Jahren virulent. Bereits 2012 hat der US-Luftfahrtriese Boeing mit der Studie Sugar Volt das Konzept für einen hybrid-elektrischen Flieger präsentiert. Bis wir mit Elektroflugzeugen über den Wolken schweben, wird es aber noch mindestens zwei, drei Jahrzehnte dauern, meinen Experten. Inzwischen wird die Nähe zu anderen Passagieren immer unangenehmer, Billig-Airlines wie Ryanair überlegen ernsthaft, auf Toiletten an Bord zu verzichten und Stehplätze anzubieten.
Bald könnte eine andere Idee die Luftfahrt revolutionieren: Niki Lauda meinte vor kurzem im deutschen Magazin „ZEIT Wissen“, dass Flugzeuge in der Zukunft vollautomatisch ohne Piloten fliegen werden. Er vertraue beim Fliegen mehr der Technik als dem Menschen, ein wesentlicher Grund dafür sei die fehlende Erfahrung junger Piloten: Man übt brenzlige Situationen zwar am Simulator, aber in Wirklichkeit fehlt das Grundgefühl, meint Lauda, der alte Hase der Lüfte. Längst landen Autopiloten bei schlechten Sichtverhältnissen ganz von selbst, im Fliegerjargon nennt man das CAT-III-Landung.
Früher schien ein Aufzug ohne Liftboy unvorstellbar, heute steigen wir völlig entspannt in den leeren Lift. Autos reagieren autonom und übernehmen immer mehr die Herrschaft über uns, im amerikanischen U-Bahn-System verkehren Züge ohne Fahrer – aber Flugzeuge ohne Piloten? Eine Notlandung wie vor drei Jahren auf dem New Yorker Hudson River hätte ein Computer allein vermutlich nie geschafft, meinen Skeptiker. Und Umfragen zufolge würde mehr als ein Drittel der Passagiere niemals in ein Flugzeug ohne Pilot einsteigen: Wenn beunruhigende, seltsame Geräusche oder Turbulenzen das Fliegen beeinträchtigen, wartet man auf die (oft) beruhigende Stimme des Piloten, die uns erzählt, dass eh alles in Ordnung sei. Außerdem glaubt man, dass die Piloten (fast immer) alles tun werden, um auch ihr eigenes Leben zu retten …
Die Zukunft hat Flügel: Das knapp sieben Meter kurze elektrisch angetriebene Airbus-Modell E-Fan hat Anfang Juli den Ärmelkanal überquert