Die Probleme meines Hundes
Grundsätzlich hat mein Hund kein Problem damit, 50 Sekunden vor dem Bäcker zu warten. Vielmehr leckt er sich 50 Sekunden lang die Schnauze, weil es als Belohnung fürs Eingangstür-Bewachen immer ein besonders stinkendes Leckerli gibt. Ein großes Problem hat der Hund jedoch, wenn sich plötzlich eine Armada an korpulenten, älteren Damen zwischen Auslage und Hund schiebt. Natürlich muss er da bellen, schließlich verstellen ihm die baumstammdicken Unterschenkel den Blick auf sein Frauli, und da der menschliche Eigengeruch von literweise Eu-de-irgendwas überlagert wird, weiß Hund ja auch nicht, von was für einer Spezies er da umstellt wird. Zudem wage ich zu behaupten, dass mein Hund, selbst wenn er nicht von Geburt an taub wäre, wohl kaum verstünde, was man ihm mit „Ja du armesarmes Wuffiwuffi, wo is’ denn dein bösesböses Fraulifrauli? Hast du ein Angstiangsti, weil du so alleinialleini bist?“ sagen will. Wahrscheinlich sollte ich ein Schild basteln: Ja, ich bin ursüß, aber bitte lassen Sie mich trotzdem in Ruhe. Fürs Auto hat der Hund bereits ein Schild: Ich belle nur, wenn Du deppert schaust. Das war notwendig geworden, nachdem unlängst eine Gruppe pickeliger Teenager ans Autofenster klopfte: „Nicht bellen, wir holen die Polizei, die befreit dich!“ Vielleicht hätte der Hund weniger Angst gehabt, wenn sich die Jugendlichen vorher die Stirnfransen zur Seite gespangerlt hätten, sodass der Hund ihre Augen gesehen hätte. Teenager wie alte Damen trafen wir übrigens wieder. Die alten Damen marschierten notizlos an ein paar jungen Männern vorbei, die einen Bettler beschimpften. Und die Teenager sahen wir unlängst in der Straßenbahn – keiner kam auf die Idee, einer hochschwangeren Frau den Platz zu überlassen. Aber Hauptsache alle wundern sich, dass der Hund knurrt, wann immer er sie sieht.
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