Leben/Essen & Trinken

Warum diese Bloggerin jeden Wein nur ein Mal trinkt

Herrlich duftig, gut saftig, buttrig, mit Noten von reifem Steinobst und nicht ganz leicht. "Wie ein Marillenknödel zum Trinken eben", so beschreibt Valerie Purth den Charakter des Weines, den sie selbst gerne machen würde.

Wiewohl sie der Vorstellung von einem eigenen Wein durchaus etwas abgewinnen kann, plant die 29-jährige Wienerin derzeit nicht, unter die Winzerinnen zu gehen. Sie beschäftigt sich mit Wein als "genussreichem Ausgleich" zu ihrem Brotberuf als Juristin. Intensiver tut sie das seit Oktober 2017, als sie den Entschluss fasste, jeden Wein zwei Jahre lang nur ein Mal zu trinken. Die Idee dazu kam ihr nach einer Reise nach Georgien, eines der Ursprungsländer des Weinbaus und der kultivierten Weinrebe. Erstaunt stellte die junge Frau damals fest, wie wenig sie über Wein wusste. "Ich setze mich im Alltag stark damit auseinander, woher meine Sachen kommen und wie sie produziert werden. Lebensmittel beziehe ich deswegen unter anderem über eine Foodcoop. Beim Wein habe ich mir diese Fragen lange nicht gestellt“, erzählt Purth.

Den eigenen Geschmack erforschen

Um die unterschiedlichen Weine nicht zu vergessen, dokumentierte sie die Weinreise auf Instagram. Durch das Aufschreiben erkannte sie mit der Zeit ein Muster, was ihr schmeckt: Weine, die klar, frisch, elegant, präzise und fruchtbetont, aber nicht blumig sind. Kurz: Ein Grüner Veltliner geht immer. Auch Pet Nats (junge Schaumweine, die erst in der Flasche zu Ende gären) haben es ihr angetan.

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Auf ihrem Blog veröffentlicht Purth mittlerweile längere Texte rund um Wein, auf einem eigenen YouTube-Channel handelt sie Fragen à la "Weißer Spritzer – ideales Sommergetränk oder No-Go?" ab. Obwohl sie dafür mehr Aufmerksamkeit bekommt als zunächst geplant – und immer wieder auch eine geschenkte Flasche Wein – will sie das weiterhin zum Privatvergnügen tun.

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Wichtig ist Purth ein lustiger, unkomplizierter Zugang – und ein gewisses Maß an Weinwissen. Sie hat sich dieses unter anderem bei einem Basisseminar an der Weinakademie angeeignet. "Es ist sinnvoll, das Vokabular zu beherrschen, um sich mit anderen austauschen zu können", sagt sie. Die Kategorisierung „feminin“ für blumige oder duftige Weine findet sie aber überholt. "Ich halte nichts davon, von 'Mädchenweinen' zu sprechen. Mein Verlobter trinkt die übrigens sehr gerne.“

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Wer Wein so ernst nimmt, möchte auch sehen, wo er herkommt. Darum besucht Purth am Wochenende regelmäßig Weingüter, um sich mit Winzerinnen und Winzern zu unterhalten. „Jeden Wein, den man trinkt, sollte man ernst nehmen und würdigen. Man glaubt gar nicht, wie wahnsinnig viel Arbeit hinter einem Achterl steckt.“ Eine Erkenntnis, die in den vergangenen eineinhalb Jahren in Purth gereift ist. Zwar trinkt sie nicht mehr als früher, jedenfalls aber bewusster.

Österreichische Vielfalt

An die hundert Flaschen Wein warten in ihrer Wohnung darauf, verkostet zu werden. Der Großteil davon – mit Ausnahme von ein paar Urlaubsmitbringseln – aus Österreich. "Die Vielfalt der heimischen Weine hat mich fasziniert", sagt Purth, die stets auf Bio-Qualität und nachhaltige Landwirtschaft achtet. Mehr als fünfzehn Euro pro Flasche ist sie dafür meist nicht bereit auszugeben. Denn sie ist überzeugt: "Eine gute Flasche Wein muss nicht fünfzig Euro kosten.“

Abend am Balkon
Herrenhof Lamprecht, Buchertberg Weiss Gemischter Satz: elegant, saftig, anspruchsvoll 

Brunch mit der Mama 
Tamara Kögl, FRENCH PET: herb, fein, birnig

Picknick im Park 
Weingut Faber-Köchl, Köchl Verzeichnis 508: unkompliziert, lebensfroh, harmonisch 

Pizzaparty 
Judith Beck, Beck Ink: funky, würzig, leicht und ein super Einstieg in die Natural- Wein-Schiene 

Romantisches Date 
M. Opitz, Grauburgunder Reserve: verführerisch, samtig, cremig

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