Chronik/Wien

Arsenal: Leben auf Dauer-Baustelle

Die Arsenal-Immobilien Development GmbH und die Republik als Eigentümerin des Heeresgeschichtlichen Museums sowie der ehemaligen Beamtenhäuser im Arsenal haben vor Jahren einen Ideenwettbewerb ausgelobt. Ziel: Erweiterung des Museums und Verbesserung des Wohnangebotes durch Dachausbauten und effizienzsteigernde Nachverdichtung.

Der Wettbewerb ist mittlerweile vergessen, der Ärger über den Ausbau der Wohnungen umso präsenter: Bei den mittlerweile „privatisierten“ Beamtenhäusern ist die Aufstockung voll im Gang: Gerüste stehen fast an allen Objekten, zwei gepölzte Wohnungen verraten das statische Risiko, Staubwolken und ohrenbetäubender Lärm beherrschen seit Monaten die einst ruhige Wohngegend in der Lilienthalgasse.

Privatisiert

Der private Eigentümer baut die Dachgeschoße der fünfstöckigen Häuser aus, um seine Einnahmen steigern zu können. Leidtragende sind die Mieter, die auch noch mehrere Baustellenjahre in unmittelbarer Nähe des Hauptbahnhofes vor sich haben.

Auf Wolfgang Schüssel, den „Verkäufer“ der Beamtenhäuser, ist hier niemand gut zu sprechen. Man glaubt Parallelen zur BUWOG zu sehen. Der neue Eigentümer der Anlage ist der Immobilien-Guru Rudolf Fries. Er macht kein Hehl daraus, dass er die Wohnungen nach Möglichkeit auch neu vermieten will. Die Bewohner der rund 50 Jahre alten Häuser sind verzweifelt. Mietersprecher Josef Maringer: „Wir als Mieter haben hier eigentlich keine Rechte. Ja, wir dürfen nicht einmal den Vertrag sehen, der mit der ÖBB zum Lärmschutz wegen der Errichtung des Hauptbahnhofes abgeschlossen wurde.“

Unglaublich ist auch der Kaufpreis: Die Beamtenhäuser sind um 240 €/m² von der Republik verkauft worden. Maringer: „Um diesen Preis hätten sich die meisten Mieter die Wohnungen selbst gekauft.“

Neben den Belästigungen durch den Umbau – keine Lifte, keine offenen Fenster, Lärmqualen bis spät am Abend – gibt es auch ernste Sicherheitsbedenken. So mussten zwei der Wohnungen gepölzt werden, weil die Decke einzustürzen drohte. Bausachverständigen mussten Bestandsaufnahmen machen, um Folgeschäden dokumentieren zu können. „Was hilft das alles, wenn ich am Abend auf meinem Bett Mauerteile wegräumen muss, bevor ich mich zum Schlafen niederlege. Wir haben einfach Angst“, erklärt eine Mieterin.

Stellplatzpflicht

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Ein noch ungelöstes Problem: Für die neuen Dachwohnungen müssten – gesetzlich vorgeschrieben – 50 neue Pkw-Abstellplätze geschaffen werden. Dies ist aber gar nicht möglich, weil das Arsenal als Parkschutzgebiet gewidmet ist. Frage: Wer hat das genehmigt?

Eine weitere Beschwerde: Für den Dachausbau der historischen Objekte des Arsenals (ein Ziegelbau wie das Arsenal in Venedig) wurde sogar der Denkmalschutz aufgehoben.