Chronik/Österreich

Nazi-Schmierereien an Minarett in Telfs

15 Meter hoch ist das Bauwerk, das dem Tiroler Telfs den Beinamen "Minarett-Gemeinde" eingebracht hat. Immer wieder gab es Kontroversen um den symbolträchtigen Turm mit einem Halbmond auf der Spitze, der 2006 fertiggestellt wurde. "Es erstaunt mich sehr, dass so etwas passiert. Das Minarett steht jetzt doch schon ein paar Jahre und es hat nie Probleme gegeben. Es gibt einen sehr positiven Austausch", sagt der grüne Landtagsabgeordnete Andreas Angerer aus Telfs.

In der Nacht auf Samstag haben Unbekannte mit schwarzer Farbe Hakenkreuze auf das Minarett und links und rechts der Eingangstüre zur Moschee gesprüht.

Keine heiße Spur

Alle Inhalte anzeigen

Das Amt für Verfassungsschutz ermittelt wegen Sachbeschädigung und eines Verstoßes gegen das Verbotsgesetz. "Ob es einen rechtsradikalen Hintergrund gibt, werden wir erst wissen, wenn wir den Täter kennen", sagt einer der Ermittler. Es habe jedenfalls vor der Schmieraktion keine Hinweise aus einschlägigen Kreisen gegeben, dass sich etwas derartiges ereignen könnte. "Aber eine Moschee mit Minarett ist natürlich immer eine potenzielles Ziel für Rechtsradikale", so der Polizist. Am Dienstag waren die Erhebungen im Gang. Es wurden vor allem Hausbefragungen durchgeführt.Es gäbe jedenfalls noch keine heiße Spur.

Im Jahr 2007 hatten es schon einmal Vandalen auf das Minarett abgesehen und dort ebenfalls ein Hakenkreuz angebracht.Da waren die Diskussionen um den Bau des Turms noch frisch. Die FPÖ versuchte damals diesen zu verhindern. Auch Anrainer protestierten. Letztlich wurde die Höhe des Minaretts um fünf Meter reduziert. Außerdem versicherte der zuständige Verein, dass kein Muezzin vom Turm aus zu Gebeten aufrufen werde.

"Juden raus" gesprüht

Bedenklich kreativ hat sich auch ein 18-Jähriger in Salzburg betätigt: Er stand am Dienstag vor Gericht, weil er "Juden raus" auf die Volksschule in Faistenau (Salzburg-Umgebung) gesprüht haben soll. Er soll außerdem ein Internetforum betrieben haben, in dem Rechtsradikale verbotene Lieder und Musik ausgetauscht haben. Ein Urteil wird für Donnerstag erwartet.