James "Whitey" Bulger lieferte die Vorlage für den Hollywood-Film "Departed".
Neunzehn Morde, Geldwäsche und Waffenhandel: Die Liste der Anklagepunkte gegen James "Whitey" Bulger ist lang. Er ist einer der berüchtigsten Gangsterbosse der USA - nicht umsonst lieferte seine Lebensgeschichte die Vorlage für den Oscar-gekrönten Gangsterfilm "Departed - Unter Feinden" von Regisseur Martin Scorsese. Darin erinnert die von Jack Nicholson gespielte Figur des irischen Mafiachefs Frank Costello an den Bostoner Gangster.
Ab Dienstag steht der inzwischen 83-Jährige vor Gericht. Bis dahin war es ein langer Weg: Der Prozess war zwei Mal verschoben worden. Bulger war 16 Jahre lang auf der Flucht und auf der Liste der zehn meistgesuchten Verbrecher des FBI. Im Juni 2011 wurde er gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Catherine Greig in Kalifornien festgenommen. Die frühere isländische Schönheitskönigin Anna Bjornsdottir soll einem Medienbericht zufolge den entscheidenden Tipp für die Ergreifung Bulgers gegeben haben. LautBoston Globe hat die 57 Jahre alte Designerin und Yoga-Lehrerin, die 1974 zur Miss Island gewählt worden war, später mit einem Rockstar nach Kalifornien zog und in B-Movies mitspielte, den damals 81-Jährigen erkannt und die Polizei alarmiert. Dafür strich sie laut Zeitung die zwei Millionen Dollar Belohnung ein.
Deal mit den Behörden?
Bulger soll in den 70er und 80er Jahren eine Verbrecherbande angeführt haben und für Morde, Erpressung, Geldwäsche und Drogenhandel verantwortlich sein. Während seiner Flucht bediente er sich laut FBI einer Reihe falscher Identitäten.
Angeblich erhielt er dabei lange Hilfe von den Behörden. Dies werde Bulger auch in seinem Prozess aussagen, sagte sein Anwalt J.W. Carney. Sein Mandant werde schildern, wie es möglich war, dass er erst in den 90er Jahren angeklagt wurde, obwohl er 30 Jahre lang Verbrechen beging. Bulger will auf "Nicht schuldig" plädieren und und fordert, das Verfahren gegen ihn einzustellen, weil er vom US-Justizministerium Immunität erhalten habe.
Bulgers Freundin Catherine Greig wurde bereits zu acht Jahren Haft verurteilt, weil sie ihn deckte.