Regierung pumpt Millionen in AKW-Ruine
Japan: Am Montag war zudem eine weitere hochradioaktive Zone entdeckt worden.
Die japanische Regierung will angesichts der verschärften Krise im zerstörten Atomkraftwerk Fukushima weitere Hunderte von Millionen an Steuergeldern in die Atomruine pumpen. Wie ein Sprecher der Regierung am Dienstag bekannt gab, sollen 47 Milliarden Yen (360 Millionen Euro) investiert werden, um die zunehmenden Mengen hochgradig verseuchten Wassers in der Atomanlage zu bekämpfen. Ursprünglich war nur von 40 Milliarden Yen die Rede gewesen.
Neue radioaktive Zone entdeckt
Die Schreckensnachrichten aus Fukushima reißen indes nicht ab: Experten haben an der Ruine des havarierten japanischen Atomkraftwerks Fukushima eine weitere hochradioaktive Zone entdeckt. Die Strahlung an einem Wasser-Auffangbehälter betrage über 100 Millisievert pro Stunde, teilte der Betreiber Tepco am Montag mit. Genauere Angaben konnten nicht gemacht werden, da die Dosimeter der Arbeiter nur bis zu dieser Höhe ausgelegt seien.
Bereits am Sonntag hatte Tepco von einer um das 18-fache gestiegenen Belastung an einem anderen Wassertank berichtet. Die Strahlung ist dort so hoch, dass sie binnen vier Stunden zum Tod führt. Japans Premier Shinzo Abe hat daher ein schnelles Eingreifen der Regierung angekündigt. Einzelheiten werden am Dienstag erwartet.
Misstrauen gegenüber Tepco
In Japan war nach der Katastrophe die Belastungsschwelle für Arbeiter auf 100 Millisiervert über fünf Jahre festgelegt worden. Immer weniger Menschen trauen dem Betreiber Tepco zu, die Lage in den Griff zu bekommen. Das radioaktiv verseuchte Wasser zum Kühlen der strahlenden Ruine ist ein besonderes Problem: Bereits vor einigen Tagen hatte Tepco mitgeteilt, dass 300 Tonnen hochradioaktiv verseuchtes Wasser aus einem Lagertank ausgelaufen seien. Zudem vermischt sich Grundwasser mit dem Kühlwasser. Zuletzt wurde zudem ein Leck an einer Verbindung zwischen zwei Wassertanks entdeckt.
Die gestiegene Strahlung mindert auch die Chancen für die japanische Hauptstadt auf einen Zuschlag für die Olympischen Spiele 2020. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) entscheidet am Samstag zwischen den Bewerbern Tokio, Madrid und Istanbul. Offiziellen Angaben der japanischen Regierung zufolge ist die radioaktive Belastung in Tokio, das von der Unglücksstelle 230 Kilometer entfernt liegt, nicht höher als in London oder New York.
Atommüll in Säcken
Hinter der Atomruine lagern am Straßenrand riesige schwarze Müllsäcke. Darin befindet sich die oberste Schicht des Bodens, der abgetragen werden musste. Wie so vieles, was aus der Unglücksregion an die Öffentlichkeit dringt, gilt auch diese Art der Dekontamination als unprofessionell und unwirksam
Seit bekannt wurde, dass die Radioaktivität bei den Reaktoren drastisch höher ist, als seit eineinhalb Jahren angegeben, herrscht eine Art Schockstarre. In den Bereich des Fantastischen werden die Vorstellungen gerückt, wie die geschmolzenen Reaktorkerne jemals entsorgt werden könnten. Im amerikanischen AKW Three Miles Island begann man 1985, sechs Jahre nach dem Unfall, den Schmelztiegel im Reaktorinneren zu zerkleinern, um ihn dann zu bergen. So ähnlich werde das auch in Fukushima gehen, heißt es. Allerdings weiß man nichts über den Zustand der geschmolzenen Reaktorkerne.
Die Regierung will voraussichtlich noch in dieser Woche über die Finanzierung der Aufräumarbeiten beraten. Indirekt wurde angedeutet, dass die schwarzen Müllsäcke wegmüssen. Denn mit dieser Art der Dekontamination wurden die Strahlenwerte geringfügig und oft nur vorübergehend reduziert. Daher heißt es wohl zurück an den Start und alles neu und besser machen.