Misconceivable, 2012
Sabine Haag, Generaldirektorin des Kunsthistorischen Museums, präsentiert für die freizeit die 100 größten Kunstwerke Österreichs.
Übertreibung, Ironie und Komik – so könnte man das Werk Erwin Wurms, der zu den international erfolgreichsten Künstlern Österreichs zählt, betiteln. Schlagartig bekannt wurde er Anfang der 1990er-Jahre mit den „one minute sculptures“: Unterschiedliche Personen posieren mit verschiedensten Alltagsgegenständen – live im Rahmen einer Ausstellung oder auf Fotografien. Vor kurzer Zeit wurden sie im Frankfurter „Städel Museum“ wiederbelebt: Wurm ließ sie von zahlreichen Besuchern neu erschaffen. Besonders in Erinnerung blieb auch seine Wiener Installation House attack – ein kopfüber auf dem Dach des Museums für Moderne Kunst (MUMOK) installiertes Einfamilienhaus.
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Vor Millionen von Jahren hat es hier noch ein Meer gegeben“ – so der Kommentar des Wiener Projektinitiators bei der Einweihung. Das gekrümmte Segelboot auf dem Dach eines Wiener Hotels irritiert naturgemäß dennoch. Wie unter Hitzeeinwirkung deformiert und scheinbar auf der Gebäudekante wider die Schwerkraft balancierend, ist es ein typischer Wurm: Das Quetschen, Aufblasen, Verbiegen und Verdrehen alltäglicher Objekte gehört zu den signifikantesten künstlerischen Strategien des Österreichers. Übrigens ist auch das Gebäude darunter einen Blick wert: Ursprünglich 1960-62 als Verwaltungsgebäude errichtet, repräsentiert der am Landstraßer Gürtel gelegene Bau „wie kein anderer in Wien die Aufbruchsstimmung und den Fortschrittsglauben der Zeit um 1960“, so die Einschätzung des Bundesdenkmalamtes.