Geschlechterstreit in Schule
Ringen um Direktorenposten in Mürzzuschlag/Ministerin gibt Frau den Vorzug.
Dass es in Schulen nicht immer gerecht zugeht, gilt als bekannter Stehsatz. Im Fall des Herta-Reich-Gymnasiums im steirischen Mürzzuschlag ringen zwei Pädagogen, Heimo Hirschmann und Ingrid Köck, um das Direktorenamt. Und jeder fühlt sich in diesem Geschlechterstreit ungerecht behandelt.
Vor drei Jahren wurde Hirschmann als provisorischer Direktor dieser Institution installiert, obwohl sich auch Köck große Chancen auf diesen Posten ausgerechnet hatte. "Der Fachausschuss auf Landesebene sowie das Kollegium des Landesschulrats haben sich für mich ausgesprochen", sagt Hirschmann. "Landesschulinspektor Robert Hinteregger allerdings für mich", entgegnet Köck. Sie sei damit für diesen Posten "gleich qualifiziert", argumentiert sie – und wandte sich an die Gleichbehandlungskommission.
"Falschaussagen"
"Dort wurden Falschaussagen getätigt, dort wurde gelogen. Ich kenne solche Verfahren, in denen nur eine Seite gehört wird, eigentlich bisher nur aus Nordkorea und China", ist Hirschmann empört.
Bildungsministerin Gabriele Heinisch Hosek (SPÖ), die zuerst für Hirschmann plädiert habe, habe plötzlich ihre Meinung geändert.
Die Gleichbehandlungskommission habe den Fall geprüft und sei zum Entschluss gekommen, dass die Frau zum Zug kommen müsse, heißt es aus dem Büro von Heinisch-Hosek. Da es sich im Fall der Direktorenbesetzung um ein laufendes Verfahren handle, wollte sie nicht weiter Stellung beziehen.
Laut Hirschmann habe es an der Schule in der Folge eine Betriebsversammlung gegeben, in der Köck ihre vor der Gleichbehandlungskommission getätigten Aussagen revidiert habe. "Davon weiß ich nichts. Es gibt ja sicher ein Protokoll", entgegnet Köck.
Kurios ist weiters, dass sowohl Hirschmann als auch Köck Lehrer, Eltern und Schüler hinter sich wissen wollen. Das Team Stronach, das zu diesem Thema am Mittwoch sogar eine Pressekonferenz veranstaltete, spricht davon dass das Votum der Eltern 23:1 für Hirschmann ausgegangen sei, das der Schüler 21:3 und jenes der Lehrer 34:23 für den provisorischen Schulleiter. "Das kann ich mir nicht vorstellen. Ich spüre vom Lehrkörper, der Eltern- und Schülerschaft starken Rückhalt", sagt hingegen Köck.
Die Entscheidung in diesem Streit hat nun niemand Geringerer als Bundespräsident Heinz Fischer zu treffen. Dieser habe dem ersten Ersuchen der Ministerin noch nicht zugestimmt, sondern sich zusätzliche Unterlagen kommen lassen, weiß der Team Stronach-Bildungssprecher Robert Lugar.
Er hat einen offenen Brief an die Präsidentschaftskanzlei verschickt, in dem er Fischer ersucht, "die nicht nachvollziehbare und gegen jede Vernunft getroffene Entscheidung der Ministerin" nicht zu unterstützen.
Rechtliche Schritte
Hirschmann überlegt, andernfalls rechtliche Schritte einzuleiten. "Immerhin fußt die Entscheidung auf Falschaussagen vor der Gleichbehandlungskommission und in der Folge auf einem Fehlurteil dieser Institution."