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Chronik/Österreich
05.12.2011

Go East: Sind die Ost-Unis besser?

Das Gute liegt so nah: Die Ausstattung der Ost-Unis ist nicht immer die beste, aber die Zukunftsvisionen sind groß.

Die Clubszene in Pristina oder Belgrad ist genauso interessant wie die in 'angesagten' Städten in Westeuropa, hat aber auch den Reiz des Neuen", weiß Oliver Schmitt einen Vorzug von Auslandsaufenthalten in Südosteuropa zu beschreiben. Der Mann muss es wissen, er leitet das Institut für Osteuropäische Geschichte der Uni Wien und ist Mitbegründer des Wiener Osteuropaforums (siehe Artikelende) .

Zum Akademischen: "Vielleicht stehen dort wegen Finanzierungsproblemen nicht überall modernste Labors bereit, in vielen Fächern kann man aber wichtige wissenschaftliche und kulturelle Anregungen erhalten. Es gibt auch ein großes Interesse, dass Österreicher kommen. Man wird mit offenen Armen empfangen." So etwas finde man in beliebteren Erasmus-Städten nicht so schnell.

"Die Möglichkeiten in Osteuropa zu studieren, werden leider zu wenig in Anspruch genommen", meint Schmitt. Derzeit studieren rund 400 Österreicher dort. Das reicht von den renommierten Unis in Prag, Brünn und Budapest bis zu weniger bekannten Hochschulen etwa in Ostrumänien.
Ein Ost-Aufenthalt ist nicht so beliebt wie einer in England oder Spanien, aber Schmitt zählt die Vorteile auf: "Man muss sich nur darauf einlassen - man wird reich beschenkt zurückkommen."

Etwa wenn man im späteren beruflichen Leben als Unternehmer in die Region zurückkommt. "Das Wissen über Sprache, Kultur und Mentalität ist auch ein persönlicher Gewinn", sagt der Osteuropa-Kenner. Und gerade Unternehmen, die in Österreich, insbesondere in Wien, angesiedelt sind, pflegen viele Kontakte nach Osten. Zudem seien die Universitäten meist überschaubarer als etwa im englischsprachigen Raum, Kontakte sind leichter zu knüpfen.
Ein großer Vorteil, denn: "Der, mit dem man heute in einem Studentenheim zusammenwohnt, könnte morgen ein wichtiger Entscheidungsträger sein."

Zurück im Osten

Thomas Macher ist 24, er hat im Sommersemester 2010 auf jener osteuropäischen Uni studiert, die in den internationalen Rankings am besten abschneidet: der Karlsuniversität in Prag. Ein Vorteil dieser Uni: Die Scheinanerkennung und die Anrechnung der "Credit Points" waren wesentlich einfacher als bei seinen anderen Auslandssemestern. Einige Kurse waren "wirklich sehr gut", erinnert er sich, andere weniger. Aber das stand nicht im Vordergrund. "Ich hatte niemals so eine gute Zeit wie in Prag - und das ist auch der Grund warum ich wieder im Osten bin", sagt Thomas, der mittlerweile in Riga seine Magisterarbeit schreibt. "Doch die Qualität der Lehre in Nordamerika ist weit vor Europa - egal ob Ost oder West", weiß Thomas, der auch in Kanada studiert hat. "Aber das Leben und der Umgang der Studenten ist im Osten viel angenehmer."

Betreuung

Tschechien-Experte Stefan Michael Newerkla weiß, warum die tschechischen Unis bei den Rankings für Osteuropa relativ gut (knapp hinter Platz 200, die Uni Wien ist bei den meisten Rankings unter den Top 100) abschneiden: "Es ist das Zusammenwirken von Studienplatzfinanzierung, Aufnahmeprüfungen und einem Studiengebührensystem, das einen Abschluss in Regelzeit forciert." Darüber hinaus prüft eine staatsweite Akkreditierungskommission die Studienpläne öffentlicher und privater Unis und schaut darauf, dass ein gewisser Mix an Studienprogrammen im Angebot bleibt, aber auch, dass Programme eingestellt werden, wenn sie die nötige Qualität nicht mehr garantieren. Newerkla hebt insbesondere das bessere Betreuungsverhältnis hervor. Es gibt mehr Akademiker als in Österreich, und für die sind die Jobchancen relativ gut.

"Österreich wird durch ein verstärktes Wissen mit der Region noch stärker verbunden", sagt Oliver Schmitt zusammenfassend. Das könne man als Student zum eigenen Vorteil nutzen.

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Osteuropaforum: Brücke zwischen Ost und West
Seit zwei Jahren existiert an der Uni Wien die Forschungsplattform "Wiener Osteuropaforum". Oliver Schmitt hat sie gemeinsam mit Kollegen und mit der Unterstützung des Rektorats ins Leben gerufen. "In Wien gibt es eine fast einzigartige Osteuropakompetenz", sagt der Sprecher des Forums. "Die Plattform soll deren Sichtbarkeit und die Aktivität nach außen verstärken."
Austausch "Wir sehen uns als Teil der Gesellschaft", sagt Schmitt. Die Plattform organisiert öffentliche und geschlossene Veranstaltungen, die den Austausch zwischen der Universität Wien und allen möglichen Bildungseinrichtungen in Südost- und Osteuropa verbessern soll. Das Spektrum reicht von Kamingesprächen mit herausragenden Persönlichkeiten bis hin zu öffentlichen Events.
"Österreicher, die in Osteuropa studieren möchten, werden durch entsprechende Austauschprogramme unterstützt", sagt Oliver Schmitt im KURIER-Gespräch. "Wo kein Abkommen besteht, dort können die Angehörigen der Plattform weiterhelfen", weiß er. Die Professoren und Mitglieder der Plattform haben persönliche Kontakte zu Lehrenden in vielen Bildungseinrichtungen in Osteuropa, die sie gerne für Interessierte einsetzen.
Dem Otto-Normal-Studierenden ermöglicht die Forschungsplattform so das Kennenlernen der Universitätslandschaft in Südost- und Osteuropa. Die Mitarbeiter freuen sich, jenen Studenten helfen zu können, die sich für die Region interessieren.