Chronik/Österreich

Operation Joker: 600 illegale Glücksspielautomaten sichergestellt

Beim "größten Schlag gegen illegales Glücksspiel" sind am Mittwoch bei der "Operation Joker" in einer Halle in Niederösterreich 600 Automaten sichergestellt worden. 320 Beamte führten in mehreren Bundesländern Hausdurchsuchungen durch. In Österreich wurden fünf Personen festgenommen, ein Mann in Ungarn. Die Behörden beschlagnahmten Geld, Gold- und Silberbarren im Wert von 382.000 Euro.

"Mafiöse Organisation"

Die Geräte in der Halle im Bezirk Mödling dienten quasi als Nachschublager für illegales Glücksspiel in Hinterzimmern. Immer wieder kam es vor, dass nach Beschlagnahmungen binnen 24 Stunden neue Automaten aufgestellt wurden. Gefasst wurde am Mittwoch auch der Kopf der laut Behörden "mafiösen Organisation".

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1,6 Millionen Euro hinterzogen

Laut jetzigem Stand der Ermittlungen wurde durch diese "mafiöse Struktur" in der Vergangenheit 1,6 Millionen Euro an Glücksspielabgaben hinterzogen. Die Hausdurchsuchungen fanden in Niederösterreich, Wien, der Steiermark, Salzburg, dem Burgenland und Ungarn statt.

Dabei beschlagnahmten die Behörden 254.000 Euro Bargeld, dazu kamen Gold- und Silberbarren im Wert von 128.000 Euro.

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140 Cobra- und Wega-Beamte im Einsatz

Rund 180 Beamte der Finanzverwaltung waren im Einsatz, unterstützt durch 140 Cobra- und Wega-Beamte sowie Ermittler des Bundeskriminalamtes. Die Behörden ließen am Mittwoch außerdem 30 Konten in Österreich und 13 weitere in Ungarn öffnen.

"Ich danke allen Beteiligten für ihren Einsatz und gratuliere ihnen zu ihrer herausragenden Arbeit. Dank der exzellenten Kooperation ist das der bisher größte Schlag gegen das organisierte illegale Glücksspiel in Österreich", sagte Vizekanzler und Finanzminister Hartwig Löger (ÖVP).

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Festgenommen wurden auch elf Beitragstäter wegen des begründeten Verdachtes auf schweren Steuerbetrug.

Täter erinnern an Al Capone

„Die Tätergruppierung weist zweifelsfrei alle Merkmale von organisierter Kriminalität auf und erinnert an die Machenschaften von Al Capone in den 1920er Jahren. Nur durch die ausgezeichnete Zusammenarbeit der Justiz, dem Finanzministerium und dem Innenministerium konnte dieser großartige Erfolg erzielt werden“, sagt Dieter Csefan, Leiter des Büros zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität im Bundeskriminalamt.

Arbeitsgruppe im Kampf gegen illegales Glücksspiel

Seit Juni 2018 gibt es eine eigene Arbeitsgruppe (AG), die zur Bekämpfung der kriminellen Auswirkungen des illegalen Glückspiels im Bundeskriminalamt eingerichtet worden ist. Aufgabe ist es, die Strukturen organisierter Kriminalität aufzudecken und zu zerschlagen. Die AG fand heraus, dass österreichweit mehrere Gruppierungen illegales Glücksspiel betreiben, wobei sich deren Vorgehensweisen stark ähneln.

Scheinfirmen mieten Lokale

In der Regel werden Lokalitäten angemietet, die an ausländischen Scheinfirmen untervermietet werden. Es folgt eine bauliche Adaptierung der Lokale und eine Ausstattung mit Glückspielautomaten, die zumeist von weiteren ausländischen Scheinfirmen betrieben werden.

Die Gewinne der Automaten werden gesammelt und großteils ins Ausland verbracht, wo sie über Konten von Scheinfirmen als Rechnungs-, Gehalts- oder Mietzahlungen wieder zurück in die Firmenkonten der Täter-Gruppierung fließen.

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Die Geschäfte der "Wiener Gruppe"

Alle Fäden dieses illegalen Glücksspielringes dürften bei der soganannten „Wiener Gruppe“ zusammengeflossen sein. Dabei handelt es sich um ein Netzwerk rund um einen Hauptverdächtigen, der auch einen Clan an Familienmitgliedern in seine illegalen Geschäfte eingebunden hat.

Die Ermittler vermuten, dass mindestens zwei Mal monatlich Summen zwischen 40.000 und 100.000 Euro in bar illegal ins Ausland gebracht und auf dortigen Konten von Scheinfirmen einbezahlt wurden.