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Containerschiffe im Suezkanal: Beim Testlauf am 25. Juli ging alles glatt © Bild: REUTERS/STRINGER
Ägypten
04.08.2015

Der neue Suezkanal soll die Wirtschaft ankurbeln

Mehr Schiffe, mehr Geld – die Einnahmen des Staates sollen sich mehr als verdoppeln.

Ägyptens Geschenk an die Welt" – so wird die Erweiterung des Suezkanals, einer der wichtigsten Wasserstraßen der Erde, offiziell angepriesen. Uneigennützig ist das milliardenschwere Bauprojekt aber freilich nicht: Das wirtschaftlich auf dem Boden liegende Ägypten hofft auf massive Einnahmen durch den zweiten Kanal. Die staatliche PR-Maschinerie hat das Projekt zum Aufschwungssymbol für ein Land gemacht, dessen Ökonomie seit Jahren leidet. Am Donnerstag findet die feierliche Eröffnung Präsident Abdel Fattah al-Sisi statt, rund 5000 Gäste werden erwartet.

Der 193 Kilometer lange Suezkanal kann bisher überwiegend nur in einer Richtung befahren werden. Er hat längst seine Kapazitätsgrenzen erreicht, obwohl er immer wieder ausgebaut wurde, um auch größeren Schiffen die Passage zu ermöglichen. Seit 2010 ist der Kanal, der vor allem für den Handel zwischen Europa und Asien von enormer Bedeutung ist, 24 Meter tief.

Parallelstrecke

Nun wurde in nur einjährigen Bauarbeiten eine Parallelstrecke von 34 Kilometer Länge errichtet. Auch wurde die Breite des Kanals (sie schwankt über die ganze Länge zwischen 200 und 350 Meter) auf einer Strecke von 37 Kilometern verdoppelt. Dadurch soll die Kapazität von heute durchschnittlich 49 auf 97 Schiffe täglich steigen. Mit den hohen Gebühren für die Schifffahrtsrinne zwischen dem Mittelmeer und dem Roten Meer will die Regierung die Einnahmen des Kanals mittelfristig mehr als verdoppeln: Bis 2023 soll auch der Jahresertrag von gegenwärtig 5,3 Milliarden US-Dollar (4,4 Mrd. Euro) auf 13,2 Milliarden US-Dollar (11,8 Mrd. Euro) steigen.

Experten bezweifeln, dass die Rechnung aufgeht: Es sei nicht sicher, dass mehr Schiffe kommen, meint Stephan Roll, Experte für ägyptische Wirtschaftspolitik bei der deutschen Stiftung Wissenschaft und Politik. Erst im Juni waren die Einnahmen gesunken. Zudem seien zwar viele, aber zeitlich begrenzte Arbeitsplätze geschaffen worden.

Ralf Nagel vom Verband Deutscher Reeder ist für den Ausbau: "Täglich durchfahren mehrere deutsche Handelsschiffe den Kanal", sagt er. "Bisher mussten sie bis zu einem halben Tag warten, um im Konvoi zu fahren. Nun entfallen die Wartezeiten."