Vor 20 Jahren brannte die Wiener Hofburg
In der Nacht auf den 27. November 1992 zerstörte ein Feuer die Redoutensäle – warum, weiß man bis heute nicht genau.
Vor 20 Jahren hat ein Feuer den Wiener Himmel gespenstisch erleuchtet: In der Nacht auf den 27. November 1992 brannte die Hofburg. Die Redoutensäle wurden dabei zerstört, die angrenzende Nationalbibliothek blieb gerade noch verschont - ebenso der Präsidententrakt und die Schatzkammer. Die Lipizzaner der Spanischen Hofreitschule wurden allerdings aus ihren Ställen in Sicherheit gebracht, ebenso Tausende Bücher aus der Nationalbibliothek. Die Ursache des Feuers konnte nie restlos geklärt werden.
Der Vollbrand hatte sich in jener Novembernacht über Stunden unentdeckt entwickeln können. Erst um 1.10 Uhr schlug der Brandmelder in einer Dolmetschkabine neben den Redoutensälen an. "Zunächst hat alles nicht so dramatisch gewirkt", erinnerte sich der damalige Branddirektor Friedrich Perner. Als er am Ort des Geschehens eintraf, lag Brandgeruch in der Luft und es wurde gemeldet, dass im Inneren des Gebäudes ein Großfeuer tobt. Ausgangspunkt war der Redoutensaal.
Lipizzaner evakuiert
Im Laufe der Nacht gab die Feuerwehr Alarmstufe sieben, damals die zweithöchste mögliche. Kurz nach 3.00 Uhr wurde die Evakuierung der 69 Lipizzaner angeordnet. Passanten halfen, die Tiere aus dem Gefahrenbereich zu bringen. Ebenfalls in Sicherheit gebracht wurden mehr als 10.000 wertvolle Bücher aus der Nationalbibliothek. Erst gegen 6.00 Uhr war das Feuer weitgehend unter Kontrolle gebracht, "Brand aus" hieß es allerdings erst um 8.15 Uhr am nächsten Tag.
Die Ursache des Feuers wurde nie vollständig geklärt. Experten des Innenministeriums schlossen einen Kabelbrand zwar dezidiert aus, nicht jedoch "weitere elektrische Vorgänge" im Bühnenbereich des Großen Redoutensaals, wo das Feuer seinen Ausgang genommen hatte. Ebenso kamen nachglühende Tabakreste, die brennbare Materialien entzündet hatten, als Ursache infrage.
Die Redoutensäle wurden bei dem Brand schwer beschädigt. Die Kosten für die Restaurierung beliefen sich auf insgesamt 840 Millionen Schilling (61 Mio. Euro). Die Fassade des Hofburgtraktes blieb unangetastet, innen wurden jedoch nicht nur die Säle wiedererrichtet. Auch der Dachraum wurde völlig neu gestaltet und Konferenzraum für rund 1.000 Personen eingerichtet.
Der barocke Kleine Redoutensaal, wo 80 Prozent der alten Bausubstanz das Feuer überstanden, wurde detailgetreu rekonstruiert. Beim Großen Saal war die nicht möglich. Dieser wurde neu gestaltet und ist von 22 Wandbildern und einem 400 Quadratmeter großen Deckenfresko des Wiener Malers Josef Mikl dominiert. Am 26. Oktober 1997, also knapp fünf Jahren nach dem verheerenden Feuer, wurden die Redoutensäle wieder eröffnet.
Auswirkungen
Der Brand löste auch eine Diskussion um den Brandschutz in historischen Gebäuden Wiens aus. Es wurden schließlich Verbesserungen umgesetzt. Hatte die Wiener Feuerwehr früher bei Bundesgebäuden kein Mitspracherecht, wurde sie danach immer eingeladen, ihre Vorstellungen einzubringen. Zugleich wurde viel Geld in die Hand genommen, sodass ein Brand in einem Ausmaß wie damals heute in Museen, Schönbrunn und letztlich der Hofburg - zumindest ist dies die Einschätzung von Experten - nicht mehr möglich ist.