Chronik/Österreich

Die Heimat nascht am Ski-Erfolg mit

So, was wollts jetzt wissen?", fragt Ferdinand Hirscher und rückt sich seine bunte Sonnenbrille über dem üppigen, weißen Schnurrbart zurecht. Ja, er sei natürlich stolz auf seinen Sohn Marcel. Ja, er verfolge jedes Rennen im Fernsehen. Nein, er könne nicht in Colorado bei der Ski-Weltmeisterschaft sein. Flugangst.

"Der Ferdl", wie der Vater von Ski-Ass Marcel Hirscher in Annaberg im Salzburger Pongau genannt wird, beantwortet routiniert die Fragen von Fans, posiert auf der Piste für Fotos. "Das hält mich ein bisserl von der Arbeit auf", sagt der 59-Jährige, der noch immer Skikurse gibt. Die Karriere seines Sohnes unterstützt er seit dessen drittem Lebensjahr. Ob er erfolgreich sei oder nicht, habe für ihn nie eine Rolle gespielt. Auch, ob Marcel heute, Sonntag, noch eine Goldene im Slalom schafft, sei ihm "komplett wurscht. Hauptsach’, er gibt sein Bestes und verletzt sich nicht."

Nationalstolz

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"Wurscht" ist es den Einwohnern seiner Heimatgemeinde nicht ganz. "Wir gratulieren unserem Weltmeister", steht auf einem Schild am Ortseingang. Auf den Marcel sei man stolz, mit dem könne man angeben, sagen einheimische Fans.

An der Kopfbergbahn, wo der 25-Jährige trainiert, wurde eine Abfahrt nach ihm benannt. Teenie-Mädels schleichen mit verstohlenen Blicken am Elternhaus des jungen Skistars vorbei. Hirscher zieht nicht nur den Nationalstolz der Österreicher an, sondern auch den der Niederländer – ist er wegen seiner holländischen Mutter doch Doppelstaatsbürger.

Obwohl der Hype um den derzeit erfolgreichsten Skifahrer der Welt in der Nächtigungsstatistik nicht messbar sei, sei er ein Glücksfall für den kleinen Skiort, sagt Martha Dullnig vom Tourismusverband: "Er betont selbst in der Öffentlichkeit, dass hier seine Wurzeln sind. Das könnten wir gar nicht besser inszenieren."

"Lottosechser"

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Mit der Vermarktung seines einheimischen Ski-Stars ist Flachau schon seit Jahren dick im Geschäft. Salzburg-Stadt hat Mozart, Flachau hat Hermann Maier, scherzt man dort. Touristen pilgern zu seinem Elternhaus in der Hermann-Maier-Straße, zu den Statuen am Hermann-Maier-Platz und beim Skilift, es gibt eine Hermann-Maier-Galerie mit seinen Trophäen und Fanartikeln. Im Sommer geht der Ex-Skistar persönlich mit seinen Fans wandern. "Der Hermann ist für uns ein Lottosechser", sagt Peter Oberreiter vom Tourismusverband. Seit seinem Durchbruch 1998 seien die Nächtigungszahlen um 54 Prozent gestiegen – da sei der "Herminator" sicher ein Faktor.

Völlig spurlos geht hingegen der Erfolg Anna Fenningers an Adnet vorbei. Die kleine Gemeinde bei Hallein hat weder ein eigenes Skigebiet noch ein Hotel; Fans von außerhalb verirren sich nur selten hierher. Zu ihrer Heimkehr am Samstag wurde ein Fest am Ortsplatz veranstaltet, ansonsten sei es ruhig, sagt Gustav Krispler, Obmann des Fanclubs.

"Die Anna mag den Wirbel eh nicht. Was wir tun, tun wir nur für sie – nicht fürs Geld." Der Steinmetz hat ihre Erfolge auf eine Ehrentafel vor ihrem Wohnhaus gemeißelt. "Da ist noch Platz frei für die drei WM-Medaillen", sagt er stolz.