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Chronik/Österreich
05.12.2011

"Die Besten eines Jahrgangs absolvieren ein sehr gutes Studium"

Die Bildungspsychologin der Universität Wien, Univ.-Prof. Christiane Spiel, im Interview.

Für die Bildungspsychologin der Universität Wien, Univ.-Prof. Christiane Spiel gibt es nicht ein finnisches Geheimnis, sondern mehrere. Einer der auffälligsten Unterschiede zu Österreich: Auch finnische Lehrer haben im Sommer lange Ferien, aber Lehrer ist ein hoch angesehener Beruf.

KURIER: Frau Spiel, Finnland ist Topnation beim länderübergreifenden Bildungstest PISA, wie kommt das?
Christiane Spiel: Der wichtigste Eckpfeiler ist, dass Finnland die Lehrerausbildung vor 25 Jahren auf akademisches Niveau gehoben hat. Man kann endlos über Schulstruktur debattieren, aber die Qualität des Unterrichts ist das entscheidende Element einer Schulreform. Unterricht auf dem letzten wissenschaftlichen Stand gilt nicht nur für Fachwissen in Chemie oder Physik, sondern auch im pädagogisch-psychologischen Bereich. Zusätzlich haben die Finnen ihren Schulen große Autonomie gegeben, um unter anderem Lehrer anzustellen und Experten von außen - Schulsozialarbeiter sowie Psychologen - hereinzuholen.

Wie angesehen ist ein Lehrer in Finnland?
Es bewerben sich so viele für das Studium, dass die Universitäten die besten zehn Prozent eines Jahrgangs auswählen. Wenn diese Besten ein gutes Studium absolvieren, steigt das Ansehen. Die PISA-Ergebnisse verstärken den Trend.

Bayern hat ein differenziertes Schulsystem mit früher Trennung - und ist damit erfolgreich. Gibt es nicht doch auch andere Vorbilder als Finnland?
Jein. Wenn man es von der Leistung her bewertet, ist Bayern gut unterwegs, jedoch reproduziert es wie Österreich seine Bildungsschichten. Vereinfacht gesagt: Wenn die Eltern Akademiker sind, werde es auch die Kinder. Wenn die Eltern nur die Pflichtschule haben, ist es sehr wahrscheinlich, dass auch ihre Kinder keine akademische Ausbildung machen. Das finnische System hat ein anderes Ziel: Wir tun alles, damit keiner zurückbleibt. Wollen wir das, dann darf es keine frühe Trennung geben.

Vielleicht sollte es bei uns mehr Drill wie beim PISA-Sieger Schanghai geben?
Nein, das wäre furchtbar. Damit erreichen Sie zwar bessere Leistungen, aber der Preis ist zu hoch. Lernen darf nicht mit Angst verknüpft sein, sondern mit Freude über den Erfolg.

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