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gilbert novy © Bild: gilbert novy
Prävention
19.05.2013

Video-Fahndung rund um die Uhr

Um Verbrechen zu vermeiden, setzen Polizei und Verkehrsbetriebe auf Tausende Kameras.

Mitte Dezember: Eine junge Frau wird in einem leeren Waggon eines Zuges der Linie U6 sexuell missbraucht. Nicht nur in Wien sorgte dieser Fall für Schlagzeilen.

Nur zwei Tage später wurde der mutmaßliche Täter festgenommen. Möglich war dies mithilfe der Überwachungskamera im Waggon, die das Verbrechen aufgezeichnet hatte. Ein Zeuge erkannte den Mann auf einem Fahndungsbild und informierte die Polizei.

Die Wiener Linien sind für die Exekutive schön längere Zeit ein Partner bei der Verbrechensaufklärung. Im Vorjahr lieferte der Betrieb den Ermittlern 2013 Videos. Wenn es nach Innenministerin Johanna Mikl-Leitner geht, soll auch die Bevölkerung künftig stärker an der Aufklärung von Straftaten beteiligt werden und der Polizei ihre privaten Videos zur Verfügung stellen.

Ein Beispiel für die erfolgreiche Bürgerbeteiligung sei der Anschlag beim Boston-Marathon, wo die mutmaßlichen Täter mithilfe von privaten Videos ausgeforscht wurden. Umgesetzt werden könnte dieses Projekt nach dem Beispiel der USA bereits Ende 2014.

Prävention

In Sachen Videoüberwachung stehe jedoch die Prävention der Verbrechen an erster Stelle, erklärte Mikl-Leitner. „Eine Straftat, die gar nicht passiert, ist die beste“, lautet der Slogan der Polizei. Laut Innenministerium werden bundesweit 18 öffentliche Plätze videoüberwacht. „Allein durch die Ankündigung der Videoüberwachung reduziert sich die Kriminalität“, sagt Manfred Reinthaler von der Wiener Polizei.

22 gesetzlich vorgeschriebene Schilder weisen am Schwedenplatz auf die „Polizeiliche Videoüberwachung“ hin. Als Treffpunkt der Suchtszene war der Hotspot in der Innenstadt früher berühmt berüchtigt. Die Schwerpunktaktionen der Polizei zeigten wenig Wirkung. Vor etwa zehn Jahren wurden auf dem Platz Kameras installiert. „Seitdem ist die Suchtszene im videoüberwachten Bereich praktisch verschwunden. Auch andere Straftaten passieren kaum“, sagt Stadthauptmann Josef Koppensteiner.

In der Bundeshauptstadt betreibt die Exekutive auch am Karlsplatz und im Bereich der Augartenbrücke Videoüberwachung. Weitere Kameras stehen auf dem Stephansplatz. Diese zeichnen bei Anlässen, wie beispielsweise Demonstrationen, auf.

In der Landespolizeidirektion wird das Geschehen auf den Monitoren beobachtet. „Sollte etwas passieren, schicken wir gleich einen Streifenwagen“, sagt Reinthaler.

U-Bahn-Überwachung

Das Geschehen in den U-Bahn-Stationen wird nicht von der Polizei, sondern im Zimmer der Stationswarte von den Wiener Linien beobachtet. Auf den Bahnsteigen und bei den Rolltreppen sind Kameras installiert – insgesamt 1500 in 101 U-Bahn-Station. „Im Notfall kann der Zug per Notbremse-Knopf zum Stehen gebracht werden“, erklärt Anna Maria Reich von den Wiener Linien. Dieser Knopf rettete Anfang Jänner einer Frau, die auf die Gleise gestoßen wurde, das Leben. Rund drei Viertel aller U-Bahn-Züge sind videoüberwacht. 2013 investieren die Wiener Linien 1,2 Millionen in den Ausbau des Überwachungssystems. Dabei werden auch Straßenbahnen und Busse verstärkt ausgestattet.

Auch bei den ÖBB ist die Videoüberwachung ein wichtiger Teil des Sicherheitskonzepts. Insgesamt 3500 Kameras sind auf großen Bahnhöfen installiert. Jeder moderne S-Bahnzug ist mit Kameras ausgestattet.

Ob Polizei oder Öffi-Betriebe: Alle Video-Aufzeichnungen werden nach 48 Stunden gelöscht. So gibt es das Gesetz vor. „Deswegen gleich zur Polizei gehen, wenn etwas passiert“, appelliert Reich.

Fakten

2,5 Millionen Menschen werden täglich von den Wiener Linien befördert.

160 Mitarbeiter sind als U-Bahn-Aufsicht oder Stationswart täglich im Einsatz.

In rund 40 Stationen befindet sich ein Stationswart stets vor Ort.

Mehr als 5000 Über­wachungs­kameras haben die Wiener Linien bereits installiert.

"Hot-Spot-Kameras"

  • Shopping City Süd
  • Villach: Lederergasse
  • Klagenfurt: Pfarrplatz
  • Flughafen Wien Schwechat
  • Wiener Neustadt
  • Linz: Altstadt, Hirsenkamp
  • Ried im Innkreis
  • Graz: Jakominiplatz, Hauptbahnhof
  • Salzburg: Südtirolerplatz, Rudolfskai
  • Innsbruck: Rapol
  • Wien: Karlsplatz, Schwedenplatz und Schottenring
  • Reutte in Tirol
  • St. Pölten: temporär im Rahmen des Stadtfestes