freizeit.at kurier.at events.at motor.at futurezone.at film.at k.at kurier.tv profil.at lust-auf-oesterreich.at phase6 Lernhaus BAZAR IMMMO Partnersuche Spiele
© Bild: KURIER/Schraml
Chronik/Österreich
05.12.2011

Öffentliche Bildung geht im Kindergarten los

Bildungsfehler der ersten Jahre können später kaum mehr aufgeholt werden.

Arnold Schwarzenegger lässt sich in seiner Heimat als Held feiern. Soll sein. Es war ein weiter Weg von Thal bei Graz nach Hollywood. Wer aber wirklichen Heldinnen bei der Arbeit zuschauen will, soll in einen Kindergarten gehen. Kleine Menschen finden sich dort in oft zu großen Gruppen zusammen, aufmerksam betreut von Pädagoginnen, um die sich niemand kümmert. Und Heldinnen sind jene Frauen, die mit 20 Kleinkindern eine stark befahrene Straße überqueren. Weil sie mit den Kleinen einen Ausflug machen, ihnen etwas bieten wollen. Es sind ja fast nur Frauen, die sich um die Betreuung und Förderung unserer Kleinsten kümmern. Um dieses Gehalt geht kaum ein Mann arbeiten.

Der KURIER hat seinen Bildungsschwerpunkt mit Erklärungen begonnen, wie die Kleinsten lernen. Spielend, neugierig und mit Begeisterung. Aber dass sich um die Pädagoginnen, ihre Ausbildung, ihren Einsatz und ihre Interessen niemand kümmert, ist ein ganz großer unter den vielen Bildungsskandalen dieses Landes.

Bürokratie gegen Hausverstand

Immerhin hat Österreich inzwischen eine Universitätsprofessorin für Elementarpädagogik. Hinter dem komplizierten Titel verbirgt sich eine Frau, die sich mit den Bedürfnissen der Kleinsten und der Ausbildung von Kindergärtnerinnen beschäftigt. Frau Professor Cornelia Wustmann sagt: "Im Kleinkindalter entstehen die Grundlagen für alle weiteren Bildungsprozesse." Alles klar? Theoretisch schon. Aber wenn es um die Umsetzung in die Praxis geht, steht man vor vielen Hürden, die man ja in diesem Land zur Genüge kennt. Bund gegen Länder, Bildungsministerium gegen Wissenschaftsministerium, Bürokratie gegen Hausverstand.

Das führt dazu, dass in unseren Kindergärten rund 50 Prozent des Personals Hilfskräfte sind, dass in Österreich - einzigartig - solche Pädagogen keine Universität besuchen und dass natürlich kein Geld da ist, um diese verantwortungsvolle Tätigkeit angemessen zu bezahlen. Das führt dazu, dass die Absolvent(inn)en nach ihrer Ausbildung den täglichen Weg in den Kindergarten scheuen - und lieber ein weiteres Studium an einer Universität belegen. Eh wurscht, es geht ja nur um "die Grundlage für alle weiteren Bildungsprozesse", wie uns Frau Professor Wustmann erklärt hat.

Die beruflichen Herausforderungen, denen sich die Kleinen von heute in spätestens 20 Jahren stellen müssen, werden noch anspruchsvoller sein als heute. Noch mehr als heute werden Wissen und Flexibilität wichtig sein. Dazu Sprachen, Internationalität und eine Portion Selbstsicherheit. Alle diese Fähigkeiten werden im Kleinkindalter vorgeformt. Jedes Kind ist anders, jedes muss anders gefordert und gefördert werden. Dafür brauchen wir ausreichend Pädagogen, weibliche und viel mehr männliche - und sie müssen hervorragend ausgebildet werden. Bleibt die Frage, welcher Politiker sich zuerst in dieser Realität einfindet.

Mehr zum Thema

  • Hauptartikel

  • Kommentar