"Vor 50 Jahren haben Neonazis mein Auge zerstört"
Der Linzer Peter Weidner wurde am 30. April 1965 bei einem Fackelmarsch in Klagenfurt mit Metallhaken beschossen.
Der fatale Zwischenfall, der Peter Weidners Leben prägen sollte, trug sich am 30. April vor 50 Jahren zu. Der damals 16-jährige Druckerlehrling hatte an einem Fackelzug der Gewerkschaftsjugend in Klagenfurt teilgenommen.
"Wir waren etwa 20 Leute, die zum Bahnhof marschiert sind", sagt Weidner. Er selbst habe sich in der Mitte des Zuges aufgehalten. "Plötzlich hab’ ich im linken Auge einen Wahnsinnsschmerz verspürt – ein Stich, der mich fast umgehauen hätte", betont Weidner. Nur mit aller Kraft gelang es ihm, nicht ohnmächtig zu werden. Andere Teilnehmer mussten ihn aber festhalten.
Wie sich herausstellte, hatten Unbekannte mit Schleudern aus einem Versteck im Dunkeln Metallhaken verschossen. Weidner war nicht der einzige, der getroffen wurde. "Ein Genosse hat an der Stirn stark geblutet." Freunde stützten den 16-Jährigen und schleppten ihn zur nächsten Polizeistation. "Die Beamten hat aber mein blutendes Auge nicht interessiert, einer hat gesagt: ,Schleicht’s euch, um die Zeit müsstet ihr längst zu Hause sein’", sagt Weidner. Zu Fuß sei er dann ins 15 Minuten entfernte Krankenhaus geführt worden. "Dort hat sich herausgestellt, dass meine Linse total kaputt ist." Im ersten Jahr musste er vier Mal operiert werden. Es sollte aber noch bis in die 1980er Jahre dauern, ehe es Ärzten gelang, ihm auf dem Auge wieder zu ein wenig Sehkraft zu verhelfen. Bis dahin konnte Weidner keinen Autoführerschein machen.
Die Täter des Anschlags wurden nie zur Rechenschaft gezogen. "Es waren Neonazis – in einem Schreiben ist ein später hochrangiger FPÖ-Funktionär bezichtigt worden. Vor Gericht ließ er aber Zeugen aufmarschieren, die für ihn ein Alibi parat hatten."
Seit damals setzt sich der 66-Jährige – er war u. a. zehn Jahre lang oö. Landesvorsitzender der SPÖ-Freiheitskämpfer – für Opfer aller Art ein. In der bundesweiten Opferfürsorgekommission kümmert er sich nun um KZ-Überlebende und Hinterbliebene von Nazi-Opfern: "Diese Aufgabe erfüllt mich total, ich möcht’ sie machen, so lang es gesundheitlich geht."