Chronik/Österreich

Grenzzaun soll in vier Wochen stehen

„Wir brauchen hier keinen Zaun. Alle unsere Nachbarn lehnen das ab“, bekräftigte Winzer Erich Polz im Vorfeld sein Nein zum Grenzzaun in Spielfeld: Der insgesamt vier Kilometer lange und 2,5 Meter hohe sogenannte „G 7“-Zaun soll auch über sein Grundstück führen, etwa auf einer Länge von 500 Metern. „Ich will nicht, dass hier vermittelt wird, wir leben in einem Krisengebiet und haben Angst vor irgendwas. Das tut weh.“

Polz ist wie Bernd Pischetsrieder, ehemaliger Vorstandschef von VW, einer jener 18 Anrainer, die von dem Zaun direkt als Grundeigentümer betroffen sind. Auch Pischetsrieder hat schon einmal sein Veto gegen das Projekt angekündigt. Donnerstagabend wurden die Betroffenen am Gemeindeamt erstmals von Vertretern des Innenministeriums und der Landespolizeidirektion näher informiert.

Unter den Teilnehmern war auch Bürgermeister Reinhold Höflechner, ÖVP. Denn auch seine Gemeinde Strass-Spielfeld selbst müsste einen Teil ihres Grundes abgeben und an den Bund vermieten, verpachten oder ihm als sogenannte Bittleihe überlassen. „Hauptsächlich würde der Zaun durch Wiesen und Wälder führen, nur ganz am Ende wären einige wenige Weingärten betroffen“, überlegte Höflechner. „Der Bereich der Weinstraße selbst ist gar nicht betroffen, das ist nicht im touristisch sensiblen Bereich.“ Außerdem sei das auch nur eine „temporäre Geschichte“.

Fast zwei Stunden dauerte der Termin, an dem nur Anrainer teilnehmen durften. An der Tür zum Besprechungssaal wies ein Zettel deutlich darauf hin: „Zutritt nur für Geladene!“ Die Anrainer verließen das Amt danach großteils durch die Hintertür. Grundsätzliche Vereinbarung mit dem Bund wurde noch keine abgeschlossen, dies sei nur eine Info-Veranstaltung gewesen, hieß es. Kommende Woche sollen die Einzelgespräche mit den Grundeigentümern beginnen, sie sollen bis 7. Dezember erledigt sein. Der Zaun selbst soll in vier wochen, also bis Jahresende, stehen, die Ausschreibung zur Vergabe des Auftrages läuft bereits. „Das ist ambitioniert“, gestand Oberst Josef Reich von der Landespolizeidirektion ein, er leitet das Projekt logistisch.

Im Bereich des Grenzüberganges an der Bundesstraße - der sogenannten Kernzone - soll der Zaun vier Meter hoch werden, sonst überall zweieinhalb Meter. Da es nur eine vorrübergehende Maßnahme sei, würde der Zaun auch nicht wie sonst üblich mit Beton im Untergrund festgemacht, sondern „mit Bodenankern wie auch in der Lawinenverbauung. Das ermöglicht aber auch eine Stabilität bis zu sechs Meter Höhe.“ Über die Kosten könne er noch nichts berichten, betonte Reich.

Allerdings fehlt noch das Okay der Anrainer. „Es hat niemanden hier gegeben, der nicht in Gespräche gehen wollte“, versicherte Polizeisprecher Joachim Huber. Sollte ein Grundeigentümer seinen Besitz nicht zur Verfügung stellen, dann „wird in dem Abschnitt auch kein Zaun sein. Dann wird dort eine Lücke sein, die man mit Kollegen und Soldaten abdecken muss“, beschrieb Huber.

Nächste Demo

Abseits der Zaundebatte hat Spielfeld aber auch anderswo zu kämpfen. Für Samstagmittag ist die nächste Demonstration angekündigt: Gegner der Asylpolitik wollen wieder in der Nähe der Grenze aufmarschieren, laut Bezirkshauptmann Manfred Walch dürften unter den 1000 angemeldeten Teilnehmern auch Identitäre sein. Vor zwei Wochen kam es zu Ausschreitungen zwischen einer linken und einer rechten Gruppe in Spielfeld. Der Appell des Bürgermeisters, in der Gemeinde selbst keine Demos mehr abzuhalten, verhallte offensichtlich.

Immerhin, für die Helfer an der Grenze selbst wurde es zuletzt ruhiger: Auch gestern wieder waren die Sammelstellen in Spielfeld als auch in Bad Radkersburg bis zum Nachmittag leer, weil der Zustrom aus dem Sünden abgenommen hat.