Wenn Helfer zu Helden werden

Sie schufteten bis zur Erschöpfung. Und ihr Einsatz rettete ganze Landstriche vor der Überflutung.
Feuerwehrleute und Soldaten errichten einen Schutzwall aus Sandsäcken.

Sie bitten ihre Chefs um unbezahlten Urlaub, verabschieden sich von den Familien und kontaktieren umgehend ihre Kommandanten. Schnell sammelt man mit dem Pkw noch Kameraden aus der Nachbarschaft ein, und ab geht‘s in den Einsatz. Ein Marschbefehl ist nicht notwendig, denn die Helfer wissen, dass Menschen, darunter oft auch Freunde und Verwandte, in Gefahr sind, vielleicht sogar in Lebensgefahr. Jede Sekunde zählt, jedes Paar Hände wird gebraucht. Ehrensache.Diese hilfsbereiten, engagierten Frauen und Männer der Freiwilligen Feuerwehren und der diversen Rettungsdienste bewahrten große Teile Österreichs – unterstützt von Polizei und Heer – vergangenen Woche vor einer noch größeren Katastrophe. Schlimm genug, was die Flut angerichtet hat, aber ohne der Entschlossenheit der Freiwilligen wäre das Schadensausmaß um ein Vielfaches höher gewesen.

„Die Leute haben bis zur Erschöpfung geschuftet. 17, 18 Stunden am Stück. Und das über Tage. Höchsten Respekt und riesigen Dank“, lässt der Leiter des Referates Zivil- und Katastrophenschutz im Innenministerium, Siegfried Jachs, ausrichten.

Ein Mann schaufelt im knietiefen Wasser mit einer Schaufel Schlamm.

HOCHWASSER IN ÖSTERREICH: NIEDERÖSTERREICH / EMMER
Helfer räumen Trümmer vor dem „Ristorante Garibaldi“ nach einer Überschwemmung weg.

Austrian soldiers remove debris from a restaurant
Nach einer Überschwemmung räumen Menschen eine Straße in einer Stadt auf.

Resident cleans mud from footpath in front of her
Eine alte Straßenlaterne mit einer Flüssigkeit gefüllt, im Hintergrund ein Gebäude und eine Statue.

Overturned street lamp is partially filled with wa
Ein beschädigtes Grab auf einem Friedhof.

Graves damaged by floods are pictured at the cemet
Das „Hotel Stadt Melk“ und umliegende Gebäude sind von Hochwasser betroffen.

Melk Hochwasser…
Hochwasser in Melk, Österreich, mit dem Stift Melk im Hintergrund.

Melk Hochwasser…
Ein überflutetes Lagerhaus mit einem kleinen Boot und mehreren Personen darin.

HOCHWASSER IN ÖSTERREICH: NIEDERÖSTERREICH / MELK
Nach einem Hochwasser räumen Menschen und Bagger eine Straße frei.

HOCHWASSER IN ÖSTERREICH: OBERÖSTERREICH
Mehrere Personen stehen im Hochwasser vor einem Haus.

HOCHWASSER IN ÖSTERREICH: OBERÖSTERREICH
Ein Mann räumt nach einer Überschwemmung Habseligkeiten vor einem Wohnhaus auf.

HOCHWASSER IN ÖSTERREICH: OBERÖSTERREICH
Luftaufnahme einer Überschwemmung, die ein Dorf und ein Schloss betrifft.

HOCHWASSER IN ÖSTERREICH: OBERÖSTERREICH
Ein Bagger schüttet Schotter unter einer Eisenbahnbrücke ab, während Feuerwehrleute die Arbeiten überwachen.

Hochwasser, 2013, Hainburg, Donau; honorarfrei…
Ein Lastwagen kippt eine Ladung Schotter unter einer Brücke ab.

Hochwasser, 2013, Hainburg, Donau; honorarfrei…
Blick auf Bratislava und die Donau von einem Felsen aus.

Hochwasser, 2013, Hainburg, Donau; honorarfrei…
Luftaufnahme von einem Wohngebiet, das von Überschwemmungen betroffen ist.

HOCHWASSER IN ÖSTERREICH: NIEDERÖSTERREICH / KRITZ
Ein Feuerwehrmann sitzt auf Sandsäcken entlang eines Flusses.

HOCHWASSER IN ÖSTERREICH: THEISS
Ein Mann steht neben einer schmutzigen Schubkarre vor einem beschädigten Zaun und einem LKW.

HOCHWASSER IN ÖSTERREICH: SALZBURG / TAXENBACH
Ein reißender Fluss hat schwere Schäden an Gebäuden und Infrastruktur verursacht.

AUFRÄUMUNGSARBEITEN NACH DEM HOCHWASSER IN ÖSTERRE
Ein Bagger räumt Schutt vor einem beschädigten Haus nach einer Naturkatastrophe weg.

AUFRÄUMUNGSARBEITEN NACH DEM HOCHWASSER IN ÖSTERRE
Nach einer Überschwemmung fährt eine Frau mit dem Fahrrad an beschädigten Gegenständen vorbei.

A boy rides his bike on a mud covered street in th
Ein großes Loch ist in eine asphaltierte Straße gerissen, ein Bauarbeiter steht daneben.

A tractor removes damaged furniture in the western
Zwei Männer räumen vor einem Gebäude mit Sandsäcken auf.

Donau Hochwasser Krems-Stein, Einräumen der Geschä…
Zwei Personen arbeiten in einer Küche mit Gläsern und einer Zapfanlage.

Donau Hochwasser Krems-Stein, Einräumen der Geschä…
Eine Frau wischt die Fliesenwand in einer Küche mit Speisekarte.

Donau Hochwasser Krems-Stein, Einräumen der Geschä…
Ein Mann mäht den Rasen neben einem Hochwasserschutzwall mit Sandsäcken.

A resident mows the lawn in village of Stein-Krems
Ein Mann und eine Frau wählen Äpfel in einem Supermarkt aus.

Donau Hochwasser Krems-Stein, Einräumen der Geschä…
Zwei Personen hantieren mit gelben Bauplatten vor einem Gebäude.

Donau Hochwasser Krems-Stein, Einräumen der Geschä…
Ein Helfer in orangefarbener Schutzkleidung wirft einen Sandsack ins Hochwasser.

HOCHWASSER IN ÖSTERREICH: NIEDERÖSTERREICH / SARLI
Ein Mann telefoniert vor einem überfluteten Wohngebiet.

HOCHWASSER IN ÖSTERREICH: NIEDERÖSTERREICH / MARBA
Hochwasser hat Trümmer und Schutt zwischen Gebäuden gespült.

HOCHWASSER IN ÖSTERREICH: NIEDERÖSTERREICH / MARBA
Ein Wasserwerfer sprüht Wasser in einen Fluss vor einer Stadtkulisse.

HOCHWASSER IN ÖSTERREICH: NIEDERÖSTERREICH
Zwei Arbeiter bedienen eine Pumpe inmitten von Schlamm.

HOCHWASSER IN ÖSTERREICH: NIEDERÖSTERREICH
Helfer arbeiten nach einem Erdrutsch im schlammigen Gelände.

HOCHWASSER IN ÖSTERREICH: NIEDERÖSTERREICH
Zwei Personen fahren mit einem Boot durch eine überflutete Landschaft voller Trümmer.

Ebensee, Hochwasser, Aufräumarbeiten…
Ein Mann schiebt eine Schubkarre voller Schlamm durch eine schlammige Fläche.

HOCHWASSER IN ÖSTERREICH: OBERÖSTERREICH
Eine Gruppe von Personen in Uniform schaufelt Schlamm mit Spaten und Schaufeln.

HOCHWASSER IN ÖSTERREICH: OBERÖSTERREICH

Laut Innenressort stemmten sich über 60.000 freiwillige Helfer gegen das Rekord-Hochwasser. Die Hauptlast mit über 50.000 Mann und etwa 750.000 Einsatzstunden schulterten dabei Österreichs Freiwillige Feuerwehren. Viele von ihnen schützten Häuser in Nachbarorten, während das Wasser ihre eigenen Keller flutete.

Robert Stocker, Chef des 2006 eingerichteten Einsatz- und Krisenkoordinationscenters (EKC) bringt die Situation auf den Punkt: „Ohne diese vielen Hände hätten die Dämme nicht gehalten.“ Österreichs Zivilschutz ankert bereits in der Monarchie. Galt es doch die hart erkämpfte Vereins- und Versammlungsfreiheit zu festigen. Also gründeten die Pioniere die ersten Freiwilligen Feuerwehren. Damals wie heute wurde bei den Festen heftig politisiert. Die Nationalsozialisten lösten diese Tradition auf. Als es galt das Trümmerfeld des Zweiten Weltkriegs zu beseitigen, erlebte die Institution eine Auferstehung. Heute helfen in 2250 Gemeinden 4500 Freiwillige Feuerwehren mit 250.000 aktiven Mitgliedern. Nicht nur bei Großschaden-Ereignissen das Rückgrat des heimischen Zivilschutzes.

„Diese gewachsene Struktur hilft im Ernstfall enorm. Denn man muss mit den Geräten auch umgehen können. Die Feuerwehren vermitteln ihren Leuten extrem viel technisches Wissen. Und in den Einheiten wird eine Hierarchie akzeptiert. Somit weiß jeder was zu tun ist. Wir dürfen uns weltweit bei den Freiwilligen Helfern zur Spitze zählen“, bestätigt Krisenmanager Stocker.

Gipfel für Helfer

Damit das auch so bleibt, ruft Innenministerin Johanna Mikl-Leitner Dienstag zum Ländergipfel. Arbeitgeber sollen während des Einsatzes den Helfern weiter Gehalt bezahlen. Dieses Geld wird aus dem Budget refundiert.

Das Hochwasser im Zeitraffer

Einen kurzfristigen Personal-Engpass hatten die Wiener Linien dieser Tage zu bewältigen: Rund hundert Mitarbeiter mit Wohnorten in Niederösterreich sind Mitglieder in freiwilligen nö. Feuerwehren und hatten um Dienstfreistellung angesucht, damit sie gegen das Hochwasser ankämpfen können – für einige Tage war das Füllen von Sandsäcken und Auspumpen von Kellern dringlicher, als das Lenken von U-Bahnen und Bussen.

Das war bei früheren Großeinsätzen kein Problem: Wie auch andere Betriebe im Einflussbereich der Stadt Wien hatten die Wiener Linien in Katastrophenfällen bisher großzügig Dienstfreistellungen für Feuerwehr-Mitglieder erteilt.

„Keine Freistellungen“

Diesmal war alles anders: „Derartige Einsätze sind auf Urlaubsbasis möglich, automatische Freistellungen gibt es keine“, sagt Freitagfrüh Answer Lang, Sprecher der Wiener Linien. Wer helfen will, darf das also, muss sich dafür aber Urlaub nehmen.

Als Begründung für den Paradigmenwechsel nannte Lang schlechte Erfahrungen, die man beim Hochwasser 2002 gemacht habe: „Damals hatten sich so viele Mitarbeiter freigenommen, dass wir Probleme hatten, den Betrieb aufrecht zu erhalten.“

Zudem gebe es auch in Wien leichtes Hochwasser. Dies sei zwar für die Wiener Linien kein großes Problem, erfordere aber erhöhten Personaleinsatz, sagt Lang: „Obwohl wir die Dringlichkeit kennen, können wir diesmal keine Freistellungen gewähren. Priorität hat die Aufrechterhaltung des Betriebs in Wien.“

Eine Frau mit Brille und dunklem Haar spricht vor einem Hintergrund mit der Aufschrift „OER“.
Brauner
Diese Entscheidung dürften die Wiener Linien gefällt haben, ohne zuvor Vertreter ihres Eigentümers, der Stadt Wien, zu kontaktieren. Entsprechend überrascht war man im Rathaus, als der KURIER im Büro der für Öffis zuständigen Stadträtin Renate Brauner nachfragte.

Weisung

Eine Stunde später war alles anders: „Wir erkennen die betrieblichen Notwendigkeiten der Wiener Linien an. Trotzdem hat die Stadträtin soeben mit Wiener-Linien-Geschäftsführerin Alexandra Reinagl telefoniert und verfügt, eine Lösung für jene Kollegen zu finden, die im Hochwasser-Einsatz stehen“, sagt Brauners Sprecher Ferdinand Pay.

Kurz darauf hatten die Wiener Linien einen Kompromiss parat, „weil es unserem Eigentümer, der Stadt Wien, wichtig ist, eine Lösung zu finden“, erklärte Answer Lang. Mitarbeiter, die im Katastrophen-Einsatz stehen, werden dafür einen Tag dienstfrei gestellt.

Vorbildlich

Dass es anders geht, beweisen viele Firmen. Sie gewähren ihren Mitarbeitern auch ohne Druck von außen großzügige Freistellungen für Hochwasser-Einsätze: Bei der Asfinag etwa – bei der sich viele Mitarbeiter bei der Feuerwehr engagieren – ist es in derartigen Fällen üblich, Mitarbeitern zwei Tage Sonderurlaub zu gewähren. „Im aktuellen Fall haben wir das für jeden, der freiwillig im Hilfseinsatz tätig war, auf vier Tage erhöht. Schließlich geht es um eine gute Sache“, sagt Asfinag-Sprecherin Alexandra Vucsina-Valla.

Ein Mann mit Brille und Anzug blickt in die Kamera.
Bezahlte Freizeit für jene, die selbst durch das Hochwasser Schaden erlitten haben und jene, die bei Einsatzorganisationen gegen die Fluten ankämpfen, gewährt der Amstettener Umdasch-Konzern seinen 2000 Mitarbeitern. Vergangenen Dienstag, als das dramatische Ausmaß der Flut absehbar wurde, gab Vorstandschef Andreas Ludwig seinen Mitarbeitern grünes Licht. Armin Blutsch, Vizepräsident des Österreichischen Feuerwehrverbandes, nennt das Verhalten des Umdasch-Konzerns als beispielhaft.
Ein Mann mit Brille, Bart und rotem Sakko vor einem hellen Hintergrund.
Chef Weißenkirchen
Dass zwei seiner Lastwagenfahrer mit den Schwerfahrzeugen seiner Firma in Weißenkirchen in der Wachau beim Aufbau des Hochwasserschutzes mitgeholfen haben, ist für Baumeister Franz Schütz selbstverständlich. „Da ist so üblich. Da schauen wir nicht auf die Arbeitsstunden. Wir haben ja das eigene Büro auch ausräumen müssen. Alle helfen zusammen.“
Porträt eines Mannes mit langen, grauen Haaren und einem olivgrünen Hemd.
Gerald Resel, Firmenchef
„In Zeiten wie diesen müssen wir zusammenhalten. Für mich ist das selbstverständlich“, schildert Gerald Resel aus Hainburg. Der selbstständige Brandschutztechniker zögerte keine Sekunde, als einer seiner drei Mitarbeiter um Freistellung ansuchte. „Er ist seit Montag im Feuerwehreinsatz, um Hainburg vor dem Hochwasser zu schützen. Ich bin sehr froh, dass die Freiwilligen mit soviel Engagement gegen die Wassermassen ankämpfen. Da darf man ihnen doch keine Steine in den Weg legen“, sagt Resel.

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