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© Bild: REUTERS/EDGAR SU
Jubiläum
09.08.2015

Singapur feiert 50 Jahre Unabhängigkeit

Der schillernde Stadtstaat ist Finanzmetropole – und Stadt der Verbote.

Ein Zwergstaat mit großen Gegensätzen: Die rund 5,4 Millionen Einwohner von Singapur haben einen der weltweit höchsten Lebensstandards. Mit gut 82.000 US-Dollar (knapp 75.000 Euro) Wirtschaftsleistung pro Kopf ist Singapur hinter Katar und Luxemburg das drittwohlhabendste Land der Welt. Singapurs Staatsgründer Lee Kuan Yew hat mit harter Hand eine schillernde Wolkenkratzer-Metropole mit hohem Bildungsstandard und ein korruptionsfreies Finanzzentrum geschaffen, das Weltruhm genießt.

Um die Bürgerfreiheiten ist es in dem Stadtstaat, der heute, Sonntag, 50 Jahre Unabhängigkeit feiert, hingegen nicht so gut bestellt: Besucher aus westlichen Ländern staunen meist darüber, was sich die die Bewohner des südostasiatischen Kleinstaats alles gefallen lassen.

So gab es etwa lange Zeit hohe Geldstrafen für Personen, die nach dem Gebrauch von öffentlichen WCs nicht die Spülung betätigten. Mittlerweile funktioniert die Spülung in allen Toiletten automatisch. Im ganzen Stadtstaat herrscht Kaugummiverbot – Import und Verkauf sind verboten, damit niemand U-Bahn-Türen oder Schlösser verkleben kann.

Wenig Meinungsfreiheit

Singapurs Einschränkung der Meinungsfreiheit wird immer wieder von Bürgerrechtlern kritisiert. Meinungsfreiheit ist zwar in der Verfassung verankert, wird aber durch Gesetze eingeschränkt. Erst im Juni musste ein 16-jähriger Teenager, der nach Kritik an Lee Kuan Yew verurteilt worden war, erneut in U-Haft.

Demonstrationen sind in dem autoritären Stadtstaat nur in einer Parkecke erlaubt. Sex unter Männern ist verboten, auch wenn Schwule nicht verfolgt werden. Die Medienbehörde MDA überwacht Webseiten mit politischem Inhalt. Und Regierungskritiker werden durch Verleumdungsklagen in den Bankrott getrieben. "Der Justiz fehlt Unabhängigkeit, sie urteilt systematisch im Sinne der Regierung", meint die Organisation Freedom House. Die Regierung verwahrt sich gegen solche Kritik.

Denkzettel für Regierungspartei

Die seit 50 Jahren regierenden Lee-Partei PAP erhielt 2011 jedenfalls einen saftigen Denkzettel – mit gut 60 Prozent das schlechteste Ergebnis aller Zeiten. Das politische System sorgt zwar dafür, dass die Partei trotzdem mehr als 90 Prozent der Parlamentssitze behielt. Aber die Regierenden waren alarmiert. "Wir scheinen in einer Midlife-Krise zu stecken", warnte Ex-Regierungschef Goh Chok Tong 2013. "Die Leute wollen mehr Freiheit, um ihr Leben selbst zu bestimmen, sie wollen mehr politische Mitsprache."

Auffallend ist, dass Singapur eine der niedrigsten Geburtenraten der Welt hat – statistisch 1,2 Babys pro Frau (Österreich: 1,4). Der Staat veranstaltete lange gezielt Partys und Ausflüge, um gebildete Bürger zu verkuppeln und zu Fortpflanzung zu bewegen. Weil dies nicht wirklich funktionierte und der Stadtstaat heute mit Überalterung kämpft, sollen nun Einwanderer die Zukunft Singapurs sichern. Auf der Insel leben neben den knapp 3,9 Millionen Singapurern bereits 1,5 Millionen Ausländer. Weitere 1,5 Millionen will die Regierung noch holen.

Singapur

Wirtschaft und Bevölkerung

Die frühere britische Kolonie wurde 1965 mit dem Ausscheiden aus der Malaysischen Föderation unabhängig. Seither entwickelte sich der nur 718 große Staat von einer unbedeutenden Insel zu einem Finanzzentrum. Ölverarbeitung und Elektronindustrie sind wichtige Wirtschaftszweige, der Hafen ist nach Schanghai der zweitgrößte der Welt. Die Bevölkerung setzt sich zu 73 Prozent aus ethnischen Chinesen, 13 Prozent Malaien und neun Prozent Indern zusammen.

Lee Kuan Yew

Gründervater Lee Kuan Yew starb im März 2015 mit 91 Jahren. Er hatte die Politik mehr als 30 Jahre lang als Regierungschef und Chefberater gelenkt. Stets verteidigte er seinen autoritären Führungsstil: Nur so habe er die Insel zu einem führenden Finanzzentrum machen können, sagte er.

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