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© Bild: KURIER /Gruber Franz
Chronik/Österreich
05.12.2011

Bachelor. Wer? Was?

Leben mit Bologna: Bachelor und Master haben sich in Österreich noch immer nicht durchgesetzt. Zum Leidwesen der Absolventen.

Gertraud Höllmüller hat neben ihrem 40-Stunden-Job im Marketing bei einem großen österreichischen Privatsender den Bachelor in Unternehmensführung absolviert. Freizeit? „Gleich null“, sagt sie. Nach dem Abschluss kündigte sie und bewarb sich neu. „Ich musste erkennen, dass der Bachelor am Arbeitsmarkt nichts wert ist. Du reißt dir den A... auf und dann heißt es, sie können damit nichts anfangen“, erzählt sie betrübt.

So wie Gertraud Höllmüller geht es dem Gros der österreichischen Bachelor-Absolventen: Sie werden von der Wirtschaft kaum wahrgenommen, haben sich in vielen Bereichen des Arbeitsmarktes noch nicht durchgesetzt. Der Grund dafür: Das unscharfe Qualifikationsprofil der Absolventen. „Viele Unternehmen wissen nicht, was der Bachelor-Absolvent für einen Ausbildungsgrad hat. Man ist verunsichert, weiß nicht was das ist. Die Ausbildungsstätten haben hier noch eine Informationsschuld zu begleichen“, sagt Martin Mayer, Chef der Personalberatung Iventa. Personalberater Othmar Hill von Hill International drückt es noch drastischer, fast unbarmherzig aus: „Der Bachelor macht nur arbeitsfähig und nicht mehr. Die Wirtschaft erwartet einen Master.“

Nicht nur die Wirtschaft ist verunsichert, auch die Absolventen tragen ihren Bachelor-Abschluss nicht eben selbstbewusst vor sich her. Auch die sechs vom KURIER befragten Studierenden meinen, am Arbeitsmarkt ohne Master schlechte Karten zu haben. Und so hängen an den Unis acht von zehn Bachelor-Absolventen ein Masterstudium an, an den Fachhochschulen sind es sechs von zehn.

Alles anders

Im Wintersemester 2010 waren bereits 93,7 Prozent der Uni-Studien auf die Bologna Architektur umgestellt. Nach wie vor nicht umgestellt sind etwa Medizin, Pharmazie und Lehramt.

Gudrun Salmhofer ist Bologna-Expertin und an der renommierten Karl-Franzens-Universität in Graz für Qualitätssicherung zuständig. Sie beurteilt die Umstellung und Umsetzung des Bologna-Prozesses in Österreich als durchaus positiv. Doch auch Salmhofer pflichtet bei, dass die Akzeptanz der neuen Studienarchitektur noch zu wünschen übrig lässt: "Es ist ein Umdenken notwendig. Es dauert bis eine Umstellung Akzeptanz findet und vom Arbeitsmarkt anerkannt wird." Nebenbei steht dem Umdenken die Titelverliebtheit im Weg. "Mit den Anglizismen Bachelor und Master können die Österreicher eben nicht viel anfangen", so die Expertin. Doch gerade die Wirtschaft sollte von der neue Studienarchitektur profitieren: Der Bologna-Prozess und eine einheitliche europäische Bildungspolitik sollte auch die Wettbewerbsfähigkeit stärken und den Akademiker-Anteil erhöhen.

"Man hat mit dem Bachelor einen Abschluss geschaffen, der eben relativ schnell zu schaffen ist", sagt Salmhofer.
Die Österreicher sollte sich rasch an die neuen Titel "Bachelor" und "Master" gewöhnen - denn der Magister wird bald Geschichte sein.

Bologna-Prozess: International vergleichbare Studienabschlüsse
Zweck
Ob in Wien, Barcelona oder Berlin - Studienabschlüsse und im Ausland erbrachte Leistungen sollten europaweit vergleichbar sein und anerkannt werden. Das beschlossen 1998 Bildungspolitiker aus 29 Ländern in Bologna/Italien. Mit dem am 1. Jänner 2004 in Kraft getretenen Universitätsgesetz wurde in Österreich festgelegt, dass neue Studien nur mehr als Bachelor- und Masterstudien eingerichtet werden. Es gibt Ausnahmen.

Unterschied
Die Studienarchitektur ist nun dreigliedrig und es geht etwas schneller. Hat das Diplomstudium bis zum Magister mindestens acht Semester in Anspruch genommen, kann der Bachelor in sechs Semestern erreicht werden. Wer will, hängt einen Master von durchschnittlich vier Semestern an. Der PhD löst in Österreich den Doktor ab: PhD-Programme sind international ausgerichtet und in englischer Sprache.