Chronik/Welt

US-Millionär nach vier Jahren Flucht festgenommen

Oktober 2012: Die Leiche von Quee Choo, Frau des US-Millionärs Peter Chadwick, wird in einem Mülleimer in der Nähe einer Tankstelle des US-Stadt San Diego gefunden. Ihr Ehemann hatte davor bei der Polizei telefonisch einen Hilferuf abgesetzt: Er und seine Frau seien von zwei Männern gekidnappt worden. Er hätte sich befreien können, seine Frau aber, so fürchte er, sei tot.

Die Polizei nimmt Ermittlungen auf, untersucht das Anwesen der Familie und findet Indizien für Handgreiflichkeiten: In der Badewanne finden die Ermittler Spuren von Chadwicks Blut und dem seiner Frau. Die Geschichte, Chadwick sei entführt worden, glauben ihm die Polizisten nicht mehr.

Chadwick widerruft seine Aussage und präsentiert den Polizeibeamten eine neue Version: Er sei von einem mexikanischen Handwerker mit dem Messer bedroht und zur Tat gezwungen worden. Der Mann habe ihn dann auch noch gezwungen, nach Mexiko zu fahren, um die Leiche der dreifachen Mutter zu entsorgen.

Doch auch diese Version glauben ihm die Ermittler nicht: So finden sie Kratzspuren an Chadwicks Hals und getrocknetes Blut unter seinen Fingernägeln. Chadwick gesteht, beide Versionen frei erfunden zu haben; er führt die Polizisten zu jenem Müllcontainer nahe San Diego, in dem er die Leiche versteckt hatte. Den Mord? Den habe er nicht begangen. Die Polizei geht davon aus, dass der Millionär seine Frau im Streit um die finanziellen Folgen einer Scheidung erwürgte.

Gegen eine Million Dollar Kaution wird Chadwick, der sein Vermögen mit Immobilien gemacht hat, auf freien Fuß gesetzt. Seinen britischen und seinen amerikanischen Pass gibt er ab.

Das soll ihn nicht daran hindern, 2015 unterzutauchen. Als er nicht zu einer Verhörung erscheint, wird den Beamten schnell klar, dass Chadwick getürmt ist. Die Polizisten untersuchen seine Villa in Newport Beach erneut und finden Ratgeber, wie man untertaucht, Bücher, wie man seine Identität wechselt und auf der Flucht überlebt. Seine Kreditkarten belastet der Millionär bis aufs Limit, Konten räumt er leer. Nach Angaben der Ermittler versucht Chadwick die Polizei noch auf eine falsche Fährte zu locken, indem er Hinweise daraf hinterlässt, dass er sich nach Kanada abgesetzt haben könnte.

Von Chadwick fehlt jahrelang jede Spur – die Polizei verzweifelt, lobt 100.000 Belohnung aus und sucht Hilfe in der Bevölkerung. Im Herbst 2018 bittet sie in einem Podcast um Hinweise. Und die trudeln nach Ausstrahlung der Sendung auch ein: Chadwick, bereits auf der Liste der 15 meistgesuchten Verbrecher der USA, könnte sich in Mexiko aufhalten. In der Tat: Nach mehr als vier Jahren auf der Flucht wird der 55-Jährige nahe Mexiko-Stadt festgenommen.

In einer Pressekonferenz erklärt Jon Lewis, Polizeichef von Newport Beach, dass Chadwick viel gereist sei, maximal ein paar Wochen am selben Ort blieb. Anfangs sei er noch in Luxushotels abgestiegen, später tun es auch Motels. Mit Gelegenheitsjobs hält er sich über Wasser.

"Am Ende war es aber gute alte Polizeiarbeit, die zu seiner Ergreifung geführt hat", sagt LewisChadwick wird in weiterer Folge in die USA augeliefert. Im Falle einer Verurteilung droht ihm nun lebenslange Haft.