Chronik/Österreich

Tierisch heiß: Wie sich Büffel, Affe und Co. abkühlen

Otto müsste man sein. Montagmittag brennt die Sonne vom Himmel, es hat 35 Grad. Doch Otto darf in Ruhe im Schatten liegen. Dann erhält er zur Abkühlung eine Dusche mit dem Gartenschlauch: Genüßlich hält er den Kopf in den kühlen Strahl, schließt die Augen, trinkt zwischendurch ein paar Schluck Wasser.

Otto ist ein Wasserbüffel im Wiener Tiergarten Schönbrunn. "Derzeit suchen die Tiere so oft wie möglich Abkühlung im Wasser", erzählt Tierpfleger Sascha Kirchmayer. Die Tiere suhlen sich im Schlammbad - das kühlt nicht nur, der Schlamm schützt die Tiere auch vor Parasiten. Sie liegen im Wasserbecken im Gehege oder freuen sich, wenn Kirchmayer den Gartenschlauch zückt. "Wobei das nicht jeder Wasserbüffel mag", präzisiert der Tierpfleger. "Unser Ochse Otto und die beiden jungen Stiere Joschi und Viktor lieben diese Duschen. Manche irritiert der Wasserstrahl auch."

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Wasserbüffel stammen ursprünglich aus Asien, sind mittlerweile aber auch in Europa beliebte Nutztiere. In Italien werden sie etwa gehalten, um den als Delikatesse geltenden Büffelmozarella zu erzeugen. In Osteuropa, etwa in Bulgarien und Rumänien, sind sie oft noch als Zugtiere im Einsatz. "Da haben sie hier bei uns mit den Duschen ein richtiges Wellness-Programm", scherzt Kirchmayer.

Die Hitze belastet freilich auch die genügsamen Arbeitstiere, dieser Tage heißt es haushalten mit den Kräften. "Sie liegen fast den ganze Tag im Wasserbecken und kommen oft nur zum Fressen raus", beschreibt Tierpfleger Kirchmayer. Ähnlich wie Menschen haben übrigens auch die Tiere bei Hitze weniger Appetit - auch die Wasserbüffel fressen derzeit deutlich weniger Heu und Stroh.

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Ein paar Gehege weiter wohnt die Orang-Utan-Dame Sol. Wiewohl das spanische Wort "Sol" übersetzt "Sonne" heißt, sucht das Orang-Utan-Weibchen dieser Tage lieber Schatten und Abkühlung. Und dabei hilft ihr ein neues Spielzeug: Seit Donnerstag vergangener Woche gibt es in ihrem Gehege einen Schlauch, aus dessen Löchern Wasser sprüht. Kaum aufgedreht, macht sich Sol schon am Schlauch zu schaffen, duscht sich und trinkt das Wasser.

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"Die Art Orang-Utans, die wir hier in Schönbrunn haben, leben normalerweise im Regenwald in Borneo", erklärt Tierpflegerin Sandra Keiblinger. Dort haben sie in der Regel keine direkte Sonneneinstrahlung, sondern dank der Blätter Schatten. "Daher meiden sie auch hier die pralle Sonne. Wenn sie im Gehege unterwegs sind, wickeln sie sich meist in Decken", erzählt die Tierpflegerin. Und prompt verliert die Orang-Utan-Dame das Interesse am löchrigen Wasserschlauch, schnappt sich ein großes, grünes Stofftuch und wickelt sich zum Gaudium der Zuseher in dieses ein, bevor sie auf dem großen Klettergerüst im Gehege herumturnt.

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Auch die Orang-Utans fressen bei der Hitze weniger. Auf dem Speiseplan stehen unter anderem Salat, Spinat, Paprika, Gurken und sogar Laub. Und im Sommer gibt's sogar Eis: "Wir frieren Schlauchstücke, die mit pürierten Äpfeln gefüllt sind, ein", beschreibt Keiblinger. Die bekommen Sol und ihre Gehege-Genossen dann zum Naschen.

Ruhen im Schatten, wenig Schnattern

Ein Rundgang im Tiergarten Schönbrunn zeigt, dass sich die meisten Tiere wenig bewegen und im Schatten ruhen. Etwa die Mhorrgazellen, die mit ihren Jungtieren, die erst im Mai geboren wurden, friedlich im Gras liegen. Einzig die Enten im angrenzenden Teich geben sich energiegladen und schnattern laut.

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Auch die Elefanten gehen es gemächlicher an: "Ein Tierpfleger hat mir erzählt, dass Elefanten bei 20 Grad weit aktiver sind, als bei diesen hohen Temperaturen", erzählt Johanna Bukovsky, die Sprecherin des Tiergartens, während des Rundgangs. Vor dem Elefantengehege steht ein kleines Mädchen aus Brasilien mit rosaroter Kopfbedeckung. Mit großen Augen beobachtet sie die riesigen Tiere. "Der eine frisst", ruft sie dann und zeigt auf einen der Dickhäuter. Wenngleich auch der Elefant wenig Appetit verspüren dürfte: Lustlos kaut er kurz auf einem Ast und spuckt ihn wieder aus.

Am oberen Rand des Geheges installiert ein Pfleger derweil eine Art Rasensprenger. Sogleich trottet der Elefant hinüber und stellt sich in den Sprühregen.

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Flusspferd-Dame Arca wiederum genießt ihr Waserbecken: "Seit einem Jahr haben die Flusspferde eine neue Wasserlandschaft. Derzeit sind sie fast den ganzen Tag im Wasser", erzählt Tiergarten-Sprecherin Bukovsky.

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Und auch die Pinguine lassen sich in ihrem Becken treiben, tauchen ab und zu unter, und recken ansonsten nur ihre Köpfchen in die heiße Luft.

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Nur ein einziger der Pinguine scheint sich nicht so recht ins Wasser zu trauen: Trotz der Hitze geht er am Beckenrand auf und ab, nähert sich vorsichtig dem Wasser, setzt fast zu einem Sprung an - nur um in letzer Sekunden dann doch wieder umzudrehen.

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Bei den hohen Temperaturen fragt man sich bei einem Zoobesuch unweigerlich, wie es denn so den Eisbären ergeht. Oben auf der Aussichtsplattform bei der Eisbärenwelt drücken sich mehrere Kinder ans Geländer. "Wo ist der Eisbär?", fragen sie und blicken suchend ins Gehege, das auf den ersten Blick leer wirkt. Kurz darauf zeigt er sich: Ein Eisbär reckt den Kopf aus der Höhle, blickt nach links und rechts - und verschwindet sogleich wieder in seiner schattigen, kühleren Bleibe. "Dem ist zu heiß", sagt einer der Buben enttäuscht.

Vorschau

Ab Dienstag sollte es mit der großen Hitze vorerst vorbei sein. In Ostösterreich sind von Dienstag bis Donnerstag Temperaturen von bis zu 28 Grad prognostiziert, erst Freitag soll es wieder 33 Grad heiß werden. Für Westösterreich sind für Dienstag Temperaturen von 21 bis 29 Grad vorhergesagt. Auch hier wird es ab Freitag wieder so richtig heiß - mit bis zu 32 Grad.

Ob das reicht, um die Eisbären aus ihrer Höhle zu locken, wird sich freilich erst weisen.