Wohnungen auf Supermarktdächern
Weil "Grundstückspreise explodieren" kontert Stadt mit neuem Konzept.
Es wird eng. Wien wächst rasanter als bisher angenommen. Im Vorjahr zogen 24.255 Menschen in die Bundeshauptstadt. Deutlich mehr als in den Jahren zuvor. "Die Grundstückspreise explodieren, die Wohnkosten steigen", sagt Christoph Chorherr. Der grüne Planungssprecher ist überzeugt: "Wien steht vor der größten Herausforderung der nächsten Jahrzehnte." Es geht um die Frage, wie in Zeiten knapper Kassen leistbarer Wohnraum geschaffen werden kann. Rot-Grün prüft nun eine neue Strategie: Konkret sollen Wohnungen künftig im Zuge von Umwidmungen auf Supermärkten oder gar Einkaufszentren errichtet werden. Ein erstes Pilotprojekt wird am Dach des Auhof-Centers in Penzing realisiert. Bis 2014 werden 70 Wohnungen auf das Einkaufszentrum aufgesetzt. Weitere Projekte sollen etwa im Gewerbegebiet Stadlau folgen. "Das sind meist nur eingeschoßige Bauten mit einem angeschlossenen Parkplatz. Das ist totale Platzverschwendung", ist Chorherr überzeugt.
Doch wie funktioniert das Projekt im Detail? Da der Betreiber sein Einkaufszentrum demnächst ein zweites Mal ausbauen möchte und hierfür eine Umwidmung durch den Gemeinderat benötigt, ergibt sich für die Stadt Gestaltungsspielraum. "Über die Widmung können wir kostengünstig Wohnland schaffen", sagt Chorherr. "Im konkreten Fall geht es um 70 leistbare Wohnungen, die zum Teil sogar unter dem Preisniveau von Gemeindewohnungen liegen werden." Immerhin müsse der Bauträger nur für die Überbauungsrechte zahlen, was für den EKZ-Betreiber wiederum einen Gewinn bedeutet.
Chorherr kündigte zudem an, dass dieses Prozedere im Rahmen einer Bauordnungsnovelle noch intensiviert werden könnte. "Bei Umwidmungen wird die Politik dann städteplanerische Verträge abschließen können."