Taxler im Europa-Vergleich mies
Der Autofahrerklub ADAC testete Taxis in ganz Europa. Die Wiener landeten abgeschlagen an fünftletzter Stelle.
Ihr Image ist seit Jahren schlecht, doch im europäischen Vergleich schneiden Wiens Taxler richtiggehend miserabel ab. Bei einem in 22 Großstädten durchgeführten Test landeten die Wiener nur auf dem 18. Rang. Während der Fahrpreis noch vergleichsweise günstig ist, krankt es bei den knapp 4500 Taxlern vor allem am Service.
Zehn Mal versuchten Tester des ADAC, als Geschäftsreisende getarnt, in Wien ein Taxi zu nehmen. Doch nur neun Mal waren sie auch erfolgreich: Für die Route Operngasse bis zur Karlskirche verweigerte der Taxler die Fahrt, obwohl es Nacht war. Er warte schon lange auf einen Fahrgast und das Ziel sei, in zwei Minuten zu Fuß zu erreichen.
"Das ist so ziemlich das Dümmste, was einem passieren kann", sagt Regina Ammel, Sprecherin des deutschen Autofahrerclubs.
Get out!
Es ist nicht der erste Taxi-Skandal in Wien, erst im März hatte ein Taxler einer schwarzen Sopranistin mit den Worten "I don't drive black women - get out!" die Fahrt verweigert.
Auch wenn der rüde Inhalt absolut inakzeptabel war - zumindest hat dieser Taxifahrer Englisch gesprochen. Viele seiner Kollegen können das nicht, ergab der Test. "Viele meiner Kollegen können ja nicht einmal gescheit Deutsch", sagt ein Taxler, der ungenannt bleiben will.
80 Prozent der getesteten Taxler konnten zudem auch keine Sehenswürdigkeiten erklären oder ein Restaurant empfehlen. Ammel: "Das verwundert bei der Tourismushochburg Wien nun doch."
Dafür sind die Wiener Taxler im Vergleich zu den europäischen Kollegen wahre Verkehrsrowdys. Zwei Fahrer fuhren über eine rote Ampel und telefonierten ohne Freisprecheinrichtung. Ein anderer verursachte fast einen Unfall, ein weiterer Kollege übersah Passanten vor dem Zebrastreifen. Dafür wurden in vier von zehn Fällen Umwege genommen. Ammel: "Da fragt man sich: Hab' ich jetzt eine Achterbahnfahrt gebucht?"
Besser in Salzburg
Dass es in Österreich weit besser geht, beweisen die Salzburger Kollegen. Sie belegten Platz acht. Sie sind gepflegt, rechnen ordentlich ab und können viele Sehenswürdigkeiten erklären. Die Salzburger Taxis sind auch sauberer als die der Wiener. Grund: Bei den Salzburgern gibt es während der Ausbildung Geschichtsunterricht, eine Arbeitspsychologin kümmert sich um das richtige Benehmen. Allerdings fahren in Salzburg nur 300 Taxis. "Die hat man leichter im Griff als 4500", verteidigt Salzburgs Spartenobmann der Taxifahrer Peter Tutschku seinen Wiener Kollegen Christian Gerzabek.
Der sieht sich unfair bewertet: "Beim Testsieger Barcelona gab es viel längere Umwege, viele Taxis haben keine Klimaanlage." Die Gewichtung sei also fragwürdig. "Aber natürlich gibt es bei uns enorme Defizite", muss Gerzabek zugeben. Er kündigt nun stärkere Kontrollen durch Detektive an: "Denn so geht es nicht weiter."
Preise
Bei den Fahrtpreisen liegen die beiden österreichischen Testkandidaten im Mittelfeld. Eine Sieben-Kilometer-Tagfahrt kostet in Wien 12,92 Euro, und in Salzburg 15,09 Euro. Billiger ist es vergleichsweise in Lissabon mit 7,98 Euro oder in Barcelona mit 10,92 Euro, teurer in Amsterdam mit 22,24 Euro oder in Zürich, wo die gleiche Fahrt stattliche 31,35 Euro kostet.
Die Reihung der Städte:
1. Barcelona
2. München
3. Köln
4. Mailand
5. Berlin
6. Paris
7. Lissabon
8. Salzburg
9. Oslo
10. Rotterdam
11. Hamburg
12. Genf
13. Brüssel
14. Zagreb
15. Zürich
16. Madrid
17. Prag
18. Wien
19. Amsterdam
20. Luxemburg
21. Rom
22. Ljubljana
So wurde getestet
Die Tester waren im Mai und Juni 2011 getarnt als Geschäftsleute auf fünf typischen Routen in der Stadt (Flughafen-Hauptbahnhof, Hauptbahnhof-Messe, Messe-Hotel, Innenstadt-Sehenswürdigkeit im Zentrum, Hotel-Restaurant) unterwegs. Jede Strecke wurde zweimal befahren, einmal tagsüber, einmal nachts. Die Gespräche mit den Fahrern wurden auf Englisch geführt. Die Prüfer waren mit einem GPS-Gerät ausgestattet, das die Geschwindigkeit und die Streckenführung aufzeichnete.
Bewertet wurden die Kategorien Fahrer, Fahrzeug und Routentreue. Die Tester notierten, ob sich der Lenker an die Straßenverkehrsordnung hielt, freundlich und hilfsbereit war, in Englisch kommunizieren und Empfehlungen für Restaurants und Sehenswürdigkeiten geben konnte, ob das Auto gepflegt und sauber war, der Taxameter ordnungsgemäß eingeschaltet und die Fahrt richtig abgerechnet wurde.
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